Die Forderung nach der Verlängerung der Heidekrautbahn wird lauter: Schneller zur Badewiese

WANDLITZ. Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt? Wer sich abkühlen will, hat wenige Kilometer nördlich von Berlin die Wahl. Naturliebhaber suchen sich im Wald eine Einstiegsstelle und tauchen ab im klaren Liepnitzsee. Für jene, die mehr Zivilisation brauchen, gibt es das Strandbad Wandlitz (Barnim). Beide Seen haben etwas gemeinsam: Die Züge der Heidekrautbahn halten nahebei. Doch in Berlin fahren sie weitab von der Innenstadt ab, in Karow. Nun setzt sich eine ungewöhnliche Berlin-Brandenburger Koalition dafür ein, dass die mit dem Mauerbau 1961 unterbrochene frühere Strecke der Heidekrautbahn reaktiviert wird. Dann könnten die Züge schon am Gesundbrunnen starten.Geht es um die Heidekrautbahn, sind sich Politiker verschiedener Couleur einig. "Noch immer liegt das Projekt, die frühere Strecke nach Berlin-Wilhelmsruh wieder aufzubauen und zum Gesundbrunnen zu verlängern, beim Senat auf Eis. Das muss sich endlich ändern", sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus, Jutta Matuschek. Sie strebt an, dass sich der Verkehrsausschuss gleich nach der Sommerpause mit dem Vorhaben befasst - anhand eines Antrags der rot-roten Koalition."Wann fährt die Heidekrautbahn nach Gesundbrunnen?" fragte auch der CDU-Politiker Oliver Friederici.Brandenburg ist dafürDie Berliner erhalten Unterstützung aus Brandenburg, was ebenfalls nicht die Regel ist. "Wir stehen der Forderung, die Stammstrecke wieder aufzubauen, positiv gegenüber", sagte Rainer Bretschneider, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, der Berliner Zeitung. "Dies würde Bürgern beider Länder einen echten Zusatznutzen bringen." Er verwies auf die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die Berlin und Brandenburg in Auftrag gegeben haben. Danach wäre bei diesem Projekt der Nutzen, wie es heißt, 2,44-Mal so hoch wie der finanzielle Aufwand.Die Heidekrautbahn wird so genannt, weil sie seit 109 Jahren nach Groß Schönebeck in die Schorfheide führt und von vielen Ausflüglern genutzt wird. Würde die alte Strecke reaktiviert und verlängert, hätten aber auch andere Berliner etwas davon. "Unsere Züge würden in den Pankower Ortsteilen Blankenfelde und Rosenthal sowie am Märkischen Viertel halten. Auch diese Gebiete bekämen eine Tempo-100-Verbindung im Halbstundentakt", sagte Detlef Bröcker. Er ist Chef der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), wie das teils kommunale, teils private und mit der französischen Staatsbahn SNCF verbundene Unternehmen offiziell heißt.Der Senat bleibt skeptischAuch im Umland würden neue Potenziale erschlossen. "In Schildow und Mühlenbeck planen wir neue Bahnhöfe. Dort könnten viele Pendler profitieren", so Bröcker. Der Bahnhof Gesundbrunnen habe nicht nur bessere S-Bahn-Anschlüsse als Karow: Er sei auch an die U-Bahn sowie an den Fern- und Regionalzugverkehr angeschlossen.Die Fahrgäste würden dies honorieren, hieß es. Heute wird der am stärksten frequentierte Abschnitt Basdorf-Karow werktags von 3 000 Reisenden genutzt. Über Wilhelmsruh nach Gesundbrunnen wären dagegen bis 5 000 Fahrgäste unterwegs. Die Baukosten, 26,1 Millionen Euro, würden sich also rechnen.Matuschek hat bereits eine Geldquelle entdeckt: "Auch 2010 wird Berlin die Zahlung an die S-Bahn wieder um einen zweistelligen Millionenbetrag kürzen." Notfalls würde die NEB den Bau finanzieren, so Bröcker. Dann müssten die Länder für den Zugbetrieb mehr bezahlen.Baurechtlich stehen die Signale ebenfalls auf Grün. Das jahrelang unterbrochene Planfeststellungsverfahren werde nun fortgesetzt und stehe vor dem Abschluss, berichtete der NEB-Geschäftsführer. "Wir könnten 2011 mit dem Bau beginnen, Anfang 2013 wäre die neue Umlandverbindung fertig."Doch im Senat hieß es, dass die Investition frühestens 2017 möglich wäre - wahrscheinlich sogar erst am Ende dieses Jahrzehnts. Die S-Bahn-Millionen müssten jedoch bald ausgegeben werden, sagte ein Sprecher. Zwar wäre der Wiederaufbau "wünschenswert". Doch andere Verkehrsprojekte hätten Vorrang.------------------------------In die WälderSeit 1901 verbindet die Heidekrautbahn Berlin mit dem wald- und seenreichen Gebiet um Wandlitz sowie Groß Schönebeck (Schorfheide).Bis 1961 konnten die Fahrgäste ihre Reise in Wilhelmsruh beginnen. Mit dem Mauerbau wurde der Südteil der Stammstrecke stillgelegt. Seit 1983 ist Karow der einzige Startbahnhof.2009 ergab eine Untersuchung, dass ein Wiederaufbau der Stammstrecke wirtschaftlich sinnvoll wäre. Eine Verlängerung über Karow nach Gesundbrunnen wäre aber billiger. Kosten: 2,0 bis 2,8 Millionen Euro.------------------------------Karte: Die HeidekrautbahnFoto: Mit der Bahn zum Baden: Der Liepnitzsee gilt bei Berlinern als ein besonders beliebtes Ausflugsziel.