Auftrag und Botschaft der Heilsarmee haben sich auch im modernen Zeitalter nicht verändert: Christus und den Menschen dienen. Am 1. August vor genau 100 Jahren ist das erste Korps der Religionsgemeinschaft in Berlin gegründet worden. Gefeiert wird dieses historische Jubiläum das ganze Jahr."Knackige Musik" verspricht Kapitän Wolfgang Korneffel für den 23. August. An diesem Tag erwartet die Heilsarmee eine holländische Popband. Ob die Musikgruppe allerdings wie gewünscht auf dem Breitscheidplatz auftreten darf, steht nicht endgültig fest. Noch gibt es Probleme mit den Behörden. Wenn aber am 10. und 11. Oktober die Heilsarmee Deutschland im Bürgersaal des Rathauses Schöneberg aufspielt, wird sogar Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Ziemer (Bündnis 90/Grüne) erwartet.Die Heilsarmee will, so Gründer William Booth, die Beseitigung des sozialen Elends und die Rettung der "Verkommenen" erreichen. Um das wohl schwierige Ziel durchzusetzen, setzte Booth auf straffe Disziplin und Ordnung ­ auf eine "Armee der Freiwilligen". Ein General an der Spitze, Stabschefs, Territorialleiter, Kapitäne und Offiziere sorgen seitdem für die Verbreitung der Botschaft. Selbst die Zeitschrift erinnert an Militär: "Der Kriegsruf". Berlins Regierender Bürgemeister Eberhard Diepgen wünscht deshalb in der Festschrift der Heilsarmee prompt "einen siegreichen Verlauf der Schlacht".Heute möchte die Glaubensbewegung weltoffen sein und sich den "Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft" stellen. Damit ist vor allen Dingen gemeint, mit neuen Mitteln Menschen von der "froh machenden Nachricht der Liebe Gottes" zu erreichen. 170 Berlinerinnen und Berliner haben sich dieser Idee verschrieben ­ ungefähr genauso viele wie zur Gründerzeit. In Berlin existieren insgesamt vier Gruppen in Schöneberg, Friedenau, Prenzlauer Berg und Wedding.Die Gemeinschaft betreibt außerdem ein Kinderheim, Wärmestuben, ein Übergangswohnheim für Männer und ein Altenheim. Die Bewegung gehört der Deutschen Evangelischen Allianz, dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Bibelgesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen an.Für Korneffel ist die Heilsarmee Alltag. "Die Gemeinschaft ist meine Heimat", sagt er. Er marschiert, wie es ganz militärisch heißt, mit "Salutisten" aus der ganzen Welt unter der Fahne "aus Blut und Feuer". Bereits im Kinderwagen hat Korneffel seine Eltern zu den Versammlungen begleitet. Mitschüler und dann Arbeitskollegen und Freunde respektierten später seinen Einsatz. Nur bei der Bundeswehr, erinnert sich Korneffel, hätten Soldaten ihn schon mal gehänselt. Zu den Grundregeln der Heilsarmee gehört es nämlich, sich alkoholischen Getränken und dem Tabak zu enthalten.Trotz solcher und anderer strenger Vorschriften hat Korneffel, wie er selber sagt, bis 1990 als "guter Mittelstandsbürger" bei Hannover gelebt und in seinem herkömmlichen Beruf als Facharbeiter "ganz schön verdient". Doch seitdem er als Kapitän der Heilsarmee in Berlin wohnt, muß sich Korneffel einschränken.Die Glaubensgemeinschaft zahlt ihm 1 600 Mark monatlich dafür, daß er nun ausschließlich das Wort Gottes verkündet. Vor allem am Wochenende ist der 45jährige Kapitän mit den anderen Salutisten unterwegs, um den Glauben zu verbreitend.Marlies Emmerich