Der Vertrag über 15 neue Folgen war gerade erst unterschrieben. Und Autor Tom Theunissen eigens für die Fußball-Europameisterschaft 2004 im Juni in Portugal akkreditiert worden. Mitte Februar tagte dann bedenkenschwer die ARD-Sportchefkonferenz. Dann kam die Kündigung. "Sehr überraschend", wie Grimme-Preisträger Theunissen sagt. Klaus Schwarze vom WDR habe am Telefon mitgeteilt, "man wolle das nicht mehr". Gründe: keine. "Das ist alles schon sehr seltsam." Seit 1998 im ProgrammTom Theunissen fertigt seit der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 eine kleine freche Glosse mit dem Titel "... die den Adler tragen" und bereichert damit die ARD-Berichterstattung von Länderspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Mittlerweile gibt es rund 50 Folgen. Mal spöttelt Theunissen über Sponsoren-Wichtigtuereien, mal labt er sich an den Grotesken auf Pressekonferenzen. Besonders gern analysiert er die Sprachakrobatik der Führungsfiguren des Deutschen Fußball-Bund (DFB) wie dem "Skibbi" (Trainer Michael Skibbe) oder dem ewigen "Em Vau" (MV ist DFB-Chef Mayer-Vorfelder). Und immer erbricht am Ende der flott geschnittenen Dreiminüter ein dürres, hässliches Adlerlogo hustend einen Ball."Natürlich", sagt Theunissen, seien die Beiträge "nicht unumstritten gewesen". Aber: "Das liegt halt in der Natur von Satire, da tut auch mal was weh." Vom DFB habe er nie Kritik gehört, "jedenfalls nicht persönlich, höchstens mal um Ecken herum". DFB-Sprecher Gerhard Maier-Röhn, einst selbst ARD-Fernsehmann, hatte während der WM in Japan 2002 mal in der Bild-Zeitung gemeckert, als sich der Adler-Beitrag um seinen Chef Em Vau und dessen Steueraffäre drehte. Theunissens Film lästerte, der DFB-Boss "laboriert an einem Gedächtnisfaserriss". Zur Absetzung der Adler-Glossen finden sich in der ARD nur mühsam Erklärungen. Gerhard Delling (NDR) will gar nichts sagen und verweist auf Hagen Boßdorf, den ARD-Sport-Koordinator in München. Der sagt mehrfach: "Dazu sage ich nichts." Und ansonsten: "Das sind doch alles Interna. Nichts für die Öffentlichkeit." Klaus Schwarze gibt aus dem Urlaubsdomizil auf Fuerteventura kommentarlos den Stab an WDR-Sportchef Heribert Faßbender weiter. Dessen Sekretariat kündigt mehrfach Ruckrufe an, die dann ausbleiben. Immerhin: Alexander Hack, Sprecher für den WDR-Sport, nimmt Stellung. Man könne "nicht von canceln oder kündigen" sprechen und wolle auch "weiter mit Theunissen zusammen arbeiten", nur eben anders: "Wir möchten das Format weiter entwickeln, den Blickwinkel erweitern. Das heißt, nicht mehr nur den DFB als Thema, sondern auch den internationalen Fußball einbeziehen." Was übrigens großen Sinn macht, wenn die Adler-Kicker in der Vorrunde ausscheiden und es dann nichts mehr zu senden gäbe. "Dieses Sicherheitskonzept" sei aber nur, so Hack, "ein Nebenaspekt". Das Beziehungsgeflecht zwischen Sendern und Fußball-Bund ist eng. ARD und ZDF zahlen viele Millionen für die Länderspiel-Übertragungsrechte und möchten die Geschäftspartner aus der Adlerwelt nicht verprellen, vermutlich also Kritik dosieren. Man dürfe indes "ausschließen", so WDR-Sprecher Hack, dass "der DFB auf uns zugekommen" sei mit Bitten um ein Ende der Adlerei. Und selbst wenn es "ein solches Ansinnen" gegeben hätte, "wäre das sicher nicht Grundlage unserer Programmentscheidungen". Immer wieder Befürchtungen Die letzte Adler-Folge war im Herbst 2003 gelaufen, drei Tage nach Rudi Völlers Scheißdreck-und-Käse-Performance in der Halbzeit des Schottland-Spiels in Dortmund. Ein Steilpass für einen Satiriker: "Ich habe mich damals mit der Vorfreude auf die Pressekonferenz danach beschäftigt", sagt Theunissen. Seitdem sei die Kooperation mit der ARD "sehr anstrengend gewesen", immer wieder waren "Befindlichkeiten und Befürchtungen aufgekommen. Manchmal war das sehr unsouverän". Zur WM 2006 hatte Theunissen eigentlich ein neues Konzept geplant, "dem weltgrößten Sportereignis aller Zeiten und Räume". Denn 2006, da wollen "wir Deutschländer" doch alle gemeinsam Weltmeister werden. Das klingt verdächtig nach Ironie. Und also schon wieder konfliktträchtig.Foto: "Alles schon sehr seltsam" - der enttäusche Satiriker Theunissen.