MADRID, 25. August. Die 15 000 Jahre alten Felsgemälde in den Höhlen von Altamira in der nordspanischen Region Kantabrien werden bald einem großen Publikum zugänglich sein - wenn auch nur als Kopie. Wenige Meter vom Höhleneingang entfernt ist in den vergangenen drei Jahren ein Museumsneubau entstanden, der als Hauptattraktion einen Nachbau der Höhle mit ihren steinzeitlichen Bildern vor allem von Wisenten und Hirschen enthält.Besucherzahl begrenztDas Museum soll noch in diesem Sommer eröffnet werden; das zuständige Kulturministerium in Madrid hat dafür bisher allerdings keinen konkreten Termin genannt. Zum Schutz der Originalbilder ist die Besucherzahl der Höhlen von Altamira in der Nähe der Kleinstadt Santillana del Mar seit dem Jahr 1982 begrenzt.Zurzeit dürfen pro Jahr nicht mehr als 8 500 Menschen die Gemälde aus der letzten Phase der Altsteinzeit bewundern; das sind täglich 10 bis 40 Besucher. Wer sich für eine Besichtigung interessiert, muss über ein Jahr lang auf einen Termin warten. Der Höhlennachbau soll nun im Zehn-Minuten-Rhythmus jeweils 70 Besucher aufnehmen; so könnten jährlich mehr als eine Million Besucher einen kurzen Blick auf die Malereien werfen.Der Eingang zu den Höhlen von Altamira wurde 1868 entdeckt; elf Jahre später stieß ein Forscher auf die Felsmalereien. Es dauerte noch Jahrzehnte, bis die Archäologen und Kunsthistoriker den herausragenden Wert der Bilder erkannten. 1924 stellte der spanische Staat die Höhlen dann unter Schutz; 1985 erklärte die Unesco sie zum Weltkulturerbe.Die berühmten Malereien von Altamira gehören zu den Höhepunkten steinzeitlicher Kunst, wie sie in der Welt nur wenige zu finden sind. Die Höhlen waren in zwei unterschiedlichen Epochen des Jungpaläolithikums (der Jüngeren Altsteinzeit) bewohnt: vor 18 000 und vor 15 000 Jahren. Schon in der ersten Phase entstanden hier Felszeichnungen; die herausragenden Werke allerdings stammen aus der zweiten Phase.Größter Schatz der Höhlen ist der so genannte Bildersaal, dessen Wände und Decke über und über mit Tiermotiven bemalt sind. Neben Wisenten und Hirschen tauchen auch Ziegen, Gämsen und Auerochsen auf. Die Bilder sind mit kaum glaublicher Kunstfertigkeit erstellt, die an die Malerei unserer Zeit erinnert. Die Tiere sind nicht einfach schematisch angedeutet, sondern zeigen sich dem Betrachter in größter Lebendigkeit und einer Vielfalt an Haltungen: mit erhobenem Kopf und Schwanz, bereit zur Paarung; mit gebeugtem Nacken in Angriffsposition; weidend oder aber ruhend.Manche Bilder sind über natürliche Vorsprünge der Höhlenwände gemalt, was ihre Dynamik noch erhöht. Die Umrisse der Tiere wurden mit feinen Steinmeißeln in die Wände geritzt und die Linien mit schwarzer Farbe - gewonnen aus verkohlten Tierknochen und Zähnen - nachgezeichnet; ihre Körper sind mit Braun-, Ocker- und Weißtönen aus Steinmehl gemalt. Die Künstler trugen die Farben direkt mit den Händen auf oder mit einem Blasrohr aus Knochen oder Schilf. Wahrscheinlich dienten die Bilder kultischen Zwecken.Das Schaudern der Jahrtausende"Es war, als wenn die Felsen röhrten", beschrieb der spanische Dichter Rafael Alberti einst seine Eindrücke nach einem Besuch der Höhlen von Altamira. "Dort, in Rot und Schwarz, auf einem Haufen, glänzend durch eindringendes Wasser, standen die Wisente, wütend oder ausruhend. Ein Schaudern der Jahrtausende durchzog den Saal."Dieses Schaudern sollen künftig Millionen von Besuchern empfinden - falls es sich beim Nachbau der Höhlen hat kopieren lassen.Empfindliche Farben // Die Höhlenzeichnungen von Altamira wurden 1879 entdeckt, früher noch als die prähistorische Malerei in den Höhlen von Lascaux (Frankreich).Zuletzt wurden nur rund zwei Dutzend Besucher täglich in die Höhlen gelassen. Die Wartezeit für eine Besichtigung der altsteinzeitlichen Kunst betrug deshalb bis zu zwölf Monate.Temperaturschwankungen oder Ausdünstungen von Menschen stellen eine Gefahr für die Bilder dar. Die Farben bestehen aus Mineralien und Kohle und sind nur mit Wasser gebunden.Deshalb stellten der spanische Staat, die EU und eine Stiftung rund 24 Millionen Mark für einen naturgetreuen Nachbau der Höhlen zur Verfügung.AP/ARANBERRI Prähistorisches Graffito: Ein Maler setzt letzte Pinselstriche an die Reproduktion eines Bisonbildes aus den Höhlen von Altamira in Nordspanien.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.