Zunächst schien es, als ob Sabine Sinjen den Kampf gegen den Krebs gewonnen habe. Seit ihrer Krebsoperation Ende 1984 schaffte sie ein vielbeachtetes Comeback, wobei sie den Verlust eines Auges durch tief ins Gesicht fallende Haarlocken überdeckte. In ihrer Karriere erreichte die gestern im Alter von 52 Jahren in Berlin gestorbene Schauspielerin eine Bandbreite, wie sie nur wenige überzeugend darstellen können. "Ihre Frauengestalten, ob bei Ibsen, bei Giraudoux oder bei Heiner Müller sind es, mit denen sie in die Berliner Thetergeschichte eingeht", würdigte sie Kultursenator Ulrich Roloff-Momin. Sabine Sinjen überzeugte sowohl in seichten Filmen wie "Försterchristel", als auch in dramatischen Krimis ("Der Kommissar") und anspruchsvollen Charakterrollen. Bereits als 14jährige engagierte Filmproduzent "Atze" Brauner die in Itzehoe geborene Tochter einer Journalistin und eines Architekten für den Film. Schon bald nach ihrem Debüt in einer Jungmädchenrolle in Josef von Bakys "Die Frühreifen" (1957) wurde sie zu einem gefragten Nachwuchsstar.Entscheidend sollte die Begegnung mit dem Regisseur Peter Beauvais werden, der sie zur Charakterdarstellerin formte. In den 50er und 60er Jahren spielte Sabine Sinjen an der Seite von Stars wie Gustaf Gründgens, Hans Albers, Gert Fröbe, Walter Giller, Dieter Borsche und Lino Ventura. Für den Film "Es" (1966) von Ulrich Schamomi bekam sie den begehrten Ernst-Lubitsch-Preis und das Filmband in Gold. Die "Goldene Kamera", zwei "Bambis" und vier "Ottos" gehörten zu ihren Ehrungen.Auf den Theaterbühnen Wiens, Hamburgs und Berlins war Sabine Sinjen ein gefragter Star. In Wedekinds "Frühlingserwachen" debütierte sie am Berliner Schiller Theater, an dem sie später auch die Titelrolle der "Undine" von Giraudoux (1967) spielte. Zu ihren großen Erfolgen gehörte die Hauptrolle in "Fräulein Julie" von August Strindberg. Mit ihrem Mann Peter Beauvais drehte sie vielbeachtete Literaturverfilmungen fürs Fernsehen. Schicksalsschläge überschatteten immer wieder ihre Karriere. Bereits in den 50ern platzte der Hollywood-Traum wegen einer Erkrankung. Ein Jahr nach der Scheidung starb 1985 Beauvais, mit dem sie 21 Jahre verheiratet war. Nur wenige Tage nach ihrer Hochzeit mit dem Regieassistenten Günther Huber 1985 mußte sie sich einen Tumor über dem rechten Auge entfernen lassen. Die Zeit, um die Proben für die Aachener Inszenierung von Heiner Müllers Stück "Quartett" zu beenden, blieb ihr nicht mehr. Im September 1994 verschlechterte sich ihr Zustand so sehr, daß sie die Theaterarbeit einstellen mußte. Außer ihren Mann hinterläßt Sabine Sinjen ihren 15jährigen Sohn Simon. +++