BERLIN, 12. März. Das große Rechnen hat begonnen. Mannheim oder die Kölner Haie, vielleicht lieber Titelverteidiger München? "Egal, wir müssen es sowieso nehmen wie es kommt", sagt Heinz Ehlers, der Kapitän der Berlin Capitals. Eigentlich möchte sich niemand an den Spekulationen über den Viertelfinalgegner in den Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga beteiligen. Und doch tun es alle. "Ist eigentlich wurscht", sinniert Karel Slanina, die eine Hälfte des neuen Trainergespanns, und hofft doch: "Nur nicht Mannheim."Gegenüber dem Vorrundenprimus herrscht Respekt. Zu souverän zogen die Adler in den letzten Wochen ihre Kreise, unter anderem mit einem 5:0 über die Capitals. Doch just am Sonntag endete die Erfolgsserie von zehn Siegen am Stück - in Nürnberg setzte es ein 4:6. "Mannheim als Gegner hätte auch einen Vorteil", glaubt Verteidiger Mike Pellegrims. "Da wären wir krasser Außenseiter, hätten nichts zu verlieren." Ein Coup gegen seinen alten Verein, mit dem Pellegrims wie Martin Ulrich und Übergangstrainer Pavel Gross einst dreimal Meister wurde, das wäre schon ein Ding. "Dass wir die schlagen können, haben wir gezeigt."Siege gegen Iserlohn und KasselGegen wen die Capitals nun spielen, das liegt zum Teil in ihrer Hand. Mit Siegen in den beiden ausstehenden Spielen gegen Iserlohn und in Kassel rückte man zumindest auf Platz sieben vor. Mehr allerdings erscheint realistisch betrachtet kaum möglich. Die Trainer stecken deshalb etwas im Zweispalt. Werden die beiden Restpartien mit vollem Einsatz und wie gegen Krefeld mit nur drei Sturmreihen bestritten oder schont man die Kräfte etwas für die Play-offs? "Das hängt auch davon ab, welche Spieler zur Verfügung stehen", mochte sich Slanina noch nicht festlegen. Aber gewinnen wolle man schon.Sein Kapitän sieht noch einen anderen Gesichtspunkt. "Gerade die Spieler, die jetzt zurückkommen, brauchen Spielpraxis", meint Heinz Ehlers. "Außerdem wären zwei Siege gut fürs Selbstvertrauen." Der Däne wirkte am Wochenende nach fünfwöchiger Verletzungspause erstmals wieder mit, erzielte sogar einen Treffer. Allerdings hatte er auch einen bangen Moment zu überstehen, als er nach einem Check des Krefelders Brad Purdie am gerade gesundeten Knie behandelt werden musste. "Es ist alles okay, ich dachte auch erst, es ist schlimmer", gab Ehlers Entwarnung nach seinem Behandlungstermin am Montag. Mit Spezialschiene und schmerzlindernder Spritze läuft er Freitag gegen Iserlohn auf.Dann werden auch der zuletzt gesperrte Yvon Corriveau und Jim Hiller nach auskuriertem Fußbruch zurückerwartet. "Jetzt sind wir komplett und viel stärker", glaubt Ehlers. Allerdings scheint Thomas Sjögren trotz seiner beiden Treffer gegen Krefeld nicht in bester Verfassung. Der sich bereits seit drei Wochen hinziehende Prozess wegen Steuerhinterziehung in Göteborg hat den schwedischen Torjäger offenbar nervlich arg mitgenommen. Genervt reagieren die Capitals-Verantwortlichen auch auf Fragen nach dem tatsächlichen Schuldenberg. Egon Banghards Andeutung, die Verbindlichkeiten könnten weitaus höher als bei 5,7 Millionen Mark liegen, sorgt für Unruhe. Wie hoch genau jene bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) ist, wollte auch Heinz-Joachim Schultz, der VBG-Verantwortliche für die DEL, nicht sagen. Bekannt ist, dass jeder der zehn betroffenen DEL-Vereine rund eine Million Mark Altschulden plus Verzinsung in Raten zu zahlen hat. "In der Regel sind von den Clubs über 50 Prozent abgebaut", so Schultz imaginär. "Im Einzelfall gibt es aber auch Probleme."Der ausstehende Rest muss noch in dieser Spielzeit beglichen sein. Hinzu kommt der (am 6. April festzulegende) Beitrag für das Jahr 2000, der bis zum 15. Mai fällig ist. Im Klartext: Die Capitals haben bis Mai mindestens eine halbe Million Altschulden plus etwa 100 000 Mark aus dem vergangenen Jahr an die VBG zu zahlen. Oder eine weitere Ratenzahlung zu vereinbaren. Siemens und NCC dementierenZumindest mit dem Hallenneubau in Siemensstadt scheint wenigstens alles normal zu laufen. Die am Projekt beteiligten Firmen Siemens und NCC dementierten gegenüber dieser Zeitung das im Pay-TV lancierte Gerücht, sie wollten aus dem 280-Millionen-Mark-Projekt aussteigen. "Das entbehrt jeder Grundlage", so Dieter Hörtreiter, der Siemens-Beauftragte. "Wir sind dabei, eine Lösung für die Arbeitnehmergärten auf dem Gelände zu finden. Dann könnten wir schon im Herbst mit den ersten Arbeiten beginnen. Die Halle wird gebaut."Das Play-off-Reglement // Die acht Play-off-Teilnehmer stehen bereits zwei Spieltage vor Abschluss der Vorrunde fest. Jetzt geht es noch um die bestmögliche Platzierung, denn die ersten Vier besitzen im Viertelfinale Heimvorteil im evtl. fünften Spiel.Im Viertelfinale gibt es die Paarungen Erster - Achter, Zweiter - Siebenter, Dritter - Sechster, Vierter - Fünfter.Das Viertelfinale wird wie alle Play-off-Runden nach dem Modus best of five (drei Siege aus maximal fünf Partien) gespielt. Hat ein Team drei Siege erreicht, entfallen die restlichen Spiele.Spieltermine im Viertelfinale: 23. , 25. , 27. und 30. März sowie der 1. April. Halbfinale: 3. , 6. , 8. , 10. , 12. April.Finale: 14. , 16. , 18. , 20. , 22. April.PETERS Ziel erreicht, die Fans sind vorerst zufrieden: Martin Ulrich, Petri Kujala und Ersatzkeeper Udo Döhler (v. l. ).