BERLIN, 6. Mai. Die Fertigstellung des viergleisigen Tiergartentunnels und die Schließung des S-Bahn-Rings werden sich abermals erheblich verzögern. Das erfuhr die "Berliner Zeitung" aus Kreisen der Deutschen Bahn (DB). Erst im Juli 2001 könne die letzte Tunnel-Baugrube am Reichstag geschlossen werden, hieß es. Mindestens bis 2003 müsse der Autoverkehr östlich des Bundeskanzleramtes über eine provisorische Straße geleitet werden, weil auch die parallel zum Eisenbahntunnel verlaufende Unterführung der Bundesstraße 96 später fertig werde. Die ersten Fern- und Regionalzüge werden voraussichtlich erst im Jahr 2005 durch den Tiergartentunnel rollen, sagte ein DB-Manager. Damit verspätet sich auch die weitere Erschließung der neuen Stadtviertel von DaimlerChrysler und Sony. Den S-Bahn-Ring im Norden Berlins will die DB 2002 vollenden, zuletzt war von 2001 die Rede gewesen. Auf dem ehemals grenzüberschreitenden Abschnitt Schönhauser Allee Gesundbrunnen ruht seit dem Mauerbau 1961 der Verkehr. Fern- und Regionalzüge werden den Nordring erst 2004 nutzen können. Als Grund dafür wird angegeben, die Bauprojekte seien sehr komplex: "Bereits kleinste Abweichungen führen zu einer Kettenreaktion im gesamten Terminplan." Für die dreijährige Verzögerung des Tunnelbaus machte einer der DB-Verantwortlichen den komplizierten Baugrund sowie zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich. Nachdem am 9. Juli 1997 plötzlich Grundwasser in einen Tunnelabschnitt am Gleisdreieck eingedrungen war, habe das Eisenbahn-Bundesamt zudem ein "erhöhtes Sicherheitsniveau" gefordert. Ultraschall-Messungen sowie der Einbau von Pumpen, Stahlblechen und Schutz-Membranen verzögerten den Bau. Für die zusätzliche Vorsorge wendet die DB einen "dreistelligen Millionenbetrag" auf. Damit werde der neun Kilometer lange Fern- und Regionalbahnabschnitt, zu dem der Tunnel gehört, erheblich teurer als geplant. Ursprünglich hatte die DB 4,5 Milliarden Mark veranschlagt.Beim Bau des neuen Lehrter Bahnhofs verlangte der künftige Betreiber DB Station & Service nachträglich den Einbau einer Photovoltaik-Anlage für die Energieversorgung eines automatisierten Gepäckschließfach-Systems sowie einer Sicherheitszentrale. Auch dies habe zu Verzögerungen geführt, so die Planer. Im November 1998 habe der Senat zudem gefordert, Teile der geplanten S-Bahn-Linie 21 in die Bahnhofsanlage zu integrieren. Dies könnte zu weiteren Umplanungen und Kostensteigerungen führen. (Seite 21)