RATINGEN, 5. August. Es gibt Geschäfte, über die mag niemand ein Wort verlieren. Fred Edwards etwa war einst Soldat und als solcher im Einsatz zur Verschwiegenheit verpflichtet. Indiskret wurde es nur, wenn der US-Soldat beim Manöver in Deutschland seine Notdurft verrichtete. Laut soll es gewesen sein auf dem Balken, heißt es. Das stank Edwards gewaltig, und so zimmerte er im Jahr 1973 - vor 30 Jahren - in einer Garage in Velbert, einem Städtchen zwischen Essen, Wuppertal und Düsseldorf, das erste mobile Klo. Er taufte es auf den Namen Dixi. Der Name sollte die Männer erinnern an das Dixi-Automobil, die Frauen an ein Waschmittel gleichen Namens und beide zusammen an den Sound der Dixieland-Musik. Sehr klangvoll.Seither trifft man das Dixi-Häuschen überall. Vor Baustellen ebenso wie auf Prominentenfeiern. Dixi wurde gleichsam zum Synonym für das Örtchen unterwegs. Gleichwohl gab es schon zuvor ähnliche Ideen. Ausgangspunkt war, wie so häufig, Amerika. Bereits in den vierziger Jahren wurde dort John erfunden, eine mobile Latrine, die Werftarbeitern lange Wege und Wartezeiten ersparte. Fred Edwards machte sich diese Erfahrung zu Nutze und vereinte mit seinem transportablen Ein-Zimmer-Haus als Erster in Europa Intimität, Hygiene und Umweltschutz. Nachdem er zunächst die einteilige, gewichtige Fieberglaskabine selbst herstellte, importierte Edwards später die kompletten Häuschen aus Amerika. Mit seiner Firma war er lange Zeit der Einzige in Europa, der mobile Toilettenkabinen vermietete und reinigte.Das stille JubiläumBis Harald Müller kam. Der gründete 1983 in Wiesbaden die WC-Mietfirma Toi Toi. Doch Müller wollte mehr als das schlichte Kunststoff-Klo. Und so schuf er eine Designertoilette, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch gestaltet war. Auch Toi Toi begeht in diesem Jahr einen runden Geburtstag, es ist der 20. Und so feiert die mobile Toilette in diesem Jahr gleich ein doppeltes Jubiläum. Das ist nicht mal schwierig, schließlich fusionierten die beiden Firmen 1997 unter dem Dach der Gruppe Adco Umweltdienste. Doch das Jubiläum wird heimlich und still begangen. Ganz so wie es das Örtchen auch in seinem Namen verlangt.Fred Edwards Erben sitzen heute unweit jenes Ortes, an dem Dixi einst seine Geburtsstunde erlebte. Der Adco-Hauptsitz liegt in einem Gewerbepark in Ratingen, unweit von Düsseldorf. Zu den 50, offiziell als Freifalltoilette bezeichneten Häuschen, mit denen Fred Edwards einst startete, haben sich mittlerweile 120 000 Dixi- und Toi-Toi-Kabinen hinzugesellt. 1 400 Mitarbeiter kümmern sich in 26 Ländern rund ums Thema Notdurft. Damit steht Adco nach eigenen Angaben weltweit an der Spitze des mobilen Klo-Gewerbes. Doch die Konkurrenz ist groß: Allein in Deutschland produzieren und platzieren mehr als 200 Wettbewerber mobile Kunststoffhäuschen, was dem Pionier aus Ratingen manches Problem bereitet. Denn viele Toilettennutzer verstehen Dixi nicht nur als Marke, sondern auch als Synonym. Tempo und Tesa teilen das gleiche Schicksal. Dabei ist wirklich nur dort, wo Dixi draufsteht, auch Dixi drin. Dafür garantieren drei einsame Herzchen als wehmütige Erinnerung an frühere Lokus-Zeiten. Dass Edwards Erfindung derart bekannt wurde, verdankt sie nicht zuletzt dem lieben Gott. Schließlich gelang dem Dixi-Häuschen beim Deutschland-Besuch von Papst Johannes Paul II. 1980 der endgültige Durchbruch. Seither setzt die Firma Adco ihre Toiletten überall ab, auf Baustellen, im Karneval oder auf dem Oktoberfest in München. Selbst auf einem Gletscher wird das Dixi-Klo zur Skisaison aufgestellt. Und Erfahrung im Showgeschäft hat es auch: Neben einem Auftritt im Kinofilm "Was nicht passt, wird passend gemacht" erhielt ein Toi-Fresh-Klo eine eigene Rolle im Big-Brother-Haus, als sich Verona Feldbusch zierte, die gemeinschaftlichen Sanitärräume aufzusuchen.Ja, ja, die Zier. Auch nach 30 Jahren Mobil-Klo-Historie befällt sie noch so machen Notdürftigen. Doch nach Angaben von Petra Kerkmann, Marketingleiterin der Firma Adco, verbinden viele Menschen mit Dixi mittlerweile Fun und Kult. Vermutlich nicht zuletzt, weil sich das einprägsame schlichte, blau-weiße Logo mit drei Herzchen in drei Jahrzehnten nie verändert hat. Dazu gekommen sind aber viele Neuheiten, ob der Sanitär-Container samt Dusche, die marmorne VIP-Variante, das WC als Sonderwerbeform sowie das mobile Pissoir, der so genannte Kros-Ständer, der seit kurzem dem Problem Herren & Bäume zu Leibe rücken soll.Auch seinen militärischen Ursprüngen blieb Dixi treu. So begleitet die Toilette auch die Bundeswehr in den Kosovo. Und nicht nur dorthin. Besonders gefragt sind Dixis und deren Servicefahrer auf Truppenübungsplätzen, weil die Häuschen stets mit den Soldaten wandern und die Adco-Mitarbeiter für Suchtruppen wertvolle Standort-Informationen liefern. Doch die verraten nichts. Schließlich handelt es sich um ein vertrauliches Geschäft. Drinnen wie draußen.Von Kabinen und Trennwänden // Das Wasserklosett ist bereits den antiken Hochkulturen bekannt. Im antiken Rom gibt es sogar öffentliche Toiletten, die - ohne Kabinen oder Trennwände - ein geselliger, gesprächiger Ort sind. Die Fäkalien werden durch einen darunter befindlichen Wassergraben weggespült.Mit dem Untergang des römischen Reiches sinkt auch der Hygienestandard. Nach Abortlöchern in der freien Natur oder in diskreten Kabinen, Gemeinschaftslatrinen, Plumpsklos oder Donnerbalken mit Grube, Vasen, Nachttöpfen und Leibstuhl setzen sich die heutigen Spülklosetts erst Ende des 19. Jahrhunderts durch.Fred Edwards bringt 1973 in Deutschland die mobile Dixi-Toilette auf den Markt. Der Grund: Der US-Soldat fühlt sich bei der Verrichtung seiner Notdurft im Manöver gestört und sehnt sich nach mehr Intimität. Seither präsentiert sich die mobile Toilette überall und in vielen Varianten: von der Standardversion auf Baustellen bis hin zur Luxusausführung mit Marmor auf Prominentenfeiern. Auch das einstige Häkeldeckchen für Toilettenpapier hat ausgesorgt. Längst gibt es modische Camouflagebeutel (s. Foto).Der 19. November, vor drei Jahren erstmals zum Welttoilettentag erkoren, soll auf die Mängel der stillen Örtchen hinweisen. Denn auch im 21. Jahrhundert haben nach Angaben der Welttoilettenorganisation WTO 40 Prozent aller Menschen niemals ein Klo mit Spülung aufgesucht.Jack Sim, der Gründer der WTO, möchte nicht nur das Tabu-Thema Toilette brechen. Anliegen seiner Organisation ist es, die Menschen in den Entwicklungsländern mit hygienischen Anlagen zu versorgen, um eine Verseuchung des Trinkwassers und daraus resultierende Krankheiten zu verhindern. Das Gipfeltreffen der WTO, die ihren Sitz in Singapur hat, findet in diesem Jahr in Indien statt.Die Autorin Mila Schrader hat die Geschichte der Toilette in einem Buch zusammengefasst: Der Titel: Plumpsklo, Abort, Stilles Örtchen. Preis: 28 Euro.Die Toilette im Internet: www. worldtoilet. org.AP, BLZ/WÄCHTER Das mobile Klo ist überall - etwa beim Rolling-Stones-Konzert in Toronto.