Einen Tag mal nicht ins Wasser zu gehen ist für Julia Schatz kaum vorstellbar, "Nein", sagt sie, "da jucken mir die Schwimmhäute." Die 22-jährige Berlinerin ist Mitglied in der deutschen Nationalmannschaft der Rettungsschwimmer und nimmt derzeit gerade an den Weltmeisterschaften in Berlin und Warnemünde teil. Rettungssportler aus verschiedenen Ländern treten hier in Einzel- und Gruppendisziplinen gegeneinander an. Die Hallen-Wettkämpfe werden in der Schwimm- und Sprunghalle im Europapark (SSE) in Prenzlauer Berg ausgetragen. Doch richtig spannend wird es für die Freigewässer-Spezialistin Julia Schatz erst am Freitag, da kann sie sich in der 18 Grad "warmen" Ostsee in fünf Disziplinen beweisen. Am meisten freut sie sich auf den Wettkampf "Oceanwoman", das ist die Königsdisziplin im Rettungssport. Für Julia Schatz heißt das 300 Meter Brandungsschwimmen, danach muss sie einen 400 Meter langen Parcours mit Bojen auf einem Rettungsbrett zurücklegen und schließlich noch 500 Meter in einer Art Kajak das Rettungsski-Rennen fahren.Ende April ist die Rettungssportlerin aus Australien zurückgekehrt. Dort hat sie neun Monate hart trainiert und ist deshalb in der deutschen Nationalmannschaft unverzichtbar. "In ihren Disziplinen ist sie die Beste in der Mannschaft", sagt DLRG-Bundestrainerin Anne Lühn, die bis 2000 selbst für die Nationalmannschaft schwamm. "Die Deutschen werden gerne als Pool-Nation bezeichnet", erklärt sie, "weil wir in der Halle so manchen Rekord halten. Aber das freie Gewässer ist nicht unbedingt unsere Stärke." Mit Julia Schatz in der Mannschaft könne man aber auch draußen einiges erreichen, so die Bundestrainerin. Bei der Eröffnung am Sonntag durfte die junge Sportlerin als echtes "Berliner Mädchen" sogar den Olympischen Eid verlesen.Momentan wohnt sie bei ihren Eltern in Eichwalde. Die haben jahrelang an der Wasserrettungsstation "Bammelecke" am Langen See gearbeitet, und so verbrachte Julia Schatz den Großteil ihrer Kindheit bereits am und im Wasser. Ihrem Verein, der DLRG-Ortsgruppe Lichtenberg, hält sie seit Jahren die Treue. Hier sei sie geboren und aufgewachsen, erzählt sie, "hier war ich einfach schon immer."Der Sport ist sehr wichtig für sie, bringt aber keine Perspektiven für die Zukunft mit sich. "Rettungssport kann man leider nicht als Leistungssport betreiben", sagt sie, "dafür ist es einfach zu unbe-kannt." Deshalb hat sie sich für nächstes Semester in Köln an der Hochschule für ein Sportstudium beworben. Als Mitglied im Bundeskader hat sie ganz gute Chancen. Nach ihrem Abitur im Jahr 2005 war sie zwei Jahre lang in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Nach zweimonatiger Grundausbildung konnte sie sich dort ganz dem Sport widmen.Bis Mittwoch feuert sie ihre Mannschaft noch von der Tribüne aus an. "Die Stimmung bei uns ist echt klasse", erzählt sie. Am Freitag geht es dann endlich los an der Ostsee. "Bei den rund 4 000 Rettungssportlern dürfte Warnemünde zur Weltmeisterschaft der wohl sicherste Strand in ganz Europa sein", sagt die Bundestrainerin.------------------------------Retten als SportDie 18. Weltmeisterschaften der Rettungsschwimmer finden bis zum 2. August in Warnemünde und Berlin statt. Rund 4 000 Aktive nehmen teil: 37 Nationalmannschaften, Senioren-Retter (ab 30 Jahre) und 160 Interclub-Teams (Vereine). Zugucken kann jeder. In Berlin: Schwimm- und Sprunghalle Paul-Heyse-Straße 26, täglich 8-17.30 Uhr, Eintritt frei.Noch-Weltmeister ist Australien, wo Rettungsschwimmer ausnahmslos als Profis arbeiten. In der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG sind dagegen die rund 60 000 Aktiven ehrenamtlich tätig.------------------------------Foto : Julia Schatz hat neun Monate in Australien trainiert, um fit für die WM der Rettungsschwimmer zu sein.

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