Vor gut zweieinhalb Jahrzehnten hörte man diesen Song zum ersten Mal, in dem es um die Augen von Bette Davis ging. Überall war er 1981 zu hören, und ja, es ist lange her. Dessen ungeachtet hält sich der Song bis heute im Radio, was wohl nicht allein ein Beleg ist für die Qualitäten der Sängerin Kim Carnes. Im Fall von "Bette Davis' Eyes" trugen vielmehr zwei markante physische Merkmale zur Geburt eines Hits bei: die raue Stimme von Carnes und die medusenhaften Augen eines Hollywood-Stars. Dass Bette Davis Jahrzehnte nach ihren großen Kinoerfolgen und acht Jahre vor ihrem Tod noch so sehr Teil des kollektiven Bewusstseins war, dass man in ihrem Namen die Charts stürmen konnte, sicherte auch Carnes einen Platz im popkulturellen Gedächtnis.Zwei Arten von Schauspielern gibt es, schrieb der US-Filmhistoriker Gene Ringgold einmal: solche, die durch handwerkliches Können ideale Projektionsflächen für das Publikum schaffen. Und andere, die den Zuschauer durch die schiere Macht ihrer Persönlichkeit überwältigen. Bette Davis gehörte zu den letzteren, verließ sich aber nicht allein auf ihr Charisma; das Handwerk erlernte sie nach und nach. Intelligenz, harte Arbeit, Disziplin, Unerschrockenheit, Ehrgeiz - das sind die Botschaften ihrer langen Karriere. Von ihrem auffälligen Aussehen abgesehen mögen auch die Umstände ihrer Herkunft dazu beigetragen haben, dass sie vorzugsweise eigenwillige Frauen spielte, starke Außenseiterinnen. Das Vorbild der Mutter, die Bette und deren Schwester nach der Scheidung der Eltern allein aufzog, war ein ebenso dominanter wie zwiespältiger Einfluss. Wohl nicht zufällig gehören in den bedeutendsten Bette-Davis-Filmen, etwa "All about Eve", Konkurrenzsituationen zum Eindringlichsten, was das Kino je geboten hat. Auch in ihren beruflichen Anfängen hatte es Davis nicht leicht: Sie war ja keine klassische Schönheit, setzte sich aber durch, weil sie über Nachdrücklicheres verfügte: maximale Präsenz.Der Durchbruch gelang ihr 1934 mit "Des Menschen Hörigkeit", wo sie als Kellnerin Mildred skrupellos die Zuneigung eines Mannes ausnutzt. Ähnliche Rollen folgten; elf Mal war Bette Davis für den Oscar nominiert; zweimal gewann sie ihn: 1936 für "Dangerous", 1939 für "Jezebel". Als Vertragsschauspielerin bei Warner kämpfte sie vor Gericht darum, nicht jede triviale Rolle annehmen zu müssen - Davis galt als "toughes Luder". Ob das männliche Publikum diese Schauspielerin tatsächlich mochte, ist nicht überliefert. Vom Image der charismatischen bösen Frau profitieren noch die Horrorfilme, die sie in den 1970ern und 80ern drehte. Am 5. April vor 100 Jahren wurde Ruth Elizabeth Davis geboren. Solche wie sie gibt es in Hollywood nicht mehr.------------------------------Foto: Bette Davis im Jahr 1950 in dem Film "All about Eve"