Im Juli hatte die Modemesse Bread & Butter ausgesprochenes Glück mit dem Wetter, viele große Marken hatten ihre Stände nicht in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof, sondern unter dem überdachten Vorfeld aufgebaut, der Luna Park mit Restaurants befand sich gleich ganz unter freiem Himmel. Für die zweite Veranstaltung in Tempelhof vom 20. bis zum 22. Januar musste sich Messechef Karl-Heinz Müller also etwas einfallen lassen - oder die Fläche um gut die Hälfte verkleinern.Müller hat sich was einfallen lassen, gemeinsam mit dem Schöneberger Unternehmen System 180: Auf einer Länge von 380 Metern wird seit Anfang Dezember aus 12,5 Kilometern Edelstahlrohr, 30 Tonnen Stahl, 20 000 Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben, sowie 5 000 Quadratmetern weißer PVC-Plane mit Luftkissenmembran eine neue zwölf Meter hohe Wand gebaut. Diese steht schräg, so dass die Messe 1 500 Quadratmeter Platz hinzu gewinnt.Luftkissen isolierenDie temporäre Wand wird am Boden verschraubt und am Dach angeklemmt, damit der historische, unter Denkmalschutz stehende Bau nicht beschädigt wird. Sie soll nicht nur Regen, Schnee oder kalten Wind abhalten, sie funktioniert gleichzeitig auch als isolierende Schicht, um die warme Luft im Inneren zu halten. In 125 drei mal 13 Meter große, rautenförmig strukturierte Luftkissen wird Luft eingeblasen. Gut aussehen soll die wärmedämmende Wand dann auch noch: "Ein Meisterwerk szenischer Architektur" nennen die Veranstalter ihre Winterlösung. "Sie passt in der Ästhetik perfekt zum Gesamtkonzept der Messe", so Karl-Heinz Müller."Wir planen, produzieren und montieren gleichzeitig, denn die Zeit ist verdammt knapp", sagt Christoph Blanc von System 180, einer der Architekten, die die Konstruktion ersonnen haben. Die Edelstahlrohre, mit denen die Firma nicht nur Bauten für Veranstaltungen, sondern auch Möbel fertigt, werden in Schöneberg gepresst. Für die Firma ist die Wand für die Bread & Butter ihr bisher größtes Projekt. Zwei Dutzend Leute wurden dafür extra engagiert, denn alleine können die 40 Angestellten des Unternehmens die Arbeit nicht bewältigen. In Tempelhof sind derzeit 20 Monteure mit dem Aufbau der Wand beschäftigt.In die Wand müssen 16 Notausgänge gebaut werden und Tore. Über diese Eingangsportale gelangen Besucher durch die Wand in Tunnels und dann in angedockte Pavillons, in denen große Marken wie Boss Orange, Diesel, oder G-Star ihre Kollektionen zeigen. Die Pavillons sind bis zu 700 Quadratmeter groß. Angedockt wird auch ein rundes, 3 000 Quadratmeter großes Zelt, der "Original Sin Saloon". Dort wird es Restaurants geben und dort soll auch die Eröffnungsparty der Modemesse stattfinden.150 neue Toiletten in den HangarsDer Aufwand ist groß für eine Messe, die nur drei Tage dauert. Architekt Christoph Blanc würde sich wünschen, dass die Wand den Winter über stehen bleiben kann und auch für andere Veranstaltungen genutzt wird. Das könnte sich auch Sven Lemiss vortellen. Er ist Geschäftsführer der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die den ehemaligen Flughafen verwaltet. "Das muss aber in Abstimmung mit dem Denkmalschutz geschehen", sagt er. Die Bread & Butter will die Wandkonstruktion, für die robuste und langlebige Materialien gewählt wurden, auf jeden Fall auch bei künftigen Veranstaltungen wieder verwenden. In der Zwischenzeit wird sie auseinandergebaut in einer Halle in Schöneweide eingelagert.Laut Lemiss hat die BIM in den sieben Hangars Vorrichtungen installiert, an die Heiz- oder Kühlgeräte angeschlossen werden können, außerdem wurden die vorhandenen Luftheizungen instand gesetzt und Rohre isoliert. Der Einbau von 150 Toiletten in den Hangars werde im Januar noch vor der Messe abgeschlossen. Die Hangars wurden bereits vor der ersten Bread & Butter mit Fluchttüren verbunden und in die Rolltore wurden Notausgänge eingebaut. Die dafür eingeplanten fünf Millionen Euro seien ausreichend gewesen, so Lemiss.------------------------------Orte der ModeNicht nur im Flughafen Tempelhof wird vom 20. bis 24. Januar Mode gezeigt. Auch in den Rathenauhallen, im Postgüterbahnhof, in der Heeresbäckerei und in den Messehallen finden Modemessen statt. Nach Oberschöneweide ist die Jeans-Messe Jam gezogen, die vorher in Köln stattfand. Am Gleisdreieck ist die Premium zu Hause und in Kreuzberg wird bei Thekey.to Öko-Mode gezeigt. Unterm Funkturm gibt's bei der 5 Elements Unterwäsche zu sehen - wie bei allen Messen allerdings nur für Fachpublikum.Am Bebelplatz findet zum sechsten Mal in einem Zelt die Fashion Week statt. Bisher stehen 19 Schauen auf dem Programm, darunter die von Rena Lange, Strenesse Blue, Kilian Kerner und Anja Gockel. Joop! und Boss bauen ihre Laufstege in der Neuen Nationalgalerie sowie im Hamburger Bahnhof auf.Im Friedrichstadtpalast veranstaltet Michael Michalsky zusammen mit Lala Berlin und Kaviar Gauche eine "StyleNite".Viele Orte in Mitte beteiligen sich an der vierten Showroom-Meile, die für jeden zugänglich ist. Dort präsentieren sich junge Modemacher zusammen mit Künstlern.------------------------------Foto: Ein Teil der Edelstahl-Konstruktion ist bereits aufgebaut.Foto: So sieht sie in der Simulation aus, die isolierende Wand für die Modemesse Bread & Butter im Flughafen Tempelhof.