Nur die wenigsten Kinofreunde wissen das und nicht einmal alle spezialisierten Filmjournalisten: In Berlin gibt es neben der Berlinale 49 weitere Filmfestivals. An 250 Tagen im Jahr zeigen sie etwa 1 000 Filme aus 30 Ländern. Ein Teil von ihnen ist geografisch ausgerichtet wie die Türkische Filmwoche, Film Polska oder Afrikamera. Ein anderer Teil hat sich einem Thema verschrieben wie das Internationale Fußballfilmfestival 11 mm, das Human Rights Filmfestival oder das Zebra Poetry Filmfestival, das verfilmte Gedichte zeigt.Viele dieser Reihen sind nur notdürftig finanziert und werden von wenigen Personen, oft "ehrenamtlich", organisiert. Wie erreichen sie trotzdem ihr Publikum, wie die nötige Aufmerksamkeit in den Medien? Kann man hier für mehr Übersicht und bessere Planbarkeit im Interesse der Gäste und für erleichterte Arbeitsbedingungen bei den Organisatoren sorgen?Man kann. Der Anstoß kam im vergangenen Herbst von Julien Lamy, der heute das Internetportal cineclic.de für französisches Kino in Deutschland betreibt, und von Anna Leonenko, die sich seit fünf Jahren um die Pressearbeit für die Russische Filmwoche Berlin kümmert. Sie regten ein Netzwerk aller Berliner Filmfestivals an, dem sich inzwischen etwa zwanzig Veranstalter angeschlossen haben. Am Dienstag öffnete Albrecht Behmel vom Berliner Filmforum die Filmbase Lounge in der Köthener Straße zu einer Art Minimesse der Festivals, bei der auch die Idee des Netzwerks einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wurde.In ihrem Vortrag fassten Anna Leonenko und Hajo Schäfer, der für das Festival Achtung Berlin arbeitet, noch einmal die problematische Ausgangslage zusammen: Verschiedene Filmfeste mit ähnlichen Zuschauer-Zielgruppen haben ungleiche Werbemittel und Personalkapazitäten, um auf sich aufmerksam zu machen. Durch ein Netzwerk könnte der Aufwand in bestimmten Bereichen gesenkt werden: bei Werbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, bei der Beratung in der Finanzierung, bei der Organisation von Partys, bei Grafik und Webdesign und bei technischen Ausrüstungen, wo man günstigere Mietverträge abschließen kann, wenn man Geräte über einen längeren Zeitraum leiht.Die inhaltliche Eigenständigkeit der Festivals soll dabei unangetastet bleiben. Gleichwohl gibt es gelegentlich Interessenüberschneidungen, wenn zwei Festivals aus jeweils unterschiedlichen Gründen den gleichen Film in ihrem Programm zeigen wollen. Das ließe sich dann in einem übergreifenden Gremium klären nach dem Vorbild der Premierenabsprachen zwischen den Intendanten der Berliner Opernstiftung. Folgt man Anna Leonenko, so kann das Netzwerk auch dazu dienen, kleinere Festivals in ihrer Legitimierung gegenüber Sponsoren zu stärken, weil sich durch die neu etablierten Präsentationsformen auch der Aufmerksamkeitsfaktor erhöht.Der Zuschauer profitiert schon jetzt davon. Julien Lamy hat eine Internetseite gestaltet, die einen Veranstaltungskalender mit allen Berliner Filmfestivals bietet, unabhängig davon, ob sie dem Netzwerk bereits beigetreten sind oder nicht. Die Adresse ist: www.festiwelt-berlin.de. Ab Dezember soll es den Kalender auch in gedruckter Form geben. Bei entsprechender Kooperationsbereitschaft ließe sich ein Festivalpass herausgeben, der den Besuch mehrerer Filmreihen zum Rabattpreis ermöglicht.Besucht man die Seite von Festiwelt-Berlin, so wundert man sich, was allein bis Oktober in dieser Stadt zu sehen ist: Neben dem Fantasy Filmfest und dem U-Bahn-Festival Going Underground gibt es die medienkritische Reihe Contravision, das Trash-Kurzfilmfest, die Globale 09 mit globalisierungskritischem Kino, die Cinéfête mit französischen Jugendfilmen, das Festival des spirituellen Films, das Flachlandfest mit niederländischem und flämischem Kino, die Norwegische Filmwoche und das Baltic Film Festival. Wer Angst hat, etwas zu versäumen, kann einen kostenlosen Alarmservice abonnieren und wird jeweils drei Tage vor Festivalbeginn per E-Mail "geweckt".Netz im Netz: www.festiwelt-berlin.de------------------------------Foto: Filmfreunde müssen auch wissen, was stattfindet, um ins Kino zu gehen.

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