Von der Effizienz der Medienriesen in Deutschland hält Alexander Gäfe (35) nicht viel: "Es ist doch bedauerlich, wenn man sieht, wie 50 Prozent der Energie in diesen Häusern für Strategiespielchen verschwendet werden. Diese Energien könnte man doch wesentlich kreativer einsetzen - zum Beispiel wenn es darum geht, Stoff zu beurteilen." Da ist die Truppe um den Geschäftsführer der Berliner Produktionsfirma 702 Media aus anderem Holz geschnitzt. Gäfes elfköpfiges Team betreut derzeit 20 Projekte, darunter vier Kino- und drei Serienstoffe, zehn davon befinden sich in der heißen Produktionsphase: unter anderem "Börsenfieber", ein 90-minütiger TV-Krimi und "Mathilda", eine Fantasyserie in vier Teilen. Das aufwändigste Projekt aber ist der Netzkrimi "stahlborn.de", von der Firma als "das erste medienkonvergente Format" für TV, Kino und Internet angekündigt. Im Frühjahr 2001 soll mit der Produktion begonnen werden, und für die Hauptrolle der Archäologin Merle konnte das Unternehmen Esther Schweins gewinnen. Regie führt Sebastian Orlac, die Musik produziert Lotte Ohm und die Herstellungsleitung übernimmt Karsten Brünig. Im Februar wird das Projekt auf dem American Film Market (AFM) in Los Angeles dem internationalen Fachpublikum vorgestellt. Story im NetzStahlborn.de soll eine spannende wie hintergründige Fiktion sein, angesiedelt zwischen "Twin Peaks" und "blairwitch project". Stahlborn, ein fiktiver Ort an der deutsch-polnischen Grenze, ist das Zentrum der Handlung. Vor historischem Hintergrund - altgermanische mythologische Ursprünge, Zweiter Weltkrieg, die DDR der sechziger Jahre und die Jahrtausendwende spielen eine Rolle - agiert Merle, eine junge Archäologin aus Berlin, die mit Vollmachten ausgestattet ist, die jeden Spezialagenten blass werden lassen.Der Krimi wird zwölf Wochen lang im Netz abrufbar sein und bedient sich Tools wie Streaming Video, Audiostreams, Animationen und Texte. Die finanzielle Basis für seine Projekte legt Gäfe unter anderem mit der Produktion von Musik-Videos, seine Handschrift findet sich etwa bei TicTacToe, Lou Bega oder Rammstein. Werbekunden bietet die 702 Media eine neuartige Plattform: Während der Entstehung des Projektes Stahlborn können Werbebotschaften inhaltlich integriert werden. Zielgruppe sind auch hier die allseits begehrten 14- bis 39-Jährigen, natürlich höher gebildet und gut verdienend. Wie die Zusammenarbeit mit Markenartiklern genau aussehen soll, will der 35-jährige Gäfe nicht verraten: "Es wird keine Bannerwerbung sein. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, Markenartikler als Co-Produzenten einzubinden." Der Krimi im Internet:www.stahlborn.de