Seit ihrem Hit "Nordisch by Nature" gehören Fettes Brot zu den erfolgreichsten deutschen Rappern; wie neben ihnen nur die Fantastischen Vier, liefern sie amüsante Slogans und gute Laune. Fettes Brot sind drei nette Hamburger Jungs, die - wie alle Popstars - etwas langsamer erwachsen werden als andere. Auf der Platte "Demotape", die soeben erschienen ist, findet sich eine lustig verkiffte deutschsprachige Coverversion des Steve-Miller-Band-Klassikers "The Joker" oder ein Zitat aus dem dämlichen Hit von DÖF: "Codo - und ich düse im Sauseschritt". Die Texte sind lustig, die Auswahl der Samples ist geschmackvoll. Bei allem Schielen nach einer Chartsplatzierung ist das Trio dennoch in der Lage, die ästhetischen Mindeststandards für guten Pop zu erfüllen. Wenn Fettes Brot am Sonntagabend im ColumbiaFritz mit einer großen Menge Gleichgesinnter auf die Bühne kommen, darf man sich auf ein fideles Konzert freuen.Das wäre dennoch alles nicht besonders bemerkenswert - wäre da nicht die aktuelle Single der Band, die in diesem Jahr zweifellos die erfreulichste Veröffentlichung im deutschsprachigen HipHop ist: "Schwule Mädchen", eine sehr basslastige, mit vielen 80er-Samples zur Hymne aufgepeppte Nummer, in deren Text das in HipHopper-Kreisen unbeliebte "Schwul"- oder "Mädchen"-Sein ironisch zum Symbol der Stärke umcodiert wird. "Wir sind schwule Mädchen", so der zum Mitgrölen komponierte Refrain. "Schwule Mädchen sind die coolsten Menschen der Stadt."Endlich!, dachte man schon beim ersten Hören, endlich antworten ein paar einflussreiche Rapper auf jene Plage, die einem den Spaß am deutschsprachigen HipHop zunehmend vermiest: die Homophobie, die schwulenfeindliche Attitüde, die deutsche HipHopper tumb bei ihren Vorbildern aus den USA nachäffen. Im amerikanischen HipHop wurzelt die Homophobie bekanntlich in der religiös bedingten Ablehnung von Schwulen im jamaikanischen Reggae und Ragga. In Deutschland füllt sich die sinnleer übernommene Pose erst allmählich mit unguten Bedeutungen. Anfangs dachte man, dass Satzgebilde wie "Ey, schwul mich nicht an mit deiner Schwulheit" nur bei notorisch erfolglosen HipHoppern vorkommen, die eine möglichst obszöne Sprache pflegen, um ihre Bedeutungslosigkeit zu kaschieren. Neuerdings stößt man aber selbst bei einem "politisch bewussten", "linken" Rapper wie Phillie MC auf Tracks, in denen "schwul" als Beschimpfung vorkommt. Darauf angesprochen, verwahren sich die HipHopper natürlich gegen den Vorwurf der Homophobie: "Schwul" sei "halt nur so ein Ausdruck". Die Fans dieser harten Männer lesen aus deren Texten aber sehr wohl heraus, dass Homosexuelle minderwertige Menschen sind: weil sie angeblich nicht "real" sind, keine natürlichen "Wurzeln" besitzen, keinen "eigenen Charakter" und keine "eigene Kultur".Darum kann man also dem Fetten Brot für "Schwule Mädchen" gar nicht genug danken - auch wenn es bisher nur ein Anfang ist. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn zumindest das Publikum des Hamburger Trios auf den breitbeinigen Quatsch der anderen Deutsch-Hip-Hopper nicht mehr hereinfällt. Und wird das nicht ein schöner Moment sein, wird dann nicht gewissermaßen noch einmal das alte Glücksversprechen des aufklärerischen Pop eingelöst, wenn am Sonntagabend ein ganzer Saal mit einer Stimme singt: "Wir sind schwule Mädchen"?Fettes Brot: Demotape (Yo Mama/Zomba); Konzert: Sonntag um 20.30 Uhr im ColumbiaFritzZOMBA RECORDS Die Jungs von Fettes Brot lassen sich Zeit mit dem Erwachsenwerden.