Die Hülle des Albums ist frech. Jüngere werden sich über die Schriftzüge im blumigen Hippie-Stil wundern, Ältere aber erkennen das Original sofort. Das Cover des ersten Albums von Beatplanet "Wer beatet mehr" ist eine Kopie des legendären Manfred-Krug-Albums "Das war nur ein Moment". Auch in weiteren Details eifern die Musiker dem Paten nach. Dieser hatte sich unter dem Pseudonym Isa Karfunkelstein selbst interviewt, für Beatplanet schreibt der Musikwissenschaftler Burkhard Brosche eine Hymne auf die Combo. Das Album sei ein "Juwel der europäischen Popkultur" und "Bernsteinzimmer der Beatbewegung". Natürlich ahnt jeder, dass dieses Album nicht 1965 verboten wurde und seitdem verschollen ist. Doch ganz aus der Luft geholt ist das Selbstlob tatsächlich nicht: So hinreißend und mitreißend war die DDR-Beat-Musik der 60er-Jahre nur ganz selten! Die pfiffige Berliner Retro-Combo Beatplanet wird von Magazinen wie dem Stern gefeiert und sorgt überall für volle Säle. Ob Punks oder reifes Publikum - auf dem Beatplanet ist bisher noch jeder freudig umhergehüpft.Angefangen hatte alles mit dem Abspielen von Manfred-Krug- und Amiga-Samplern im Tourbus. Die Band war unter dem Namen Sofaplanet noch als Trio unterwegs und nicht ganz unbekannt. Als Spaß spielten sie als ihre eigene Vorband unter dem Namen Beatplanet einen Song "Komm zu mir", der Anleihen bei den Beatles nahm. Im Verlaufe von drei Jahren wurde der Beatplanet immer belebter, inzwischen wurde der Sofaplanet in den Ruhestand geschickt. Um dem Sixties-Sound näher zu kommen, holten Sänger und Gitarrist Sven Rathke, Bassist Martin Gottschild und Schlagzeuger Jan Kertscher einen Pianisten, einen Saxofonisten und zwei Sängerinnen an Bord. Während Anne Müller, die eigentlich Cellistin ist, vor allem den Spaß auf der Bühne hervorhebt, kam Christina Endruweit als eingefleischter Krug-Fan zur Band. Ihre Mutter hatte ihr nicht nur ihr musikalisches Faible, sondern auch ihre Klamotten vererbt. Schon auf dem Abi-Ball auf dem Händel-Gymnasium in Friedrichshain hatte Christina Endruweit einen Song von Manfred Krug gesungen.Die Musiker haben sich nicht nur soundtechnisch um Jahrzehnte zurückgebeamt, bespielen Original-Instrumente und nehmen mit einer simplen Vier-Spur-Maschine auf. Auch optisch soll alles passen, Schlips für die Herren ist Pflicht. Und sie imitieren geschickt Sounds des frühen DDR-Beats. So kommt "Schnafte" wie ein Mitmach-Song des Oktoberklubs daher. "Softeis" ist ein Twist, der in der Mocca-Milch-Eisbar hätte laufen können. Sänger und Texter Sven Rathke arbeitet mit Herz-Schmerz-Reimen, die er gerne ins Absurde kippt. Vokabeln wie "Liebficken", so hieß ihr Hit als Sofaplanet, sind aber natürlich tabu. In "Laika" wird der Fortschrittsgläubigkeit der Zeit eine bizarre Ode gesungen - schließlich verglühte die Hündin im All.Obwohl das erste Album gerade erst erschienen ist, haben Beatplanet schon Songs für ein weiteres Album beisammen, wollen kein kurzfristiges Projekt sein. Für einen Titel baten sie Manfred Krug zum Duett. Doch der sagte ab. Die Musik, die er vor 35 Jahren fabriziert hat, überlässt er gern Musikern, die damals noch gar nicht geboren waren.Nächster Auftritt: 15. Juli in der Kalkscheune, Johannisstr. 2, in Mitte.------------------------------Foto: Adrett: Die Damen in Blümchenkleid, die Herren mit Schlips - Beatplanet spielt mit den Moden.