BERLIN, 13. Januar. Für die italienische Zeitung "La Repubblica" steht fest: "Innerhalb der CDU wird die Angst immer größer und die Möglichkeit immer realer, in die gleiche Krise verstrickt zu werden, die die italienische Bruderpartei zerstört hat." Verstöße gegen das Parteienfinanzierungsgesetz, schwarz Konten, Korruption diese Begriffe rufen in Italien Erinnerungen wach. Allerdings sind die Italiener noch Schlimmeres gewöhnt: Denn auch Mafia-Verbindungen und Morde zählten zu den Vorwürfen gegen ihre Politiker. Die Skandale führten letztlich zum Zusammenbruch der Großpartei Democrazia Cristiana (DC) in den 90er Jahren. Die christlich-demokratische Volkspartei, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem katholischen Antifaschismus hervorging, war als Bollwerk gegen den Kommunismus in Italien gegründet worden. Als Trägerin von 52 Nachkriegsregierungen wurde die DC im Laufe der Jahre zu einer Institution, die immer enger mit dem Staat verschmolz und dabei die Grundlage für die späteren Skandale schuf. Der Staat als Beute der ParteiSeit den 50er Jahren bildeten sich in der DC so genannte Correnti (Strömungen). Sie entwickelten sich im Laufe der Zeit innerhalb der Partei zu Lobbyisten von Wirtschaftsunternehmen, Banken und der katholischen Kirche. Die "Correnti" erschlossen eigene Geldquellen und verteilten die Pfründe unter sich. Parteifreunde wurden mit öffentlichen Ämtern versorgt, staatliche Einrichtungen immer mehr zur Beute der Partei. Große Industrieunternehmen unterstützten das System der DC und erkauften sich dadurch Vorteile. Während die Staatskassen immer leerer wurden, füllten sich die Parteikassen immer mehr. Der finanzielle Schaden, der der Republik durch Günstlingswirtschaft entstand, wird mit 100 Milliarden Mark beziffert. Auch sollen führende DC-Politiker, wie der mehrmalige Ministerpräsident Giulio Andreotti, Verbindungen zur Mafia gehalten haben. Das System kollabierte, als die Staatsanwaltschaft Anfang der 90er Jahre damit begann, nach und nach fast die gesamte Führungsriege der Democrazia Cristiana anzuklagen. Mitglieder der DC versuchten, das eigene politische Überleben durch Abspaltung von der Mutterpartei zu retten. Die Democrazia Cristiana teilte sich wie eine Zelle: Offiziell wurde das Ende der DC im Januar 1994 ausgerufen, als die Partei sich in Partito Populare Italiano (PPI) umbenannte. Von der progressiven christdemokratischen PPI spaltete sich alsbald das Centro Cristiano Democratico (CCD) ab. Davon trennte sich eine kleine Gruppe, die sich fortan CDR nannte. Die Gründung noch einer Kleinpartei, der Cristiani Democratici Uniti (CDU), war das Resultat noch eines Richtungsstreites innerhalb der PPI. Sowohl CDU wie auch CDR vereinigten sich zunächst wieder in der Zentrumspartei Unione Democratica per la Repubblica (UDR). Weitere unzufriedene Ex-DC-Politiker schließlich sammelten sich in der Alleanza Nazionale des Rechtsaußen-Politikers Gianfranco Fini. Koalition mit KommunistenDie PPI blieb die größte der DC-Nachfolgeparteien, konnte jedoch bei den Wahlen vor fünf Jahren nur noch elf Prozent der Stimmen auf sich vereinen, bei den Europawahlen im vergangen Jahr gar nur vier Prozent. Die Entscheidung, die antikommunistische Tradition aufzugeben und mit einer Nachfolgepartei der KPI zu koalieren, kostete die PPI weitere Sympathien. Von diesem Bruch profitierte vor allem der Medien-Mogul Silvio Berlusconi mit seiner Forza Italia.Um die Wähler des bürgerlichen Lagers bemühen sich heute zahlreiche Parteien, darunter die auf den Norden Italiens begrenzte Partei Lega Nord, die Postfaschisten und die Forza Italia. Doch alle Bemühungen, auf den Trümmern der DC eine neue christdemokratische Großpartei aufzubauen, sind bislang gescheitert.