Vom nächsten Jahr an sollen 99 Prozent aller Linienbusse und Bahnen in Berlin pünktlich abfahren. Diesen Qualitätsstandard will der Senat den Verkehrsbetrieben im neuen Nahverkehrsplan vorschreiben. Eine solch enge Vorgabe gab es in Deutschland bislang nicht, sagte Verkehrs-Staatssekretärin Maria Krautzberger am Montag während der Vorstellung des Plans, der von 2001 bis 2004 gelten soll. Außerdem sollen mehr Bahnen und Nachtbusse verkehren."Wir wollen ein hohes Maß an Qualität sicherstellen", sagte die SPD-Politikerin. Weitere Beispiele: Auf allen Bahnhöfen soll Servicepersonal vertreten sein. An "wichtigen Verknüpfungspunkten" seien Anschlüsse zu sichern. Außerhalb der Innenstadt müsse jeder Fahrgast bei Reisen von mehr als 15 Minuten Dauer einen Sitzplatz haben. Im nächsten Jahr lässt der Senat prüfen, ob die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die S- und die Deutsche Bahn die neuen Normen erfüllen. Außerdem sollen die Betriebe selbst Rechenschaft ablegen. Referatsleiter Georg Müller: "Wir schauen künftig stärker auf die Leistung." Sieben neue Expressbuslinien Allerdings gelten Busse und Bahnen auch bei Verspätungen von bis zu drei Minuten noch als pünktlich. Auch denkt der Senat nicht daran, bei Unpünktlichkeit die vereinbarten Zuschüsse zu mindern. Sanktionen an anderer Stelle wären dagegen nicht ausgeschlossen, hieß es. Der 99-Prozent-Standard ist "eine ehrgeizige Vorgabe, über die man noch sprechen muss", sagte BVG-Marketing-Chef Wolfgang Schwenk. Heute seien über 90 Prozent der Fahrten pünktlich. Ein höherer Anteil scheitere daran, dass Demos den Busverkehr behindern und Straßenbahnschienen häufig zugeparkt werden. Über andere im Plan festgelegte Verbesserungen sind sich der Senat und die BVG einig. So kündigte Schwenk für den 17. September 2001 Neuerungen an: "Mit weiteren Expressbuslinien wollen wir jährlich drei Millionen neue Fahrgäste gewinnen, vor allem unter den Autofahrern", sagte er. Die BVG halte es für sinnvoll, die Zahl der Schnellbusrouten von zehn auf 17 zu erhöhen. Dadurch sollen Außenbezirke besser miteinander verbunden werden. Eine dieser "Tangenten" werde zwischen Spandau und Reinickendorf eingerichtet. Die zweite Verbesserung: "Wir schaffen ein 24-Stunden-Netz", sagte Schwenk. Heute gebe es noch ein besonderes Nachtnetz mit 58 Bus-, fünf Tram- und (am Wochenende) zwei U-Bahn-Linien. Künftig verkehren am Wochenende je sieben U- und Straßenbahnlinien sowie 54 Buslinien rund um die Uhr. Während der Woche sind künftig sieben Straßenbahn- und 54 Buslinien Tag und Nacht in Betrieb. Sieben Busrouten entlang der U-Bahn kommen hinzu. Im Herbst 2001 sollen auch die ersten "Kiezbusse" fahren - kleine wendige Fahrzeuge, die Siedlungen in Außenbezirken besser ans Nahverkehrsnetz anschließen sollen.Es sei möglich, dass es als Ausgleich für neue Angebote woanders Fahrplanausdünnungen gebe, teilte Krautzberger mit. Höhere Zuschüsse werde der Senat nicht zahlen, sagte Verkehrssenator Peter Strieder (SPD): "Wir gehen davon aus, dass die Mehrkosten durch Rationalisierung aufgefangen werden" - oder durch den Einnahmezuwachs, den neue Fahrgäste bescheren werden.1,5 Milliarden Mark vom Staat // Hohe Subvention: Dieses Jahr erhielt Berlins Nahverkehr 1,467 Milliarden Mark Zuschüsse und kassierte 1,15 Milliarden Mark Fahrgeld. Nun will der Senat detaillierter Qualität und Angebot bestimmen. Land als Besteller: Der Nahverkehrsplan ist das "Leitbild" des Senats. Damit schreibt das Land unter anderem lärmarme und behindertengerechte Fahrzeuge vor. Er regelt auch Betriebszeit und Fahrtenhäufigkeit.Neue Verbindungen: Der S-Bahn-Ring wird im Sommer 2002 geschlossen. Spätestens ab 2004 soll die U 76 alle zehn Minuten zwischen Rudow und Kurt-Schumacher-Platz pendeln. Die BVG ist skeptisch.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER U-Bahnhof Jannowitzbrücke: Über 90 Prozent aller Bahnen und Busse sind pünktlich. Bald sollen es 99 Prozent sein.