Wenn der Auslöser seiner Kamera klickt, hat Tobias Palmer sich entschieden. Er kann sich die Wohnung umdekoriert vorstellen, sieht sie schon in einem Film. "Ich suche nach Orten, um Geschichten zu erzählen", sagt Palmer. Als sogenannter Locationscout wählt er Plätze, Häuser und Wohnungen als Kulisse für Filme aus. Die Suche nach immer neuen, noch unverbrauchten Drehorten fällt ihm nicht immer leicht. Für einen Fernsehkrimi-Bösewicht, der einen Helikopter-Ingenieur spielen und am Flughafen wohnen sollte, hat er lange vergebens nach einem passenden Apartment gesucht. "Durch einen Tipp habe ich aber eine Wohnung gefunden, in der ein Mann wohnte, der Hubschraubermodelle bastelt."Rund 400 Drehwohnungen hat Palmer im Archiv. Dass noch mehr hinzukommen, dafür sorgen inzwischen die Berliner selber. "Menschen mailen mir Bilder ihrer Wohnungen, weil sie diese für geeignete Drehorte halten." Doch nicht jede Wohnung ist dafür geeignet. "Die Wohnung sollte nicht höher als im zweiten Obergeschoss liegen, und der Boden darf nicht knarzen", nennt Palmer die wichtigsten Kriterien. Wichtige Details lassen sich jedoch erst klären, wenn der genaue Ablaufplan vorliegt. Erst dann kann überprüft werden, ob der technische Ablauf in der Wohnung oder dem Haus überhaupt umsetzbar ist.Auch auf Seiten des Wohnungsanbieters müssen vor der ersten Klappe ein paar Punkte geklärt sein. Ist er selbst nur Mieter, braucht er die Zustimmung des Vermieters, ehe er die Wohnung an das Filmteam untervermieten darf. Hilfreich ist auch, die Nachbarn rechtzeitig auf die Pläne hinzuweisen. Seriöse Filmproduktionen kündigen die Dreharbeiten frühzeitig per Aushang in der Nachbarschaft an und stellen, wenn nötig, geschultes Personal ab, um Anwohner und Nachbarn psychologisch zu betreuen.Mieter zieht ins HotelSind alle Bedingungen erfüllt und kommt ein Vertrag zustande, rentiert sich das für die Bewerber. "Der Regelsatz der Motivmiete entspricht einer Monatskaltmiete", sagt Palmer. Pro Drehtag wohlgemerkt. Zusätzlich zur Motivmiete zahlt die Produktionsfirma auch noch für den Hotelaufenthalt. Was sich zunächst recht komfortabel anhört, hat auch seine Tücken. Wie viele Drehtage benötigt werden, verrät nämlich erst der aktuelle Drehplan. Es können ein oder zwei sein, bei einer großen Produktion aber auch fünf, zehn oder mehr."Hollywood war klasse", erinnert sich Aletta Theurer, deren Wohnung in der Charlottenburger Mommsenstraße ausgewählt wurde -für den Kinofilm "Flightplan" mit Jodie Foster in der Hauptrolle. Ein Riesenaufwand sei das gewesen, so Theurer: "Alle Straßen drumherum waren abgesperrt, für Besitzer und Anwohner wurden Shuttledienste und ein Parkhaus eingerichtet." Im Film ist das zu einem Wolkenzimmer umdekorierte Kinderzimmer der Familie aber nur ein paar Sekunden im Bild. "Dafür mussten wir 16 Tage lang ins Hotel", sagt Theurer, "und bis der Film ins Kino kam, durften wir das Zimmer der Öffentlichkeit nicht zeigen."Die Sekunden des Ruhms haben jedoch ihren Preis. Denn wer sich ein ganzes Filmteam nach Hause holt, sollte auch damit leben können, wenn die Einrichtung beschädigt wird. "Klar, die Wohnung leidet schon", sagt Theurer, "aber uns hat Hollywood eine schöne Aufwandsentschädigung gezahlt." Ohne Kompensation mussten hingegen ihre Nachbarn auskommen. In der Mommsenstraße bekamen zwei von ihnen bei Nachtaufnahmen kein Auge zu. "Der Innenhof war taghell erleuchtet, riesige Schweinwerfer direkt auf die Fassade gerichtet." Auf Ruhezeiten nehmen Filmcrews oft keine Rücksicht. Sie wollen 24 Stunden lang Zugriff auf die Drehwohnung haben. In solchen Fällen helfen ein rechtzeitiger Hinweis vorab und ein klärendes Gespräch, um Unstimmigkeiten zwischen Produktionsteam und Anwohnern zu vermeiden. Oder aber ein Autogramm vom Filmstar entschädigt.------------------------------MotivmieteVertragliche RegelungenDie meisten Filmproduktionsgesellschaften benutzen Standardverträge für die Motivmiete. Darin sollte die genaue Höhe der Miete und sonstigen Leistungen (wie etwa Hotelübernachtung) aufgeführt sein, ebenso die Dauer des Drehs in der Wohnung und eine Zusicherung, dass die Versicherung der Produktionsgesellschaft für eventuelle Schäden im Haus oder der Wohnung aufkommt. Der Wohnungsnutzer braucht -wenn er selbst nur Mieter ist -die schriftliche Einverständniserklärung des Besitzers, dass die Immobilie an ein Filmteam untervermietet werden darf.Kontakte knüpfenDie Film- und Fernsehbranche unterhält im Internet eine Reihe seriöser Plattformen; sowohl als Gast als auch als registrierter Nutzer kann man etwa nach Location-Scouts forschen, um ihnen die eigene Wohnung als Drehort vorzuschlagen, zum Beispiel unter: www.crew-united.de (>Freelancer >Location Scout).------------------------------Foto: Filmteams brauchen für große Produktionen viel Platz in der Wohnung. Diese wollen sie dann auch rund um die Uhr nutzen, was zu Spannungen mit den Nachbarn führen kann.