Der Mensch ist ein Sammler. Er hat das Bedürfnis, seine erbeuteten Gegenstände mit nach Hause zu nehmen und dort zu horten, denn: Möglicherweise können sie ihm eines Tages noch einmal nützlich sein. Kleider, Zeitschriften, Gläser, CDs -alles wird irgendwo verstaut und dann meistens vergessen.Von Zeit zu Zeit jedoch, meistens im Frühjahr, erschrecken wir angesichts des Durcheinanders in unserem Haushalt. "Im Frühling erwachen wir und werden aufmerksamer", sagt Constanze Köpp. Die Hamburgerin bezeichnet sich selbst als "Wohnkosmetikerin": Sie hilft ihren Kunden dabei, zu Hause Ordnung zu schaffen. "Nach dem langen Winter sehen wir dann plötzlich, wie verstaubt alles ist."Doch so mancher verliert schon bei der Überlegung, wo er anfangen soll, die Lust, sich dem Chaos zu stellen. Dann helfen ein paar einfache Regeln: "Man kann nicht alles auf einmal schaffen", sagt Renate Gottschalk, Aufräumcoach aus Berlin. "Am besten, man nimmt sich ein Zimmer nach dem anderen vor und arbeitet nicht länger als zwei Stunden am Stück."Die Freundin hilft beim AussortierenZudem hilft es, die Arbeiten sinnvoll zu verknüpfen und etwa beim Verstauen der Winterkleidung gleich auch auszumisten. "Wenn ich einen Mantel den ganzen Winter nicht getragen habe, werde ich ihn wohl auch in der kommenden Saison nicht anziehen", so Constanze Köpp. Also weg damit -genau wie mit den unbequemen Schuhen oder der Jeans, in die man seit drei Jahren schon nicht mehr hineinpasst. So schafft man gleichzeitig Platz für die neue Sommermode.Damit die Entscheidung leichter fällt, rät Renate Gottschalk, die Sachen in Gegenwart einer Freundin noch einmal anzuprobieren. Und wenn man sich von einem Stück so gar nicht trennen mag, obwohl man es nicht mehr anzieht? "Dann muss man es eben umfunktionieren, und aus dem Stoff zum Beispiel ein Kissen nähen."Die übrigen Wintersachen lüftet man einen Tag aus und verstaut sie dann entweder unten im Schrank oder, falls man einen trockenen Kellerraum hat, auch dort. Constanze Köpp empfiehlt Vakuum-Aufbewahrungsbeutel für diesen Zweck: Das sind kleine Säcke, aus denen man mit einem Staubsauger die Luft heraussaugen kann. Das spart Platz, und die Sachen riechen auch noch frisch, wenn man sie nach einem halben Jahr wieder hervorkramt.Weiter geht es im Arbeitszimmer: Dort häufen sich bei manchen so viele Unterlagen an, dass die wirklich wichtigen kaum noch zu finden sind. Auch hier gilt: Nur das tatsächlich Notwendige aufbewahren, also Steuer- und Bankbelege, Versicherungsnachweise oder amtliche Dokumente. "Für den privaten Gebrauch reicht ein Ordner meist vollkommen aus", sagt Constanze Köpp. Gemeinsam mit einer Kundin hat sie kürzlich sechs nur mit Dokumenten gefüllte Müllsäcke entsorgt.Mit der eigenen Faulheit rechnenIhre Kollegin Renate Gottschalk stimmt zu: "Von der täglichen Post kann man oft die Hälfte sofort wegwerfen." Sie rät, einen möglichst großen Papierkorb unter den Tisch zu stellen, denn als studierte Psychologin weiß sie, dass man die eigene Faulheit bei der Ausstattung des Heims berücksichtigen muss. "Je größer der Papierkorb ist, desto mehr wirft man weg. Wenn er zu klein ist, scheut man sich eher, weil man den Müll so oft wegbringen muss." Aus Bequemlichkeitsgründen sollte man auch Akten so ins Regal stellen, dass man sie vom Sitzplatz aus erreichen kann. Dann fällt es nämlich leichter, neue Steuer- oder Bankbelege unverzüglich abzuheften und nicht erst zu einem Stapel aufzutürmen.Gegen die Flut von selbsgebrannten Datenträgen wie CDs und DVDs, deren Inhalt man nicht mehr zuordnen kann, hilft dagegen nur Selbstdisziplin. "CDs sollte man immer sofort beschriften und in möglichst schöne Hüllen einsortieren", sagt Constanze Köpp. Dann kann man beim Aufräumen auf einen Blick zwischen noch nützlichen und bereits überholten Programmen und Informationen unterscheiden. Will man CDs mit persönlichen Daten wegwerfen, sollte man sie durchschneiden und sie dann in die Wertstofftonne geben beziehungsweise zur Wertstoffsammlung bringen -sie gehören nicht in den Hausmüll.Filme, Musik, aber auch Romane und Fachliteratur finden sich in vielen Haushalten längst in doppelter Ausführung -digital auf der Festplatte des PCs und physisch im Regal. Doch gerade hier warnt die Aufräumexper-tin Constanze Köpp davor, sich allzu schnell zu trennen: "Musik und Bücher machen die Räume ja auch wohnlich." Ein gut sortiertes Regal wirkt deshalb eher harmonisch als beunruhigend.Ansonsten aber gelte: Wer Ordnung in der Wohnung schafft, schafft damit auch die Basis für Veränderungen in anderen Lebensbereichen. "Nur wenn wir uns von Altem trennen, haben wir Platz für etwas Neues."------------------------------ServiceAufräumcoachMuvitaRenate Gottschalk hilft beim Aufräumen der eigenen vier Wände. Die Diplom-Psychologin berechnet 30 Euro für eine Erstberatung vor Ort, weitere Termine nach Vereinbarung.www.muvita.deRita SchilkeDie Berlinerin unterstützt ebenfalls bei der Bewältigung des privaten Chaos.www.aufraeumcoach-berlin.deBuchtippZahlreiche Anregungen zum Aufräumen und Entrümpeln liefert das Buch "Die Kunst des Aufräumens" von Thomas Ritter und Constanze Köpp. Rororo Verlag 2009, 144 Seiten, 8,95 Euro.------------------------------Foto: Gut verstaut ist halb gewonnen: In Kisten verpackt, lagert die Winterkleidung bis zur nächsten Saison unbeschadet.