Frau von Trotta, Sie haben gerade einen neuen Film gedreht. Wissen Sie, der wievielte es war?Fragen Sie mich nicht so was.Warum machen Sie Filme? Sie kennen Tarkowskis Film "Andrej Rubljow". Dort sagt der Glockengießer, wenn man vom Schicksal oder von Gott ein Talent bekommen hat, dann hat man nicht nur das Recht darüber zu verfügen, ob man etwas daraus macht oder nicht. Dann ist man dazu verpflichtet es einzulösen. Tarkowski glaubt an Gott, ich nicht unbedingt. Aber diesen Satz von ihm stülpe ich mir über, auch wenn ich vielleicht gar nicht dazu befugt bin, weil ich mich für so begabt nicht halte. Sie sind 61 und denken nicht daran, das Leben einfach zu genießen? Als ich in Italien lebte, hatte ich mal so einen Moment, da dachte ich, ach, es ist ja viel schöner, am Strand zu sein und überhaupt in Rom und es ist ein so angenehmes Leben. Warum musst du dich immer wieder so bemühen und immer wieder Geld suchen und immer wieder von den Kritikern angreifen lassen. Jede Premiere ist ja eine Examenssituation. Als würde man permanent Abitur machen. Das ist doch furchtbar.Als 1995 Ihr Mauerfilm "Das Versprechen" von der Kritik vernichtet wurde, sah es so aus, als würden Sie so schnell keinen Film mehr machen können. Wie haben Sie das verkraftet?Schlimmer wäre es gewesen, wenn einem meiner nächsten Freunde oder meiner Familie etwas zugestoßen wäre. Davon muss man wirklich absehen. Aber es war schon schlimm. Wie würden Sie ohne Film leben? Ich würde versuchen zu schreiben. Wobei ich nicht weiß, ob ich das kann. Aber ich würde sicherlich nicht nur dasitzen und jammern. Wie sind Sie über die Krise hinweggekommen?Ich habe mit Fernsehen anfangen. Da kam viel zusammen in den letzten Jahren. Viel mehr als zuvor. Sie können ja höchstens alle zwei Jahre einen Kinofilm machen. Beim Fernsehen geht alles schneller. Ich war unerhört beschäftigt, Gott sei Dank. Ich habe im Fernsehen wirklich nicht nur überwintert, ich konnte dort überleben.Ihr neuer Kinofilm "Rosenstraße" erzählt von Frauen, die vor sechzig Jahren in der Nähe des Alexanderplatzes die Freilassung ihrer jüdischen Ehemänner erkämpft haben. Erst 1993 ist dies durch einen Dokumentarfilm publik geworden. Warum blieb so lange unbeachtet, was damals geschah? Lange Zeit herrschte die Ansicht, dass man nichts gegen das Regime hätte tun können, weil es viel zu gefährlich gewesen wäre. Da lässt man sich ungern das Gegenteil erzählen. Erst seit zwei, drei Jahren werden auch Geschichten geschrieben über jene, die geholfen haben, die sich anders verhielten als die Mehrheit. "Rosenstraße" erzählt von der extremen Isolierung, der Gefahr, den Repressalien, denen so genannte Mischehen ausgesetzt waren. Dennoch schienen die Frauen in diesem Unrechtsstaat in eine Art persönliches Recht zu vertrauen. Durch die Nürnberger Rassengesetze fühlten sie sich bis zu einem gewissen Zeitpunkt geschützt. Es gab direkt diesen Begriff "privilegierte Mischehen". Trotzdem mussten sie Demütigungen ertragen, aus ihren großen Wohnungen ausziehen, sie bekamen nur bestimmte Nahrungsmittel, sie durften nicht ins Kino, keine Zeitungen lesen, kein Radio haben. Diese Gesetze wurden Schritt für Schritt verschärft, immer wurde abgewartet, ob sich Widerstand regt. Am Schluss hatten die Frauen schon so viel ertragen und so oft Nein gesagt zu der Aufforderung, sich scheiden zu lassen, da wollten sie jetzt kurz vor dem Schluss nicht, dass alles umsonst war. Sie hatten Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Stalingrad war schon verloren.Schauspieler wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Hans Moser haben sich von ihren jüdischen Frauen getrennt. Ihr Film erzählt, dass Frauen eher bereit waren, zu ihren jüdischen Männern zu halten. Sind Frauen mutiger?Vielleicht sind Frauen mutiger, wenn es um ihre Familie geht, um ihre Liebe, um den Einzelnen, um Konflikte. Männer hätten ihre Karriere aufgeben müssen, die Frauen indessen konnten anfangs sowieso nicht mehr arbeiten und waren verdammt, Familienmütter zu sein. Sie mussten sich nicht entscheiden zwischen Liebe und Karriere, die Männer sehr wohl. Dazu kam für sie die Verachtung, die Rücksetzung im Beruf, das darf man nicht vergessen. Ich möchte aber keine Schuld zuweisen, so wohlfeil, von heute aus. In Ihrem Film löst die Erinnerung eine Reihe von Konflikten aus. Warum ist Erinnern so wichtig? Wäre es nicht heilsamer, schmerzhafte Dinge einfach ruhen zu lassen statt sie heraufzubeschwören? Das Gewesene lässt sich nicht auslöschen, es ist trotzdem da. Gerade bei Überlebenden des Holocaust kann man das beobachten, zwanzig, dreißig Jahre erzählen sie nichts und auf einmal bricht es aus ihnen heraus. Das heißt, sie haben sich wirklich bemüht zu vergessen, aber es geht nicht. Und dann ist es auch gut, wenn es an die Oberfläche kommt. Die Einwanderungsbehörden der USA haben von den Überlebenden verlangt, nicht über ihre Erlebnisse zu sprechen. Wer verdrängen konnte, lebte länger, das ist erwiesen. In "Rosenstraße" wird ein Kind zwei mal verlassen, von seiner Mutter und von seiner Ziehmutter. Das Kind bleibt traumatisiert. Sie selbst haben Ihren Sohn verlassen, als er noch klein war. Aus Karrieregründen? Mit schlechtem Gewissen?Nein. Ich wollte meinen Sohn eigentlich gleich mitnehmen. Andererseits wollte ich meinem Mann nicht gleich beides nehmen, mich und das Kind. So habe ich Felix erst mal bei seinem Vater gelassen, wo sich auch meine Mutter um das Kind gekümmert hat. Aber ich hätte Felix mitnehmen müssen, um das Sorgerecht zu bekommen. Als es nachher darum ging, wurde er mir nicht zugesprochen. So war das Gesetz damals. Ich hätte grausamer sein müssen gegen meinen Mann.Wann bekamen Sie Ihren Sohn zurück?Sechs Jahre später, als er schon zehn war. Mein Mann hatte bald wieder geheiratet. Erst als er die nächste Frau kennen lernte, die selbst schon eine Tochter hatte, kam Felix wieder zu mir. Hat er Ihnen Vorwürfe gemacht?Nein, ich mache mir Vorwürfe, jetzt noch. Mein Sohn hat erst viel später begriffen, dass ich nicht ihn verlassen habe, sondern meinen Mann. Ein Kind kann da gar nicht unterscheiden. Obwohl ich von heute aus gesehen natürlich richtig gehandelt habe. Sie fragen mich nach der Karriere - daran habe ich nicht gedacht, aber an meine Leidenschaft schon, an das Filmemachen. Das wollte mein Mann nicht, daran hätte er mich gehindert. Ich musste weg. Irgendwie tut es mir immer noch weh, dass ich so gehandelt habe. Mein Sohn ist es, der mich tröstet und sagt: Ach komm, du siehst doch, es hat nichts Schlimmes angerichtet, ich bin ein anständiger Mensch geworden.Was macht er beruflich?Er ist Historiker. In allen meinen Filmen spielt er eine kleine Rolle, in "Rosenstraße" den Adjutanten von Goebbels. Das passt - er hat seine Doktorarbeit und ein Buch geschrieben über Goebbels und den Film im dritten Reich. Nationalsozialismus ist sein Hauptthema. In dem Buch "Rosenstraße" ist das Kapitel über den historischen Hintergrund von ihm. Er heißt Felix Moeller. Solange man die Geschichte seiner Eltern nicht kennt, kennt man sich selbst nicht, haben Sie einmal gesagt. Familiengeschichten sind oft geheimnisvoll - wer fragt schon seine Eltern nach Dingen, die ihnen offensichtlich unangenehm sind. Meine Mutter hat mir auch ganz wesentliche Dinge nicht erzählt, da gibt es durchaus Parallelen zum Film. Es war ihr einfach zu schmerzhaft. Ich wusste nicht, dass ich eine ältere Schwester habe. Dass sie das eigene Kind weggeben hatte zur Adoption, das musste meine Mutter verdrängen, um es zu ertragen. Ihre Schwester hat Sie dann nach dem Tod der Mutter aufgespürt.Ja, es gab einen Dokumentarfilm, in dem ich erzählte, dass ich unehelich geboren bin. So ist sie darauf gekommen, dass ich den Namen meiner Mutter trage. Das ist auch so eine Geschichte, warum hat meine Schwester als Adoptivkind überhaupt den Namen ihrer leiblichen Mutter gewusst? Unter den Nazis mussten auch Adoptiveltern beweisen, dass ihr Zögling kein Jude ist. So ist der Name unserer Mutter in ihre Unterlagen gekommen.Wie weit können Sie Ihre Familiengeschichte zurückverfolgen? Ich habe mich im Grunde nie dafür interessiert. Und meine Mutter hat auch nicht so schrecklich viel erzählt. Irgendwann war es dann zu spät. Als es dann schlechter wurde mit ihrem Gedächtnis, bat ich sie, ihre Geschichte doch mal aufzuschreiben, auch als eine Art Training. Sie hat geschrieben, aber an dem Punkt aufgehört, als meine Schwester geboren wurde. Da ging es einfach nicht mehr weiter. Von Trotta, ist das alter Adel?Na gut, wir waren also adlig, da wurde nicht groß drüber geredet. Meine Mutter kam aus einer deutsch-baltischen Familie, die in Moskau lebte und 1920 nach der Revolution weg musste. Dabei hat sie alles verloren, sie ging nach Berlin, von da an war sie arm. Meine Schwester hat sich Adel immer vorgestellt mit einer Schlosstreppe, die man herunterschreitet. Wir sind nie eine Treppe heruntergeschritten. Wir wohnten in einem Zimmer zur Untermiete. Bei Schopenhauer steht: Wenn ein Bürgerlicher seinen Besitz verliert, dann ist er nichts mehr, ein Adliger hat immer noch seinen Adel. So ein Gefühl hatte ich bei meiner Mutter. Ihre Art, Armut zu ertragen, war einfach herrschaftlich. Und natürlich hatte auch ich die perfekten Manieren, was man wie isst, dass man bei älteren Damen einen Knicks macht, die Hand küsst. Es gab zwar keine Gelegenheit das auszuprobieren, aber es hat mich natürlich geprägt.Haben Sie diese adlige Attitüde später mal gelebt?Nein, ich war sehr früh eine Linke. Nie daran gedacht, dieses "von" abzulegen?Das fand ich dann auch albern. Ich hätte es gerne verkauft. Da gab es doch diesen Konsul Weyer, der mit Titeln handelt. Da dachte ich immer, wenn es mir mal ganz schlecht geht, dann mache ich so was. Eine gewisse Selbstsicherheit scheint adlige Herkunft aber doch zu verleihen. Die Hauptfigur in "Rosenstraße" zieht daraus Kraft und Würde. Ich dachte dabei an die Gräfin von Malzahn, die darüber schrieb, wie eine Durchsuchung bei ihr stattfand. Sie setzte sich einfach auf das Sofa und sagte: Wenn Sie das hier aufschlitzen, müssen Sie mir aber hinterher den Stoff bezahlen. Niemand wagte, in das Sofa reinzugucken, und da war ihr jüdischer Geliebter drin. Frau von Trotta, Sie machen einen gelösten, zufriedenen, ja glücklichen Eindruck. In früheren Gesprächen war viel von Selbstzweifel, ja Selbsthass die Rede.Gerade neulich habe ich zu Volker Schlöndorff gesagt, mit dem ich ja immer noch sehr befreundet bin, eigentlich freue ich mich jeden Morgen beim Aufwachen, dass ich überhaupt noch da bin. Viele meiner Freunde leben nicht mehr. Dass ich noch Filme machen kann, ist für mich etwas sehr Beglückendes - sagen wir es mal so pathetisch. Vielleicht ändert es sich wieder. Ich sehe auch zu, dass ich noch viel wahrnehmen kann. Meine Mutter hatte zum Schluss ihr Gedächtnis verloren, wusste nicht mal mehr, wer sie ist. Wenn ich zu ihr kam, hat sie immer gefragt: Wer sind Sie? Sie kommen mir so bekannt vor. Fürchten Sie, diese Krankheit geerbt zu haben?Oh, davor habe ich Angst. Es ist furchtbar, bei jedem Namen, den man vergessen hat, denkt man: Um Gottes willen, jetzt fängt es an. Solange ich noch weiß, wer ich bin, solange ich noch was machen kann und die Leute machen noch gerne was mit mir, ist es gut. Ich bin nicht mehr so anspruchsvoll. Sie haben gerade einen anspruchsvollen Film gedreht. Wo schränken Sie sich ein?Es sind die Ansprüche an die Moral der Menschen, die Moral der Zeiten. Früher wusste ich genau, wie man politisch denken muss, was geschehen muss, wie die Welt verändert werden soll. Das meine ich, diese Radikalität habe ich nicht mehr. Das klingt nach Rückzug.Die Welt habe ich schon so oft verändern wollen und es nicht geschafft. Das heißt nicht, dass ich nichts mehr wahrnehme, ich finde auch, dass man sich engagieren muss. Nur darf man nicht davon ausgehen, dass sich irgendetwas verbessert. Insofern bin ich pessimistischer geworden.Pessimistischer und zugleich zufriedener?Genau, guter Widerspruch, nicht? Haben Sie manchmal die Angst, dass es der letzte Film gewesen sein könnte?Immer, hatte ich immer schon. Nicht weil ich das Gefühl habe, noch etwas hinterlassen zu müssen. Es geht nicht um ein Vermächtnis. Ich weiß, wie vergänglich alles ist. Und dass wenig von dem, was Menschen machen in ihrer Lebenszeit, überlebt. Film ist so ein vergängliches Medium, mehr noch als Literatur oder Malerei.Es gibt schon Filme, die bleiben. Nehmen Sie nur "Die bleierne Zeit".Es ist ja immer noch unsere Lebenszeit, in der sich dieser Film eingeprägt hat. Wenn ich sterbe, wird nichts von mir bleiben. Dafür arbeite ich auch nicht. Ich arbeite, weil es für mich zum Leben gehört. Filme drehen ist etwas, was ganz ursächlich mit mir zu tun hat. Das habe ich sehr früh entdeckt, mit achtzehn in Paris. Was haben Sie da entdeckt? Beim Schreiben und beim Drehen können Sie viele Dinge über sich erfahren, die Sie sonst erstens gar nicht wahrnehmen und zweitens nicht in den Griff bekommen. Es ist auch eine Art von Therapie? Natürlich. Was unterscheidet das Filmemachen von anderen Künsten? Betrachten Sie es wie die Arbeit mit einem Fotoapparat. Sie haben einen Weitwinkel, ein Teleobjektiv und einen Selbstauslöser. Sie können also fokussieren, nur auf eine Sache gucken oder die Totale ins Bild nehmen. Und Sie können auf sich selbst sehen. Wenn man Filme macht, sieht man in die Welt hinein, man schaut auf Zeiten und dann verengt es sich auf eine Geschichte, die natürlich immer auch mit Ihnen selbst zu tun hat. Sie sind beim Filmen auf andere angewiesen, Kamera, Schauspieler, Schnitt. Geht da nicht vieles Ihrer künstlerischen Vision verloren?Ich mache das ja gerade, um mit anderen Menschen zusammen zu sein. Wenn man am Buch schreibt, ist es einsam. Dann kommen viele hinzu. Man freut sich aneinander, streitet, hat ein Ziel. Im Schneideraum ist es wieder eher einsam. Ich liebe diese Wellenbewegung, diesen Rhythmus aus Alleinsein und Gruppenarbeit.Wo leben Sie heute, wenn Sie nicht drehen? In Paris. In einer Wohnung, die ich mit Volker Schlöndorff schon in den 80er-Jahren gekauft habe, damals ganz billig. Er hatte in Paris studiert und dort seine ersten Schritte als Assistent gemacht. Der war ja noch viel mehr auf Frankreich fixiert als ich. Es sollte unsere Zweitwohnung sein. Dann haben wir uns getrennt und er hat mich gefragt, ob ich diese Wohnung will. Ein gutes Angebot. Ich würde das eher Gütertrennung nennen. Schlöndorff wollte zu dieser Zeit nicht unbedingt in Frankreich bleiben, weil die Franzosen seinen Film "Eine Liebe von Swann" nicht so mochten. Bis dahin war ja für ihn immer alles wunderbar, den französischen Kritikern galt er als der Deutsche, der eigentlich Franzose ist, und nun hatte er so ein Monument wie Proust angerührt. Das nahmen sie ihm übel. Auf einmal wurde er doch zum Deutschen. Deswegen wollte er da gar nicht mehr hin. Und ich habe gesagt, ja ja, ich bin da gerne. Sie leben in Rom, in Paris, was hält Sie von Deutschland fern? Ich entscheide nicht, jetzt will ich dort hin, ich halte es in Deutschland nicht mehr aus. Das passiert einfach. Ich lasse mich vom Leben ein bisschen an der Leine ziehen. In Rom haben mich alle gefragt, ob ich emigriert bin, weil der deutsche Film mich nicht mehr mochte. Nein, ich hatte ein Angebot von einem römischen Produzenten, ich habe "Fürchten und Lieben" gedreht, dann kam gleich das nächste Projekt. Wo ist Ihre Heimat? Schwer zu sagen, ich könnte überall leben. Ich bin in Berlin aufgewachsen, erst im Krieg und dann in Trümmern. Da entwickelt man kein Heimatgefühl.Bedeutet Ihnen Moskau etwas?Meine Mutter hat ihr Leben lang von Moskau erzählt, wie bei Tschechow in den "Drei Schwestern". Moskau, wann kommen wir wieder nach Moskau! Sie ist nie wieder nach Moskau gekommen.Und Sie?Ich war ein paar Mal dort. Durch meine Filme, die Filmfestspiele.Sprechen Sie Russisch? Leider nicht. Im Krieg konnte meine Mutter mir das nicht beibringen, das wäre zu gefährlich gewesen. Ich hätte es später natürlich von mir aus lernen können. Aber, mein Gott, da kam so viel anderes dazwischen.Sehnen Sie sich nach einem Ort, wo Sie sagen, das hier ist meins, hier kenne ich mich aus?Ach, manchmal schon. Als ich die "Jahrestage" von Uwe Johnson drehte, habe ich mich natürlich auch sehr mit seinem Leben beschäftigt. Johnson hatte ganz starke Wurzeln in seinem geliebten Mecklenburg. Da merkte ich, dass mir etwas fehlt.Das Gespräch führten Frank Junghänel und Birgit Walter.Zur Person // russischen Emigrantin Elisabeth von Trotta und des Malers Alfred Roloff in Berlin geboren. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Düsseldorf. Mit achtzehn ging sie nach Paris, drehte erste 8-mm-Filme und studierte Germanistik und Romanistik in Paris und München.ALS AUTORENFILMERIN hat sie sich in den 70er-Jahren international Respekt und Ansehen erworben. Sie drehte "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (mit Volker Schlöndorff), "Schwestern oder die Balance des Glücks", "Rosa Luxemburg" und bekam 1981 für "Die bleierne Zeit" den Goldenen Löwen in Cannes.VERHEIRATET WAR SIE mit dem Verlagslektor Jürgen Moeller und dem Filmemacher Volker Schlöndorff. Ihr 1965 geborener Sohn stammt aus erster Ehe. Heute lebt die Regisseurin in Paris.IHR FILM "ROSENSTRASSE", der am 18. September in die deutschen Kinos kommt, ist für den Wettbewerb der Filmfestspiele in Venedig nominiert. Er erzählt von Frauen, die vor sechzig Jahren in der Rosenstraße am Alexanderplatz um ihre jüdischen Ehemänner kämpften. Die Hauptrollen spielen Katja Riemann und Maria Schrader.Früher wusste ich genau, wie man politisch denken muss, was geschehen muss, wie die Welt verändert werden soll. Diese Radikalität habe ich nicht mehr.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Margarethe von Trotta