In deutschen Kellerräumen mögen nach dem Zweiten Weltkrieg noch manche Altlasten gelagert haben. Unentsorgte Hitler-Bilder, weggeworfene NSDAP-Mitgliedausweise, versteckte SA-Uniformen. Das ist aber alles nichts gegen das, was in dem Film "Die Eylandt Recherche" in einem Keller in Duisburg entdeckt wird. Genauer gesagt, vermutlich entdeckt wird. Denn ganz genau lässt sich die ungeheuerliche Sache nicht beweisen, um die es da geht. Deswegen muss die Geschichte zuerst einmal von vorn erzählt werden, von dem Brief her, den ein New Yorker Rechtsanwalt im Jahr 2007 erhielt. Josefine Eylandt, eine Frau aus Deutschland, schreibt darin von drei unbekannten (außerirdischen?) Wesen, die ihre Familie nach dem Zweiten Weltkrieg über viele Jahre im Keller des gemeinsamen Hauses in Duisburg versteckt gehalten habe. Ein deutscher Privatdetektiv wird eingeschaltet, und seine Ermittlungen sind es weitgehend, von denen in dem Film "Die Eylandt Recherche" von Miguel Gomes erzählt wird.Zuerst werden die Ereignisse in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs rekonstruiert, als in Duisburg angeblich ein UFO abgestürzt ist. Dann taucht ein Super-8-Film auf, der in wesentlichen Teilen die Darstellung der Josefine Eylandt zu bestätigen scheint. Schritt für Schritt setzen der Detektiv und seine Partner ein Puzzle zusammen, das es immer wahrscheinlicher scheinen lässt, dass in Deutschland viele Jahre unerkannt drei Wesen von einem fremden Planeten gelebt haben."Die Eylandt Recherche" ist nach eigenen Angaben eine "Mystery-Doku". Zutreffender wäre aber wohl der englische Ausdruck "fake documentary", also eine "gefälschte" Dokumentation. Zwar soll alles darauf hinwirken, dass die sensationellen Begebenheiten so plausibel wie möglich wirken - in Wahrheit ist aber alles erfunden und beruht auf einem Drehbuch, das der Regisseur Don Miguel persönlich verfasst hat. Hinter diesem Namen, der unschwer als Pseudonym durchschaubar ist, verbirgt sich Michael W. Driesch, ein umtriebiger unabhängiger Filmemacher aus Duisburg, der sich nach einigen Dokumentarfilmen zum Beispiel über Frisöre und einem kurzen Mystery-Thriller mit einer Hauptrolle für Barbara Schöneberger ("Carmare", 1999) nun eine kaum zu toppende Sache ausgedacht hat.Don Miguels Film ist spannend, vor allem aber komisch. Man folgt durchaus interessiert den immer neuen Wendungen, kann dabei aber gelegentlich ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Das liegt daran, dass dieses Genre inzwischen vor allem im Privatfernsehen eine gewisse Konjunktur hat. Reportage-Formate von "Spiegel TV" oder andere reißerische Enthüllungssendungen mit einem Faible für das Unerklärliche folgen alle dem gleichen Schema: Eine Erzählerstimme trägt mit seriöser Stimme vor, dazu reihen sich endlos Zooms auf alte Briefe, bräunliche Fotografien, verwitterte Steine, getrocknete Blutflecken. "Die Eylandt-Recherche" ist eine gekonnte Imitation dieser Sendungen, und zugleich eine aufgeblasene Version davon, die unfreiwillig manchmal eher wie eine Parodie wirkt.Das mag aber auch daran liegen, dass das zentrale Beweisstück der Recherche, nämlich der Super-8-Film, zwar viel verspricht, aber aus unerklärlichen Gründen nicht hält. Dort ist nämlich tatsächlich nichts anderes zu sehen als ein alter Keller mit einigen Einrichtungsgegenständen, in die man zwar alles Mögliche hineinfantasieren kann (kleine grüne Männchen?), aus denen aber genau genommen nichts hervorgeht. Vor Gericht würde dieses Beweisstück nichts taugen. Vor dem Urteil des geneigten Publikums mag es aber immerhin dazu hinreichen, den schwindenden Glauben an UFOs wieder ein wenig zu befördern.Die Eylandt Recherche Deutschland 2008. Regie & Drehbuch: Don Miguel, Kamera: Tanja Häring, Darsteller: Steffen Gräbner, Bianca Künzel, Karsten Vüllings, Daniela Stanik, Oliver Kniffki, u.a.; 81 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Josefine Eylandt fährt nicht nur beherzt Rad, sondern schreibt auch geheimnisvolle Briefe.