Um die Wettbewerbsgleichheit zu gewährleisten, sind die Sportler bei der Behinderten-Weltmeisterschaft in verschiedene Leistungsgruppen aufgeteilt. Doch genau das erschwert die Integration dieses Sports In die Wettbewerbe nicht behinderter Athleten.Im Olympiastadion von Barcelona war die Siebenkämpferin Sabine Braun gerade dabei, ihren Weitsprung zu verpatzen, als eine Gruppe von Rollstuhifahrern mit einem 1 SOO-m-Rennen die Zuschauer in Erstaunen versetzte. Die Einlage war vom Organisationskomitee als Demonstrationswettbewerb und Hinweis auf die einen Monat später am selben Ort stattfindenden Paralympics gedacht.An gutem Willern fehlte es in der Vergangenheit also nicht, aber so einfach, wie das Beispiel glauben macht, ist das Zusammenlegen von Wettbewerben behinderter und unversehrter Athleten nicht. Um die Wettbewerbsgleichheit zu gewährleisten, sind die behinderten Sportler in 29 verschiedene "Schadensklasssen" aufgeteilt. Das führt zu einer enormen Zahl an Wettbewerben. Mit 274 Finals in zehn Tagen sieht Berlin bei der WM der Behinderten allein in der Leichtathletik schon 18 Entscheidungen mehr, als es bei den Olympischen Spielen in Barcelona in allen Sportarten zusammen gab. Würde man Olympische Spiele und Paralyrnpicszusammenlegen, gingen die 43 unversehiten Goldmedaillengewinner in der Leichtathletik in der Masse der 274 behinderten Titelträger völlig unter.Man müßte also einige Wettkämpfe aus der Masse der Veranstaltungen für die Olympischen Spiele auswählen, doch das hieße letztlich die Sportler gegeneinander auszuspielen. Die rasanten Rennen der Rollstuhlfahrer, die faszinierenden Läufe der Blinden oder der akrobatische Hochsprung der Oberschenkelamputierten hätten sicherlich bessere Chancen, olympisch zu werden, als zum Beispiel die weniger spektakulären Wurfdisziplinen.Ein anderer Weg bestünde darin, die Klassifizierung der Sportler zu vereinfachen, doch das ist nur schwer möglich. Rollstuhifahrer zum Beispiel ist nun einmal nicht gleich Rollstuhlfahrer. Bei 22,48 Sekunden liegt der Weltrekord In der Klasse T 50 bei Querschnittsgelähmten, die infolge eines Halswirhelschadens ihre Finger nur sehr eingeschränkt benutzen können. Hingegen liegt die Weltbestleistung in der Klasse T 53 bei Sportlern, deren Brustwlrbelsäule geschädigt Ist, die aber ihre Azme normal einsetzen können, um sieben Sekunden besser beil 5,46 Sekunden.Eine Zusammenlegung ließe die stärker geschädigten Sportler also chancenlos. Ein absolute Gerechtigkeit ist selbst mit dem bestehenden Klassifizierungssystem ohnehin ncht möglich. Beim 100-m-Finale der Oberschenkelamputierten (T 42) gewann der Schweizer Lucas Christen locker in 13,82 Sekunden. Er ist im Knie amputiert, dem Dritten Gunther Belitz (Wattenscheid, 15,48) hingegen fehlen zur Kraftübertragung auch vier Fünftel seines Oberschenkels.