Die deutschen Handballer stimmen sich mit einem Sieg über Spanien auf die EM ein: Suche nach dem Ballgefühl

MINDEN, 16. Januar. Keine Geste der Genugtuung. Nicht einmal ein Anflug eines Lächelns. Daniel Stephan Deutschlands Handballer des Jahres, jüngst zum dritten Mal in Folge gewählt ist misstrauisch geworden. Misstrauisch gegenüber den eigenen Fertigkeiten. Zwar hatte er beim ersten von zwei Abschluss-Testspielen vor der Europameisterschaft (21. bis 30. Januar in Kroatien) gegen Spanien gleich beim ersten Versuch getroffen, und das unhaltbar in den linken Torwinkel, aber was wollte das schon bedeuten nach all den Rückschlägen im letzten Jahr.Es blieb dann auch der einzige Treffer des Lemgoers in diesem Spiel am Freitagabend in Hannover, das 23:25 (13:16) verloren ging. Ganz anders am Sonntag beider zweiten Partie. Stephan traf vier Mal, das deutsche Team revanchierte sich mit einem 27:24 (14:11)-Sieg. Gerühmt als kompletter SpielerStephan, der bei der Europameisterschaft im Sommer 1998 wegen seiner Kreativität im Angriff und der Organisationsfähigkeiten in der Abwehr von allen Trainern als "kompletter Spieler" gerühmt wurde, war zuletzt zu einem dauernden Unsicherheitsfaktor im Planspiel von Bundestrainer Heiner Brand geworden. Unmittelbar vor der Weltmeisterschaft im Juni 1999 hatte er sich den Mittelhandknochen gebrochen. Er fuhr dann zwar doch noch mit nach Ägypten allerdings nur als Reporter für das Fernsehen. Als er nach Monaten wieder den Anschluss schaffte, zog der 26-Jährige sich einen Bänderriss zu, der ihn vor dem Weltcup-Turnier in Berlin aus der Bahn warf. Und dann erneut die Probleme mit der Hand, die anschwoll. Erst am 30. Dezember konnten die Drähte der Operation vom Mai entfernt werden. Die Mediziner verordneten zwei Wochen Spielpause, so verfolgte er das Vierer-Turnier auf Grand Canaria Anfang Januar aus der Heimat. Deutschland verlor gegen Slowenien und Spanien, gewann gegen Portugal, und wurde so Dritter. Nach dem Spiel in Hannover war Stephan dann froh, durch die Autogrammjäger von den Journalisten abgeschirmt zu sein. Um nicht immer die Frage hören zu müssen, auf die er selbst keine wusste: Wird das noch mit der Hand? Am Sonntag gab er sie dann auf dem Parkett. Der Bundestrainer was blieb ihm anderes übrig hatte nie die Hoffnungen aufgegeben, dass sein Regisseur noch zur EM-Form finde, aber auch allzu große Erwartungen gewarnt: "Erst einmal muss Daniel wieder das richtige Ballgefühl finden." Das schien am Freitagabend auch auf andere zuzutreffen. Brand zeigte sich angesichts der Vielzahl technischer Fehler seiner Spieler geradezu erschrocken: "16 Fehler in einem Spiel, das gab es noch nie in meiner dreijährigen Amtszeit." Brand war sich schon da sicher: "Zwei Mal hintereinander werden wir nicht so schlecht spielen." Vieles hänge von der Tagesform ab. Dass die Harmonie im Team mitunter noch fehlt, das ist augenscheinlich. Denn auf zwei "eigentlich feste Größen", wie er sagt, muss Brand verzichten. Bogdan Wenta, Ideengeber des deutschen Angriffspiels, leidet unter den Folgen einer Achillessehnenoperation und hat schon im Dezember abgesagt. Kreisläufer Christian Schwarzer dagegen, ebenfalls operiert, schuftet täglich fünf bis sechs Stunden im Reha-Zentrum des FC Barcelona, in dessen Diensten er seit Saisonbeginn steht. Brand bewertet die Chancen des früheren Niederwürzbachers jedoch eher skeptisch: "Man kann Handball spielen, und man kann bei der EM spielen, das sind zwei verschiedene Dinge." Durch die Knieverletzung von Schwarzers Ersatzmann Joachim Schürmann beim Turnier auf Grand Canaria allerdings hat sich die Personal-Situation weiter verschärft. Heiner Brand holte deshalb vorsorglich einen zurück, der sich 1992 nach dem enttäuschenden zehnten Platz bei den Olympischen Spielen in Barcelona schon verabschiedet hatte: Matthias Hahn vom Titelaspiranten SG Flensburg-Handwitt. Der 35-Jährige bestritt einst, "in grauer Vorzeit", wie er selbst sagt, 55 Länderspiele für die DDR, ehe er 1990 sein Debüt in der bundesdeutschen Auswahl gab. Hahn kann das Spiel lesen Der Bundestrainer ließ sich nicht von der leicht fülligen Figur (1,96 Meter groß, 104 Kilo) des früheren Rostockers täuschen: "Er soll ja nicht 60 Minuten lang über das Parkett hetzen." Hahn sei in dieser Situation die beste Ergänzung zu Klaus-Dieter Petersen, der derzeitigen Nummer eins auf der Kreisposition: "Er kann das Spiel lesen, er weiß, wo er stehen muss." Endlosklagen über die Personalsituation, so Brand am Freitag, werde man ohnehin nicht von ihm hören. Nach der Partie am Sonntag sprühte er gar wieder vor Angrifflslust: "Wir fahren zur EM, um unser Bronzemedaille zu verteidigen."4. HANDBALL-EUROPAMEISTERSCHAFT Für die Spanier ist der Titel Pflicht //