Vor 40 Jahren hatten die Hofberichterstatter ein Lieblingskind: Soraya, Tochter des Fürsten Khalil Esfandiary Bakhtiary und der in Moskau geborenen deutschen Verkäuferin Eva Karl.Das junge Mädchen, gerade 19 Jahre alt, heiratet 1951 Mohammed Reza Pahlewi, den Schah von Persien. Soraya: "Es war Liebe auf den ersten Blick." Der Kaiserpalast in Teheran "ähnelte einem Blumenmeer, getaucht aus Flieder, Nelken und Orchideen" (Hamburger Abendblatt). Das Brautkleid war bestickt mit 600 Diamanten - Design: Christian Dior.Die Faszination für den einstigen Glamourstar ist bis heute ungebrochen. Noch immer liegen Paparazzi auf der Lauer, noch immer verschlingt die Herz-und-Schmerz-Presse die Amouren der Ex-Kaiserin. Ihr Lebensinhalt besteht darin, die Verlassene, die Verstoßene zu spielen. Und diese Rolle spielt sie überzeugend. Kindheit in Berlin Soraya wuchs in Berlin auf. Ihre Schulbildung erhielt sie in Schweizer Pensionaten und im Internat Saint James in London. Sie spricht fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Persisch. Ihr Beruf: Prinzessin.Die "schöne Kaiserin" und der "traurige Kaiser" puschten die Auflagen der Boulevardblätter in die Höhe wie kein anderes gekröntes Haupt. Die beiden waren der Deutschen liebstes Paar. Unter starker Anteilnahme der Öffentlichkeit besuchten die Hoheiten 1955 die Bundesrepublik. Jedes Detail des höfischen Lebens wurde notiert, und jeder neue Brillant an Sorayas Robe der Fangemeinde sofort mitgeteilt.Dem Schah gingen die Sensationsberichte zu weit. Er drohte mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. In aller Eile zimmerte das Bonner Kabinett an einer Novelle zum Strafgesetzbuch, in der herabwürdigende Behauptungen, das Privatleben fremder Staatsoberhäupter betreffend, bestraft werden sollten. Doch die sogenannte "Lex Soraya" passierte nie das Parlament. Im Februar 1958 trennten sich Soraya und der Schah aus Gründen der Staatsräson. Soraya konnte keinen Thronfolger gebären. Ein Jahr später heiratete der Schah die damals 21jährige Architekturstudentin Farah Diba.Aus der Ex-Kaiserin wurde eine begehrte Party-Prinzessin. Jet-Setter wie Gunilla von Bismarck, Alfonso von Hohenlohe und Gunter Sachs krönen ihre rauschenden Feste mit Auftritten der Luxus-Lady, die sich gern von zwei Bodyguards begleiten läßt. Die Sommer verbringt Soraya meist im spanischen Marbella. Von den 17 Millionen Mark Abfindung des Schahs kaufte sie sich eine vier Millionen Mark teure Villa, die sie rosa anstreichen ließ. Der Rest ist gewinnbringend in Aktien angelegt. In Paris, wo die arbeitslose Millionärin in der feinen Avenue Montaigne (sieben Zimmer) die Winter verbringt, gehört Soraya zur internationalen Schickeria. Anfang der sechziger Jahre bemühte sich der italienische Produzent Dino de Laurentis, die adlige Dame als Filmstar groß herauszubringen. Nach zwei gescheiterten Projekten gelang der dritte Anlauf mit "Die drei Gesichter einer Frau". Der Film stieß auf vernichtende Kritiken. Le Figaro: "Wo Soraya ihren Fuß hinsetzt, wächst kein Zelluloid mehr." Der schmalztriefende Streifen fiel auch beim Publikum durch. Nach nur sechs Tagen verschwand er aus den französischen Kinos.Das alles ist Schnee von gestern. Heute ist Soraya auf einem ganz anderen Parkett zu Hause. Tagsüber vertreibt sie sich die Zeit mit Schwimmtraining und Kinobesuchen, ist Stammgast bei Modeschauen, trinkt regelmäßig Tee und Champagner im Nobelhotel "Plaza-Athenee" und führt zweimal täglich ihren kurzatmigen Terrier "Bobby" Gassi. Die Abende sind reserviert für offizielle Einladungen und Diner mit Freunden.Oft wird die immer noch attraktive Soraya in Begleitung von fremden Männern gesehen, sehr zur Freude der französischen Klatschpresse. Sie war unter anderem mehrere Jahre mit dem (verheirateten) Filmregisseur Franco Indovina liiert, der im Mai 1972 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Der Schweizer Bankier Edmond Artar, mit dem sie zusammen war, vergiftete sich, und eine Zeitlang war Prinz Hassan Nagyb Abdullah, ein Neffe des ägyptischen Königs Faruk, ihr ständiger Begleiter. Doch seit drei Jahren ist sie wieder allein. Gips und Rollstuhl 1994 stand für Soraya (persisch: kleiner Wagen) unter keinem guten Stern. Erst bauten ihr die Spanier eine Autobahn vor die Tür, dann verletzte sie sich schwer an der Kniescheibe (acht Wochen Gips und Rollstuhl), und im Oktober starb ihre in München lebende Mutter.Die inzwischen 63jährige Klatsch-Prinzessin aber läßt sich nicht unterkriegen: "Ich hoffe, eines Tages doch noch das große Glück zu finden."