Die Führungskrise in der brandenburgischen CDU scheint vorerst beigelegt. Mit satten Mehrheiten wählte die christdemokratische Landtagsfraktion gestern einen neuen Vorstand, der erwartungsgemäß von dem Finanzexperten Wolfgang Hackel angeführt wird. Der nach den Personalquerelen der Sommermonate vor einer Woche proklamierte Neuanfang in alter Besetzung klappte gestern fast reibungslos. Damit es auch an keiner Stimme fehle, ließ sich der erkrankte Abgeordnete Gerhard Thierbach sogar im Rollstuhl zur Vorstandsneuwahl schieben.Das Aufrücken des 54jährigen Ex-Westberliners und Neu-Potsdamers Wolfgang Hackel vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden zum CDU-Oppositionsführer galt zwar als unumstritten. Er wurde mit 16 Ja- und zwei Nein-Stimmen bestätigt. Aber auch die weiteren Wahlgänge gingen im Sinne der Fraktionsregie glatt. Insbesondere das Abschneiden von Ex-Fraktionschef Peter Wagner, der vor einer Woche seinen Rücktritt angekündigt hatte und nunmehr als Hackel-Vize kandidierte, galt als unsicher. Die Befürchtungen, daß der Kleinmachnower Kinderarzt durch ein schlechtes Ergebnis auch als CDU-Vorsitzender beschädigt würde, scheinen gewirkt zu haben: Mit 14 Stimmen erhielt Wagner ein besseres Ergebnis als im März, als er mit nur einer Stimme Mehrheit ­ seiner eigenen ­ den Fraktionsvorsitz weiterführen konnte.Der Landwirtschaftsexperte Dieter Helm wurde als zweiter Fraktions-Vize (15 Stimmen), Dierk Homeyer als parlamentarischer Geschäftsführer (13 Stimmen) bestätigt. Für die einzige Überraschung sorgte gestern Ex-Parteichefin Carola Hartfelder, die gemeinsam mit den Abgeordneten Markus Vette und Frank Werner per offenem Brief im Sommer den Rücktritt Wagners gefordert hatte und seitdem den Beinamen "Rebellin" trägt. Von Werner vorgeschlagen, kandidierte die 46jährige Lehrerin ebenfalls für einen der Stellvertreter-Posten. Sie fiel aber mit nur vier Stimmen satt durch.Nach den langen Wochen der Selbstzerfleischung gab es vor den gestrigen Wahlgängen in der CDU-Fraktion keine Diskussionen mehr. Daß zu seiner Würdigung der Arbeit Peter Wagners keine gegenteiligen Auffassungen vertreten wurden, wertete der neue Fraktionschef Wolfgang Hackel bereits als "gutes Zeichen". Die letzten Tage hätten gezeigt, daß alle 18 Abgeordneten bereit seien, sich in ihren Fachbereichen einzubringen. Noch mal stellte Hackel klar, daß ihm stark an einer Integration der drei sogenannten "Rebellen" gelegen sei. Von der von Wagner erhobenen Forderung nach deren Austritt aus der Fraktion wollte er nichts mehr wissen.Die zwei verbleibenden Jahre bis zur nächsten Landtagswahl müßten "intensiv genutzt werden", mahnte Hackel. Dem in der Fraktion ins zweite Glied getretenen Peter Wagner sicherte er in seiner Funktion als CDU-Landesvorsitzender "alle Unterstützung zu, inhaltlich und personell". Aus dem Amt scheiden wird dagegen am 30. September der bisherige CDU-Sprecher Holger Doetsch. Er hat Hackel zufolge seinen "Resturlaub" angetreten.Die Fraktion werde hart arbeiten müssen, um das Vertrauen an der Parteibasis zurückzugewinnen, so Hackel. In diesem Sinne hoffe er bei allen CDU-Abgeordneten auf die "Einsicht in die Notwendigkeit". Peter Wagner sprach ebenfalls von einer "Bringeschuld unserer Basis gegenüber". Er erinnerte daran, daß die Landtagsfraktion die Linie der Partei umzusetzen habe.