FALKENBERG. Sie hat den Dreißigjährigen Krieg überstanden und die Bauernaufstände danach. Mehr als 700 Jahre war die kleine Feldsteinkirche in Falkenberg ein wichtiger Ort für die Bewohner. Doch der wurde jäh zerstört. Am 21. April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sprengten Wehrmachtssoldaten das Gotteshaus an der Dorfstraße. Auf Geheiß Hitlers sollten sie der Roten Armee auf deren Vormarsch nach Berlin die Orientierung erschweren. Am selben Tag wurden auch die Kirchen in Malchow und in Wartenberg zerstört. Seit gestern erinnert eine Stele vor dem Friedhof von Falkenberg, auf dem einst die Dorfkirche stand, an diese Geschichte."Wir wollen daran erinnern, dass für die Nazis sogar Gotteshäuser mit ihrer reichen Geschichte und ihrer kulturellen Bedeutung kein Tabu waren", sagte Jürgen Hofmann vom Kulturausschuss des Bezirksparlaments Lichtenberg. Eine weitere Stele steht in Malchow, vor dem 1952 neu gebauten Gemeindezentrum. Beide Tafeln wurden vom Bezirk finanziert, der sich das Gedenken fast 10 000 Euro kosten ließ. Hofmann: "Es ist ein wichtiges Erinnern, denn niemand darf vergessen, was Krieg bedeutet und welchen Wert der Frieden hat."Der evangelische Gemeindepfarrer Albrecht Hoffmann spannte den Bogen noch weiter: "Es ist gut, wenn an Orte mit einer ganz alten Kultur erinnert wird", sagte er. Denn die Dorfkirche in Falkenberg spielte eine wichtige Rolle nicht nur für die Bewohner, sondern auch im Leben einer bekannten Berliner Familie. Im Jahr 1791 gelangte das Gut Falkenberg mitsamt Gutshaus und Kirche in den Besitz von Marie Elisabeth von Humboldt, der Mutter der weltberühmten Humboldt-Brüder. Sie ließ die Kirche umbauen und mit einem steinernen Turm versehen, der an eine Pyramide erinnerte. Als Marie Elisabeth von Humboldt 1796 starb, wurde sie in der Familiengruft der Falkenberger Kirche beigesetzt. Auch ihre beiden Ehemänner, Friedrich Ernst von Holwede und Alexander Georg von Humboldt, sowie eine Tochter aus erster Ehe wurden dort bestattet. Die Gruft wurde 1969 zugemauert und mit einer Gedenkmauer versehen. Noch heute befindet sie sich neben den Resten der Kirche. "Auch wenn sich die Humboldt-Familie meist auf ihrem Schloss Tegel aufhielt, spielte Falkenberg vielleicht eine größere Rolle in ihrem Leben", sagte Pfarrer Hoffmann. Ob die Brüder Wilhelm und Alexander jemals das Gut ihrer Mutter besucht haben, wisse man nicht.Wetterfahne und JugendkücheNur wenige Stücke aus der alten Falkenberger Dorfkirche sind erhalten geblieben - einige Feldsteine, die Wetterfahne, Schmuckelemente sowie Grabtafeln aus der Humboldt-Gruft. Zu sehen ist alles in der neuen Kirche an der Falkenberger Chaussee, die Anfang 2000 geweiht wurde. Der ellipsenförmige Klinkerbau, der von einem frei stehenden Glockenturm flankiert wird, steht mitten im Neubaugebiet von Hohenschönhausen. Nur etwa die Hälfte der Kirche ist für den sakralen Teil gedacht. Viele Räume dienen anderen Zwecken der Gemeinde. Es gibt eine Jugendküche, einen Tischtennisraum und ein Zimmer für Musikproben. Für Pfarrer Albrecht Hoffmann ist das normal: "Man baut die Kirche immer für die Zeit, für die man steht."------------------------------Foto: Pfarrer Albrecht Hoffmann vor dem Friedhof in Falkenberg, auf dem einst die Dorfkirche stand.------------------------------Foto: (2) Die neue Falkenberger Kirche steht mitten im Neubaugebiet (l.). Die Stele vor dem Friedhof in Falkenberg erinnert an die alte Dorfkirche, die am 21. April 1945 gesprengt wurde.