Die Grüne Claudia Hämmerling will Arbeitslose gegen Hundekot einsetzen - und erntet dafür vor allem Kritik: Haufenweise Ärger

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling hat sich vor allem als Verkehrs- und als Tierschutzexpertin hervorgetan. Wo immer eine Straße gebaut oder ein Kragenbär nicht artgerecht gehalten wird, prangert sie dies an. Ob Trasse oder Tierhandel - Hämmerling verschont niemanden.Jetzt hat sich die Abgeordnete erneut zu Wort gemeldet. Um Hunde geht es ihr diesmal. Im Urlaub im Thüringer Wald ist der Grünen eingefallen, wie das Problem mit dem Hundedreck in Berlin gelöst werden kann. Immerhin fallen in der Stadt täglich fast 40 Tonnen davon an, Berlin gilt auch als "Hauptstadt der Hundehaufen." Hämmerlings Lösungsvorschlag, den sie zu Ostern einer Nachrichtenagentur mitteilte: Arbeitslose, also auch Hartz-IV-Empfänger, sollen eingestellt werden, in jedem Bezirk mindestens 20. Als Kontroll-Verstärkung der Ordnungsämter sollen sie dafür sorgen, dass die Straßen nicht länger als Hunde-Kloake genutzt werden.Doch offenbar ist es im Thüringer Funkloch zu einer Kommunikationspanne gekommen. Überschriften wie "Grüne will Hartz-IV-Kontrolleure gegen Hundehaufen" veranlassten Hämmerling gestern zur Korrektur. Der Berliner Zeitung sagte sie, es liege ein Missverständnis vor: "Es geht mir nicht um Hartz-IV-Empfänger und um deren Stigmatisierung." Vielmehr gehe es ihr um zusätzliche Stellen im öffentlichen Dienst, denn Menschen sollten beschäftigt statt in bezahlter Arbeitslosigkeit gehalten werden. "Wieso werden Menschen, auch Hartz-IV-Empfänger, vom Erwerbsleben abgeschnitten, obwohl es viele kommunale Aufgaben gibt, die derzeit nicht erfüllt werden können?"Grüne distanzieren sichDie Neu-Interpretation war nötig, denn die eigene Partei distanzierte sich von ihrer Abgeordneten. "Solche Vorschläge sind nicht Bestandteil grüner Politik", ließ Grünenfraktionschef Volker Ratzmann lapidar mitteilen. Franz Schulz, grüner Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, wo Hundedreck ein immer wieder erlebbares Problem ist, sprach gar von einem "verspäteten Aprilscherz". Sein Ordnungsamt, das über 30 Außendienstmitarbeiter verfüge, würde zwar mehr Mitarbeiter gut gebrauchen können. Aber, so Schulz: "Bei Hundehaufen muss der Verursacher in flagranti erwischt werden." Man könne tausend Leute einstellen und würde das Problem dennoch nicht lösen. Dafür sei ein Umdenken nötig, bei Hundehaltern und in der Gesellschaft. Nur die soziale Ächtung jener, die sich nicht benehmen könnten, würde da helfen. Als realitätsfremd gilt Hämmerlings Vorschlag auch in Neukölln. Sozialstadtrat Michael Büge (CDU) meinte, es gebe nicht mal genügend Mitarbeiter für den Kinderschutz, zusätzliche Mitarbeiter fürs Ordnungsamt seien schlicht kein Thema. In der Senatsarbeits- und Sozialverwaltung wollte man sich gar nicht äußern.Nur von einer Seite erfuhr die Grüne Unterstützung: Die CDU Neukölln lobte sie. "Hartz-IV-Leute sollten nicht nur kontrollieren, sondern die Haufen auch wegmachen", sagte Kreisvorstandsmitglied Falko Liecke. Bei Problemen mit ihrer Partei empfahl er Hämmerling den Wechsel in die CDU.