Ein Wachmann mit hellblauem Hemd geht Streife auf den sternförmig angelegten Gehwegen. Der Rasen ist akkurat geschnitten, die üppigen Blumenbeete werden gehegt. Der Los-Angeles-Platz unweit der Gedächtniskirche ist von einem kleinen Zaun umgeben. Der Platz, eher eine Parkanlage, ist kein öffentlicher Raum, er ist in Besitz der Firma contipark, die auch die Tiefgarage unter dem Platz betreibt. Deshalb der Wachmann und der Zaun. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Zauntüren abgeschlossen, der Park ist dann zu. "Was wollen Menschen auch nachts in einem Park?" sagt der Wachmann mit dem schütteren Haar. "Betreten Sie nicht den Rasen" steht auf unzähligen Schildern rund um den Platz. Vor drei Jahren übernahm die Firma den öffentlichen Raum. Der Bezirk Charlottenburg war froh, das Sorgenkind Los-Angeles-Platz losgeworden zu sein. Denn die Drogenszene vom Bahnhof Zoo hatte sich am Platz niedergelassen. Im Schatten des Springbrunnens setzten sich Süchtige ihren Schuss. Nun hat der Sicherheitsdienst das Sagen."Glücklich über den Verkauf""Wir sind sehr glücklich, dass der Platz verkauft worden ist", sagt Hans J. Kauschke, Chef des Steigenberger-Hotels an der Nordseite des Platzes. Das sechsstöckige, lang gestreckte Gebäude mit der schnörkellosen Fassade dominiert den Los-Angeles-Platz. "Wie so häufig hatte sich herausgestellt, dass der Staat seine Grünanlagen nicht bewirtschaften kann", sagt Hotel-Chef Kauschke, "heute ist unser Hotel wieder eine Oase der Ruhe mitten in der Hektik der Stadt, die Junkys sind weg." Ja sogar Aerobic-Kurse könne das Hotel nun wieder auf dem Areal des Los-Angeles-Platzes abhalten. Auf der Südseite wird der Los-Angeles-Platz heute noch von den Altbauten an der Augsburger Straße begrenzt. Hier betreibt Wolfgang Schliemann seine Schreibwarenhandlung. Im Hinterraum unterhält er eine kleine Buchbinderei. "Das bringt ein paar Mark mehr ein", sagt der 56-Jährige. Das Geschäft hat er vor Jahrzehnten von seinem Vater übernommen. Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als dort, wo jetzt der Platz ist, Häuser standen. "Damals konnte man dort alles bekommen. Leichte Mädchen oder Hehlerware", sagt er, "es gab einen richtigen Schwarzmarkt hier.""Das Leben zieht woanders hin"Schliemanns Schreibwarenhandlung läuft seit Jahren nicht gut. "Von ein paar Bleistiften kann man nicht leben", sagt er. Großkunden wie die Senatsverwaltung für Finanzen sind in den vergangenen Jahren nach Mitte gezogen. Das merkt Wolfgang Schliemann. Zudem hat der neue Hauseigentümer die Ladenmiete erhöht. "Verlängern werde ich meinen Mietvertrag nicht mehr", sagt Schliemann. Für Eigentumswohnungen in dem Haus verlange man bereits 5 100 Mark pro Quadratmeter, sagt er. Eine Wohnung in Kudamm-Nähe zu haben mitsamt einem bewachten Park vor der Haustür, dafür lege mancher viel Geld hin. "Das Leben aber ist woanders hingezogen", sagt Wolfgang Schliemann.LOS-ANGELES-PLATZ Einst nur eine Straße // 1981 ist der Platz in seiner jetzigen Form entstanden, 1982 erhielt er den Namen Los-Angeles-Platz. Zeitgleich wurde das Steigenberger-Hotel gebaut.Historisch gewachsen ist der Ort nicht. In den 50er Jahren standen dort noch Häuser. Auf der Suche nach der autogerechten Stadt wurden die Altbauten dann abgerissen. Es entstand ein asphaltierter Parkplatz für Kudamm-Besucher.