Die Regeln: Links bilden zwei Mannschaften die Regierung, rechts zwei die Opposition. Eine Mannschaft besteht aus zwei Personen. Die Regierung beginnt mit einer Rede, die Opposition antwortet und im Wechsel so fort bis zum Ende. Sieben Minuten Redezeit, zwischen zweiter und sechster können Zwischenfragen gestellt werden, die der Redner nach Belieben ablehnt oder sich anhört. Zur Vorbereitung auf die Debatte haben die Redner eine Viertelstunde Zeit.Das Thema des sonntäglichen Finales im Senatssaal der Humboldt-Uni erwies sich als Missgriff: "Dieses Haus hat eine Vision". Mit Haus ist das Parlament gemeint. Nur das erste Team konnte sich wirklich auf das Thema vorbereiten, die anderen mussten die Vision bearbeiten, die der erste Redner vorgab. Was sie wohl in den fünfzehn Minuten gemacht haben? Plapperwasser getrunken.Die erste Regierungsmannschaft, zwei Studenten aus Berlin, wollte besonders schlau sein: Weil die erste Oppositionsgruppe aus zwei Frauen (Münster) bestand, rief sie das "Jahrhundert der Frau aus", wobei sich der Premierminister nicht nur durch Geheimratsecken, sondern auch durch siebenminütiges Gewäsch mit Satzanfängen wie "Lassen Sie uns" als Politikertalent zeigte. Es bewahrheitete sich, was eingangs der Präsident des Deutschen Anwaltsvereins, Michael Streck, bemerkt hatte: dass es Juristen in der Regel um etwas gehe, während Politiker oft das Argument scheuten. Der Beifall für das staatstragende Geschwätz war groß.Die Erwiderung der Opposition ließ sich kaum peinlicher denken. Eine im Stimmbruch befindliche junge Frau im grünen Kostüm redete Unfug, dass sich die Balken bogen, wozu sie beständig zappelte und in den hinteren Reihen kaum zu verstehen war. Sie setzte dem Jahrhundert der Frau eines der Menschheit entgegen, sprach von Afrika und gab Sätze von sich wie: "Die Menschenrechtsfrage ist schlecht in weiten Teilen der Welt".Nach hundert Jahren Feminismus schienen alle acht Finalisten völlig unbeleckt, auch die aktuelle Feldbusch-Schwarzer-Fehde, über die jeder Zeitungsleser ohne Vorbereitung ein Referat über den grotesken Streit ums Frauenbild halten könnte, fand keine Erwähnung.Der zweite Regierungsredner präzisierte seinen Vorgänger, erstens wolle man ein Haushältergehalt zahlen und zweitens Internet für alle. Für die Gleichberechtigung werde man sich nötigenfalls verschulden. So absurd galoppierte der Zirkus eine Stunde lang, eine schwarze Stunde für die Rhetorik, die am Ende von einem der Veranstalter zum Unmut der Tübinger Rhetorik-Studenten noch durch eine Erwähnung Goebbels diskreditiert wurde. Ebenso sprach für eine Verkennung der zweitausend Jahre alten Denk- und Redekunst, dass die Verlierer als Trostpreis eine Schopenhauer-Anweisung geschenkt bekamen, wie man andern das Wort im Mund umdreht.Statt acht Redner in Schande untergehen zu lassen, lobte die Jury brav die Preise aus; die clownesken Damen, die in ihrer Redezeit am ehesten nur Atemluft verbraucht hatten, bekamen den Pokal, mit einem Hahn auf dem Deckel. Dem tollen Regierungsprogramm sei so schwer etwas entgegenzusetzen gewesen, das Jahrhundert der Menschheit wäre eine tolle Idee, hieß es. Verdienterweise zum besten Redner gekürt wurde der in England geschulte Vizeeuropameister Christoph Busch aus Münster, der die Debatte mit den Worten abbügelte: "Rufen Sie nicht das Jahrhundert der Frau aus, rufen Sie Ihre Freundin an!" Sein Preis: Die Nobelpreisreden von Böll und Grass auf CD.Das Wort Debattierklub bleibt eine Schmähung, solange die Öffentlichkeit solche Debakel erlebt. Im Halbfinale hatte man zuvor auch handfeste Fragen bearbeitet, wie ebenfalls sehr unzufriedene Studenten hinterher draußen glaubhaft machten, so wurde etwa die Eingliederung Russlands in die EU debattiert und ein Demonstrationsverbot an Holocaust-Denkmal und Brandenburger Tor, Themen also, die nicht ohne Argumente auskommen. Die nächsten Meisterschaften ausrichten zu dürfen, haben sich spontan Unis in Dresden und München beworben.Redelust im Internet:www.debattierclubs.dewww.jugend-debattiert.ghst.deDas Wort Debattierklub bleibt eine Schmähung, solange die Öffentlichkeit solche Debakel erlebt.