Die Feuerwache Oderberger Straße ist Deutschlands ältester Standort. Sonnabend ist Besuchertag: Sonntags gibt es frischen Kuchen

PRENZLAUER BERG. An das Alter ihrer Wache werden die Feuerwehrmänner aus der Oderberger Straße bei jedem Einsatz erinnert. Denn sie müssen die schweren drei Meter hohen Tore jedes Mal mit den Händen öffnen. Beim Ausrücken klappen die Fahrer die Seitenspiegel der Löschfahrzeuge ein, so eng ist die Ausfahrt. Und bei der Rückkehr zirkeln sie die Autos rückwärts in die Halle mit den Pfeilern. Etwa zehn Zentimeter Spielraum haben die Fahrzeuge auf jeder Seite. Die meisten Feuerwachen haben automatisch öffnende Türen. Nur nicht die in der Oderberger Straße. Doch die Männer fluchen nicht, sie wissen, dass sie in einem Denkmal arbeiten, nämlich in Deutschlands ältester Feuerwache. "Das Gebäude ist zwar sehr alt, aber die Feuerwehr genauso modern wie andere", sagt Wachabteilungsleiter Christian Braun.Vor 125 Jahren nahmen die ersten Feuerwehrleute in dem roten Backsteingebäude mit den fünf Torausfahrten den Dienst auf. "Wo heute Löschfahrzeuge und Rettungswagen stehen, waren vor hundert Jahren Fuhrwerke abgestellt", sagt Günter Strumpf. Der 69-Jährige hat bei der Berliner Feuerwehr gearbeitet und deren Geschichte erforscht. Die Pferde hatten ihre Ställe auf dem Hof. "Im Alarmfall wurden sie vor die Wagen gespannt und dann trabten sie los", erzählt Strumpf. Fünf Feuerwehrleute saßen auf dem Wagen mit der Handdruckspritze, zwölf arbeiteten bei Bränden abwechselnd am Pumpenwagen, drei bedienten den Wasserwagen. "Alles war nach militärischer Methodik organisiert."Um die Feuerwehrleute besser unterscheiden zu können, nutzte jede Kompanie bestimmte Pferderassen. In der Oderberger Straße waren es Schimmel. Auch Schläuche und Löschgeräte waren Weiß gekennzeichnet, die Feuerwehrleute trugen weiße Lederriemen an den Helmen. In Prenzlauer Berg hieß die Wache deshalb "Weiße Abteilung".Ein Foto im Fernsehraum der Feuerwache zeigt die Kompanie aus einer Zeit um 1890. "Zu Wohnungs- und Dachstuhlbränden musste die Feuerwehr damals am häufigsten ausrücken", sagt Strumpf. Es gab früher nur Kohlenheizungen. Heute rücken die Feuerwehrmänner der Oderberger Straße meist aus, um erste Hilfe zu leisten, ausgelaufene Chemikalien zu entfernen, Türen zu öffnen, brennende Kochtöpfe am Herd zu löschen. "Fast täglich haben wir Punkt zwölf einen Einsatz", sagt Christian Baum. Etwa 40 Einsätze am Tag haben die rund 100 Männer. "Wir sind einfach für alles zuständig", sagt Braun. Kürzlich meldete sich eine Frau, ihr Wellensittich saß auf einem Baum vor dem Fenster. Doch wie soll die Feuerwehr einen Vogel fangen? Gar nicht. Zu Bränden werden die Feuerwehrleute nur selten gerufen, etwa wenn in Prenzlauer Berg und Friedrichshain wieder Autos angezündet wurden.Jeden Tag kümmern sich etwa drei Kollegen um das Essen für die ganze Mannschaft, es gibt Spagetti, Braten, Suppen, sonntags auch Nachtisch und selbst gebackenen Kuchen. Längst sollten die Männer aus der Oderberger eine neue Wache bekommen neben dem Volkspark Friedrichshain. Doch weil das Geld fehlt, werden sie bei Alarm wohl weiter die schweren Tore per Hand öffnen.------------------------------Tag der offenen Tür: Sonnabend 10-21 Uhr, Oderberger Straße 24, Lösch- und Rettungsübungen, Führungen, Besichtigung von Einsatzfahrzeugen.------------------------------Foto (2) :Die Feuerwache Oderberger Straße aus der Zeit um 1890. Die Kompanie hatte nur Schimmel als Zugtiere, andere Wachen nur braune oder schwarze Pferde.Moderne Autos, altes Gemäuer: Bis zu 40 Mal am Tag rücken die Männer der Feuerwache aus. Hundert Feuerwehrleute arbeiten im Schichtdienst.