Eine verkohlte Wand hinter Glas steht im Mittelpunkt der neuen Baracke 38 in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen. Die Spuren des Brandanschlags zweier Rechtsradikaler im September 1992 zu erhalten und so das Gebäude selbst zum Ausstellungsstück werden zu lassen, das war die Idee des Frankfurter Architektenbüros Braun, Voigt und Partner. Das Büro konzipierte den Wiederaufbau der Jüdischen Baracken, in denen während der Nazizeit vor allem jüdische Häftlinge untergebracht waren.Von außen gesehen zerfällt der Bau in zwei Hälften. Ein rostiges Drahtgitter empfindet die Form des zerstörten Gebäudeteils nach. Darunter verbirgt sich der fensterlose Neubau aus Beton. Auf einer Fläche von 250 Quadratmetern, in zwei Ebenen, ist in ihm das neue Museum über jüdische Häftlinge in Sachsenhausen untergebracht.An das Gittergerüst schließt sich der erhaltene, hölzerne Barackenteil an, der in seiner Originalfarbe, einem gräulichen Olivgrün, gestrichen ist. Innen sieht es immer noch so aus wie kurz nach dem Anschlag: Verkohltes Holz, von den Wänden blätternde Farbe. Hier stehen die doppelstöckigen Betten, die Holztische und -bänke, mit deren Hilfe zu DDR-Zeiten der Häftlingsalltag inszeniert wurde.Die 800 Ausstellungsstücke im neuen Museum kommen aus Yad Vashem in Jerusalem, dem Washingtoner Holocaust-Museum, von Häusern in London und Moskau und aus dem Privatbesitz ehemaliger Häftlinge. Banknoten und Briefmarken aus der Fälscherwerkstatt sind darunter, der Koffer des Häftlings Jiri Lom, der ihm auf dem Todesmarsch das Leben rettete und 500 Lederreste aus der dem Lager angegliederten Fabrik, in der Häftlinge die Schuhe der in Osteuropa ermordeten Juden aufarbeiteten. Exemplarische Biographien ehemaliger Häftlinge stehen im Zentrum der Schau, die sich auf die Jahre 1933 bis 1945 beschränkt, diese Beschränkung mittels der Lebensläufe aber durchbricht."Die Ausstellung muß zeigen, daß Sachsenhausen kein wesentlicher Ort der Shoa war, aber gleichzeitig den Zusammenhang zu den Stätten der Massenvernichtung deutlich machen", sagt der Sprecher der Brandenburgischen Gedenkstättenstiftung, Horst Seferens. Die Kosten für den Neubau in Höhe von 4,3 Millionen Mark haben Land und Bund finanziert.Die Einweihung des Museums setzt den Beginn für die Sanierung der gesamten Gedenkstätte. Im Frühjahr wird eine Ausstellung über den Häftlingsalltag in der ebenfalls durch den Brandanschlag in Mitleidenschaft gezogenen Baracke 39 gezeigt, anschließend werden zwei Revierbaracken saniert. Am Sonntag wird das neue Museum mit 350 Ehrengästen feierlich eröffnet.