Ihr Spielerpaß ist immer noch gültig. "Nur für den Fall aller Fälle", sagt Kristina Richter. Die dreifache Handball-Weltmeisterin, die in 235 Länderspielen für die DDR 881 Tore warf und maßgeblich am Gewinn von zwei olympischen Medaillen (Silber 1976 in Los Angeles/Bronze 1980 in Moskau) beteiligt war, steht noch heute fast täglich auf dem Parkett - als Trainerin des Berliner TSC. Seit drei Jahrzehnten hält sie dem Verein die Treue, mit dem sie einst dreifache Europapokalsiegerin und viermal Landesmeisterin wurde. "Daran wird sich auch nichts ändern, wenn am 15. Dezember meine ABM-Stelle bei der Sportarbeitsgemeinschaft Pankow ausläuft und ich mein Geld vom Arbeitsamt beziehen muß", versichert Kristina Richter. Die TSC-Frauen sind heute drittklassig, spielen in der Südgruppe der Regionalliga Nordost. Sie stehen zwar im Moment sogar an der Spitze, aber an den Aufstieg in die zweite Bundesliga, so die Trainerin, denke sie nicht: "Das können wir uns finanziell gar nicht leisten." Die Finanzmisere war schon 1994 nach dem Abstieg aus der gesamtdeutschen Eliteliga der Grund für das damalige Team, gemeinsam mit Trainer Rüdiger Bones zum Berliner VB 49 zu wechseln. Denn der TSC hatte die Mannschaft sogar für die zweite Bundesliga abmelden müssen. Kristina Richter blieb zurück, startete mit ihrer A-Jugend-Mannschaft einen erfolgreichen Neubeginn bei den Erwachsenen. Gleichzeitig widmet sie sich dem Nachwuchs - beim eigenen Verein und bei Empor Pankow. "Der Tag ist ausgefüllt, da bleibt keine Zeit zum Trübsalblasen", schiebt die Diplom-Sportlehrerin Gedanken an die unsichere berufliche Zukunft fort. Den "Fall aller Fälle" hat es übrigens zuletzt vor einem Jahr im Spiel gegen Tempelhof-Mariendorf gegeben, als die Trainerin sich selbst einwechselte und mit einem Tor die Weichen zum Sieg stellte. "Auf meine Schlagwurffinte fallen sie auch heute noch alle rein", ist sich die Berlinerin sicher. Und darauf kann sie zu Recht stolz sein: Kristina Richter feiert heute ihren 50. Geburtstag. +++