WÜNSDORF. So unbekannt wie der Begriff "Konversion" für die meisten ist, so vergessen sind oft auch die Objekte, um die es geht: die ehemals militärisch genutzten Flächen, die nach dem Ende der DDR einer zivilen Nutzung zugeführt werden sollten. In Brandenburg waren es etwa 230 000 Hektar Liegenschaften von NVA, Grenztruppen und Sowjetarmee - eine Fläche, so groß wie das Saarland oder der Brandenburger Kreis Oder-Spree. Fast die Hälfte davon nutzten zuletzt die russischen Truppen, bis das Land 1994 den größten Teil dieser maroden Militärobjekte übernahm und die Landesgesellschaft Brandenburgische Boden (BBG) mit ihrer Vermarktung beauftragte.Erfolgreiches Konzept gefährdet "Wir haben bis jetzt die Hälfte der 100 000 Hektar sowjetischer Liegenschaften saniert oder verkauft", sagt BBG-Geschäftsführer Wolfgang Heitmann. Die Umwandlung der restlichen Flächen werde aber wesentlich länger dauern, weil "Filetstücke" wie die innerstädtischen Kasernen bereits verkauft sind und auf dem Immobilienmarkt Flaute herrsche. Heitmann rechnet damit, dass es noch 15 Jahre dauern wird, bis alle Militärruinen abgerissen, die dazugehörenden Flächen und Wälder von Munitionsschrott und anderen Altlasten befreit sind. "Gerade jetzt, wo nur noch schwer verkäufliche Flächen übrig sind, muss sich das Land seiner Verantwortung bewusst sein", sagt Heitmann. "Sonst bleiben die hässlichen Areale so liegen, wie sie doch wohl niemand haben will. " Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) spricht insgesamt von einer beachtlichen Bilanz. "Für die Konversion wurden bisher 1,1 Milliarden Euro ausgegeben. " Weil trotzdem viele betroffene Gemeinden vom Problem der "vergessenen Flächen" sprechen, wollen 13 Kommunen gemeinsam nach neuen Lösungswegen suchen. "Im Netzwerk Fokus bündeln wir unsere Forderungen an das Land, den Bund und die EU", sagt Fokus-Chef Wilfried Rauut. Mit dem am Mittwoch beginnenden Konversionssommer soll die Bevölkerung über die Erfolge und auch die drohenden Verzögerungen bei der Rückgewinnung der Militärliegenschaften informiert werden.Rauhut sagt, dass es noch immer zwanzig Gemeinden gibt, hinter deren Ortsschild sich zunächst zerfallende Mauern und marode Kasernen erstrecken. "Für eine schnelle Sanierung ist nicht genug Geld da", sagt er. Nun drohe eine weitere Verschleppung der Sanierung, weil das Land Konversionsgelder lieber zum Stopfen der aktuellen Haushaltslöcher "zweckentfremden" wolle.Bislang verwaltet die Brandenburgische Boden die Militärflächen treuhänderisch. Mit den Geldern aus dem anfangs florierenden Verkauf der besten Objekte wurde die Sanierung der schwer verkäuflichen Flächen in entlegenen Wäldern finanziert. "Unser Auftrag lautete, mit den Einnahmen die Kosten zu decken", sagt Heitmann. Das ist bisher gelungen. Fast 35 Millionen Euro wurden beispielsweise 2001 eingenommen, nur 31 Millionen augegeben. "Bei 69 Grundstücksverkäufen verpflichteten sich die Käufer, mehr als 55 Millionen Euro zu investieren", sagt er. Kasernen, Truppenübungs- oder Flugplätze in Frankfurt (Oder), Wünsdorf, Cottbus oder Jüterbog wurden zu Wohn- oder Gewerbegebieten, zu Fachschulen oder Verwaltungszentren."Doch dieses erfolgreiche Konzept ist bedroht", sagt Fokus-Chef Rauhut. Bereits im vergangenen Jahr habe das Land 13 Millionen Mark aus dem Konversionsfonds entnommen. Wenn das so weiter gehe, sei dies das Ende. "Die Flächen gehören dem Land und nicht den Kommunen", sagt Rauhut. "Wir hätten gar nicht das Geld für die extrem teuren Arbeiten. " Dies sei eine Jahrhundertaufgabe. Rauhut findet es absurd, dass das Land seine Vorzeigegesellschaft beerdigen wolle, während der Bund eine ähnliche Gesellschaft für seine nicht mehr gebrauchten Bundeswehr-Kasernen gründen will. "Noch dazu, wenn die EU-Fördermittel bis zum Jahr 2006 zugesagt sind", sagt er.Brandenburg-Aufgeräumt durch Konversion // 5. Konversionssommer: Unter dem Motto "Aufgeräumt durch Konversion" wird ab Mittwoch in elf Gemeinden öffentlich gezeigt, wie schwierig, aber auch wie erfolgreich die Umwandlung ehemaliger sowjetischer Militärareale für die zivile Nutzung ist.Auftakt: Die Bestandsaufnahme beginnt am 12. Juni um 10 Uhr mit Vorträgen in Wünsdorf. Motto: "Neue Chancen für vergessene Flächen. " Ab 15 Uhr Besichtigung der Waldstadt. (Kontakt: 0331/279 11 73) Jüterbog: Die Diskussion "Konversion und Stadtentwicklung" beginnt am 19. Juni um 18 Uhr. (03372/43 32 44) Niedergörsdorf: Die Jugendveranstaltung "Spirit of Conversion" findet am 6. Juni ab 15 Uhr statt. Am 7. Juni ab 10 Uhr führt eine Skatertour durchs Konversionsgebiet. (033741/809 06) Falkenberg: Die traditionellen Flugtage finden am 13. und 14. Juli jeweils ab 10 Uhr in Falkenberg statt. (03372/43 32 44) Neuruppin: Am Brandenburg-Tag 2002 werden am 7. September die Konversionsprojekte der Stadt vorgestellt. (O3391/44 63 90) Prenzlau: Am 28. August von 10 bis 15. 30 Uhr können die Baustellen der ehemaligen Kasernen besichtigt werden. (03984/753 04) Alle Termine in Internet: www. fokus-net. de.Karte: BERLINER ZEITUNG/ANJA KÜHL -Im "Forum für Konversion und Stadtentwicklung - Fokus" haben sich 13 Gemeinden zusammengeschlossen. Elf beteiligen sich an den diesjährigen Veranstaltungen.Foto: ZB/JENS KALAENE "Betonzigarren" in Wünsdorf: Die Spitzbunker der Wehrmacht dienten dem Schutz vor Luftangriffen. Auch nachdem das jahrzehntelang von sowjetischen Truppen genutzte Gelände saniert wurde, blieben sie im Wohngebiet stehen.