BERLIN, im Januar. Angela Davis kommt zurück. Sie kommt zurück an den Ort, an dem sie vor Jahrzehnten eine Ikone war wie sonst vielleicht nur Che Guevara und Ho Chi Minh. Plakate und Fotos gab es von der jungen, schwarzen Frau mit der Afro-Frisur im Osten Berlins und in der ganzen DDR. Die Zeitungen berichteten, die Staatsführung mit Erich Honecker an der Spitze empfing. Am Sonnabend ist die inzwischen sechzig Jahre alte Davis Referentin auf der 10. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin. Sie ist in Birmingham, Alabama, aufgewachsen. Im Geschichtsunterricht hört sie vom Sozialismus und schreibt später: "Das Kommunistische Manifest traf mich wie ein Donnerkeil. Ich begann, die Probleme der Afroamerikaner im Zusammenhang mit einer großen Arbeiterbewegung zu sehen." Sie kommt 1965 nach Frankfurt am Main und studiert bei Adorno und Habermas Philosophie. Die Vermittlung in Frankfurt sagt ihr, dass es für "Farbige" keine Zimmer gebe. 1968 tritt Angela Davis in die Kommunistische Partei der USA ein. International wird sie 1970 bekannt, als sie auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA steht.Vorausgegangen war ihre Ablehnung der US-Aggression in Vietnam und ihr Einsatz für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. Das FBI observierte die junge Dozentin, bis sich ein Grund fand, sie 1970 hinter Gitter zu bringen. Ihr wird vorgeworfen, ihre persönliche Waffe für eine blutig beendete Gefangenenbefreiung zur Verfügung gestellt zu haben. Davis wird verhaftet, und wegen "Verschwörung, Entführung und Mord" angeklagt.Überall in den USA, auch in der Bundesrepublik und vor allem in der DDR gibt es Solidaritätsaktionen. Eine heißt "Eine Million Rosen für Angela", angeregt von FDJ-Mitgliedern aus dem Uhrenkombinat Ruhla und der FDJ-Zeitung "Junge Welt". Millionen Solidaritätsgrüße sollen ihr Kraft geben und Druck auf die amerikanische Justiz ausüben. 1972 endet das Verfahren mit einem Freispruch. In einem Interview sagt sie: "Die Anstrengungen der Jugend der DDR sind dem Gericht nicht verborgen geblieben. Man hat sogar offizielle Notiz davon nehmen müssen." Davis ist heute Professorin in Kalifornien. Aus der Kommunistischen Partei trat sie 1991 aus, nachdem sie vergeblich eine Demokratisierung gefordert hatte. In Magdeburg ist sie Ehrenbürgerin.------------------------------Foto: Angela Davis