Zwei Tage nach Erscheinen sei- nes "Stern"-Interviews möchte Ignatz Bubis klargestellt wissen: "Ich habe nicht resigniert." Seine Stimme klingt matt. Nach schwerer Krankheit und mehreren Operationen strengt das Sprechen noch an. "Und im Januar bin ich wieder da!" Was heißt: Der Unternehmer und FDP-Politiker Ignatz Bubis wird sich nach sieben Jahren Vorsitz im Zentralrat der Juden in Deutschland noch einmal um dieses Präsidentenamt bewerben. Er "will nicht müde werden", seiner Mission zu leben: Heranwachsenden erklären, was geschah, und dafür zu wirken, daß "diese unselige Ausgrenzerei von jüdischen und nichtjüdischen Deutschen endlich mal vorbei ist." Doch wir haben es nicht überhört: Die Besorgnis des Ignatz Bubis wird tiefer, seine Bilanz trauriger, bitterer. Als wir im vergangenen November mit ihm über seine ungewöhnlich schroffe Kritik an Martin Walser sprachen, warnte er vor einem "intellektuellen Nationalismus", der "von antisemitischen Zügen nicht frei" sei. Er wollte aufrütteln. Angesichts junger Leute mit "zunehmender Abwehr gegen die Lehren der Vergangenheit" quälte ihn aber auch schon die Frage: "Was hast du bewirkt?" "Nichts oder fast nichts", lautet jetzt, ein gutes halbes Jahr später, sein schockierendes Fazit. Juden und Nichtjuden seien sich fremd geblieben. Politiker und Publizisten haben sich in dieser Woche beeilt, diese pessimistische Einschätzung nicht in dieser Absolutheit stehenzulassen. Bubis sagt dazu: "Ich weiß, daß ich manchmal überziehe." Vielleicht, so räumt er ein, habe er für die offizielle Politik und die öffentliche Meinung einiges bewirken(Fortsetzung Seite 2)