Die Berliner Firma Arena synchronisiert seit 20 Jahren Fernseh-Serien: Wo "Bonanza" eingedeutscht wurde

,Ja, das kannst du wohl sagen" -- "Ahhh. Ohhh -- "ist das eine Anerkennungsrede, oder was? -- "Wir haben es hier mit einem Quantenspalt im Raum-Zelt-Kontinuum zu tun. In dieser nicht übermäßig logischen Reihenfolge plätschern Sprachfetzen aus dem Lautsprecher des kleinen Regieraums, in dem Boris Tessmann und Jürgen Krzywinski sitzen. Die beiden Männer sind ruhig und nikken oft zufrieden mit dem Kopf. Sie geben einer Sprecherin durch eine Trennscheibe Zeichen. Sie werden nicht irrsinnig, wenn den ganzen Tag sinnlose Satzfragmente auf sie einströmen, sondern finden das völlig normal. Denn was wie eine dadaistische Collage klingt, sind in Wirklichkeit Sätze aus der TV-Serie "Deep Space Nine", die gerade synchronisiert wird."Ich muß den Überblick haben und mir immer vorstellen können, wie nachher der ganze Text klingt", sagt Tessmann, der die Regie führt. Er und sein Tonmeister arbeiten für die Synchronfirma "Arena", die alle Zuschauer kennen, die bei Abspännen nicht sofort umschalten. Seit über zwanzig Jahren präpariert Arena Serien für das deutsche Fernsehen. In den ruhig gelegenen Studios in einer Lankwitzer Wohnsiedlung wurden die Klassiker "Bonanza" und die "Familie Feuerstein" eingedeutscht, bekamen die "Waltons" und der "Denver-Clan" eine neue Tonspur. Früher kamen die Aufträge van ARD und ZDF, heute sind auch viele Privatsender unter den Kunden. Das bedeutet mehr Arbeit: In den letzten Jahren mußte Arena in manchen Bereichen sogar ein Zwei-Schichten-System einführen, um den Berg an Material bewältigen zu können. Heute beschäftigt das Unternehmen 60 Mitarbeiter.Aus den zahlreichen Schneideraumen und Ateliers, die von Arena bei der "Berliner Synchron Aktiengesellschaft" gemietet wurden, quatscht und knallt und ruft es ununterbrochen. Allein für die bloßen Dialoge für eine "Deep Space Nine"-Folge braucht der Regisseur eine halbe Woche -- und dann ist diese noch weit entfernt von der Sendefähigkeit. Der gesamte Ton ist mit so vielen Arbeitsschritten verbunden, daß man sich fragt, ob es nicht schneller ginge, die Serie noch mal neu auf Deutsch zu produzieren.Zunächst wird der ganze Film In "Takes" zerschnippelt. Dann erstellt ein Autor aus einer Rohübersetzung ein Dialogbuch, die Schauspieler sprechen Ihre Parts. Diese werden nun von der Cutterin synchron geschnitten -- bei Arena meistens noch mechanisch mit Tonband, In einigen Räumen aber auch schon digital. Für Geräusche gibt es zwei externe Studios, die Musik wird in der Endabmischung dazugegeben, die in einem großen Studio im Erdgeschoß stattfindet.Arena steht der wachsenden Konkurrenz selbstbewußt gegenüber. "Allein in Berlin gibt es fünf große Studios", erklärt Produktionsleiter-Assistent Herbert Schönian. Aber durch die vielen Sender hat jeder was zu tun." In Lankwitz wird Wert gelegt auf gründliche, professionelle Arbeit. Beispielsweise ist bei den Sprachaufnahmen immer schon die Cutterin mit Im Atelier, was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Viele der Angestellten sind schon sehr lange bei Arena, der Betrieb verströmt eine fast familiäre Atmosphäre. Nach der Wende kamen auch viele DEFA-Sprecher und -Mitarbeiter in die Studios. Probleme gab es damit keine. Nur waren die Übersetzungen manchmal etwas merkwürdig für westdeutsche Ohren. Etwa wenn statt "Kumpel" auf einmal das Wort "Väterchen" im Script auftauchte.Von den Sprechern sind die allermeisten als Schauspieler tätig. Darauf legt Boris Tessmann, der vor kurzem noch selbst auf der Theaterbühne stand, besonderen Wert: "Sie können die Figuren wirklich mit der Stimme verkörpern." Ab und zu, wenn sich eine Rolle anbietet, spricht er auch selbst. Eine heimliche Lieblingsfigur hat jeder. Seine ist Robin aus der uralten Batman-Serie. Da konnte er vor Spaß sogar mal den Überblick verlieren.Liane Rudolph beim Synchronisieren der Serie "Deep Space Nine". Foto: Janus