BERLIN. Kofferpacken und Umzugskisten füllen - die Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) sind darin besonders geübt. Gerade ziehen 1300 Berliner Eisenbahner aus mehreren Hauptstadt-Standorten in das neu errichtete Verwaltungsgebäude am Nordbahnhof um. Dort, im Bahntower am Potsdamer Platz sowie am Hauptbahnhof will das Unternehmen einen Großteil seiner in der ganzen Stadt verstreuten 17000 Berliner Mitarbeiter unterbringen.Doch nicht nur innerhalb Berlins bündelt die Deutsche Bahn ihr Geschäft. Die Transport-und Logistik-Sparte Schenker soll künftig zentral von Frankfurt am Main aus geleitet werden. "Dadurch fallen in Berlin 200 Arbeitsplätze weg", sagte der Betriebsratschef der Schenker-Rail-Zentralen, Volker Pretorius, gestern der Berliner Zeitung. Das betrifft 60 Mitarbeiter aus der DB-Holding und 140 weitere Führungskräfte von Schenker Rail. 140 Beschäftigte müssen nach Frankfurt umsiedeln, 60 nach Mainz, wo die Güterbahn Schenker Rail beheimatet ist.Ständiges KofferpackenDer Umzugsbeschluss steht zwar bereits fest, "doch in der nächsten Woche will der Bahnvorstand definitiv beschließen, wo in Frankfurt die neue Schenker-Führung angesiedelt wird". In Frage kommen zwei Standorte: Das neue Airrail-Center ("Squaire") am Flughafenbahnhof oder das neue Stadtviertel Gateway Gardens, das Teil der "Airport City" werden soll. Die Standortwahl ist für die Berliner Mitarbeiter nicht unwichtig: "Wenn sich der Konzern für das Squaire entscheidet, dann rechnen wir bereits im nächsten Jahr mit dem Umzug", sagte Volker Pretorius. Wird es das Gateway Garden, müssen die Koffer erst ein Jahr später gepackt werden.Doch wie auch immer, in der Belegschaft herrsche angesichts der erneuten Verlagerung ohnehin große Unzufriedenheit. Viele von ihnen müssten damit zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre den Wohnort wechseln. Als 2003 die neue Logistik-Zentrale am Leipziger Platz in Berlin geschaffen wurde, kamen rund 150 Mitarbeiter aus Mainz in die Hauptstadt. Zwei Jahre später wollte die Bahn ihre Transportsparte nebst DB-Zentrale nach Hamburg verlagern. Der Deal scheiterte, weil der Eigentümer Bund sich dagegen aussprach. Er hätte für Tausende Mitarbeiter bedeutet, in die Hansestadt umzusiedeln. Vor einem Jahr mussten die DB-Schenker-Mitarbeiter in Berlin vom Leipziger Platz ins benachbarte Sony Center umziehen. Nun heißt es für sie, ab nach Frankfurt."Ich halte dies nicht für sinnvoll", so Pretorius. Zumal die Berliner Schenker-Mitarbeiter kein Einzelfall seien: "Bei der Bahn werden im Turnus von einigen Jahren immer wieder Mitarbeiter zu hunderten durch die Republik verschoben", kritisiert der Betriebsratschef. Mindestens seit zehn Jahren gebe es im Konzern ein ständiges Hin und Her: "Kaum sind die Menschen angekommen, wird bereits eine neue Standortdiskussion entfacht." Das sei auch aus ökonomischer Sicht totaler Unsinn, so Pretorius. "Die Umzugskosten, aber auch die Kosten für damit verbundene Sozialpläne machen solche Umzüge sehr teuer." Die Bahn aber habe derzeit genug andere Probleme, die sehr viel Geld kosten würden.Schließlich seien Umzüge an andere Standorte auch immer mit Know-how-Verlust verbunden. "Wir erleben es immer wieder, dass sehr gute Fachkräfte in solchen Fällen das Unternehmen verlassen und sich einen anderen Job suchen, um am Wohnort bleiben zu können. Unterm Strich sind die Umzugsarien absolut schädlich für das Unternehmen."Frankfurt wird ausgebautGewinner der neuen Strukturen ist Frankfurt am Main, wo es bereits gut 14000 Bahnmitarbeiter gibt. Demnächst werden 330 Führungskräfte der Transport- und Logistikzentrale hinzukommen. Neben den 140 Berliner Beschäftigten ziehen weitere 175 Mitarbeiter von Mainz und 15 von Essen in die hessische Metropole. Sowohl Mainz als Sitz der Güterbahn als auch Essen als Sitz der Schenker AG mit ihrer Zuständigkeit für Lkw-Verkehr, Luft- und Seefracht, bleiben wichtige Transport- und Logistikstandorte - Berlin dagegen nicht. Dort bleiben im überregionalen Management von Schenker lediglich 15 Mitarbeiter aus der Sparte East übrig, die das Osteuropageschäft managen. Es sei denn, es gibt demnächst wieder neue Umzugspläne bei der Bahn.------------------------------Standort im WandelBerlin: Viele Jahre lang gehörte Berlin zu den Schlusslichtern der Wirtschaftsentwicklung. In den letzten Jahren hat jedoch ein erfreulicher Aufholprozess eingesetzt. Zwar verliert der Standort immer wieder Firmen oder -teile wie im Fall Schenker, doch hat sich andererseits der Zustrom in die Hauptstadt deutlich verstärkt. Die Zahl der Arbeitslosen ist aufgrund vieler Langzeitarbeitsloser nach wie vor sehr hoch. Aber seit dem Jahr 2006 nimmt die Beschäftigtenzahl wieder zu. ------------------------------Grafik: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Berlin, (2000 - 2010)Foto: Schenker zieht aus: der Bahntower und das Sony-Center am Potsdamer Platz.