Das AEG-Firmenarchiv und mehr als tausend Museumsobjekte sind zurück in Berlin. In der vergangenen Woche wurden die Sammlungen in Räumen des Deutschen Technikmuseums eröffnet. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen hatte sich gemeinsam mit dem Direktor des Museums, Günter Gottmann, um die Übernahme dieses fünftgrößten Unternehmensarchivs in Deutschland bemüht, das sich bislang in der Frankfurter Konzernzentrale befand.Die Leistungen des amerikanischen Maschinenbaus, insbesondere das 1881 in Paris vorgestellte Edison-System, hatten bei Emil Rathenau, gebürtiger Berliner, Ingenieur und Vetter des Malers Max Liebermann, tiefe Spuren hinterlassen. Nach Gründung einer Studiengesellschaft 1882, die im darauffolgenden Jahr in die Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität umgewandelt worden war, nahm Rathenau sowohl das "Produktionsgeschäft" von Dynamos, Bogen- und Glühlampen als auch das "Unternehmergeschäft" der Stromlieferung auf. Das Café Bauer an der Friedrichstraße erhielt 1884 die erste elektrische Probebeleuchtung mit Glühlampen durch eine Blockstation im Keller, wo heißgelaufene Lager mit Eis aus Sektkübeln gekühlt wurden. Noch im selben Jahr gründete die Edison-Gesellschaft gemeinsam mit dem späteren Initiator des Deutschen Museums in München, Oskar Miller, mit drei Millionen Mark die Aktiengesellschaft "Städtische Electritätswerke", die Keimzelle der Bewag.Rathenau hatte von der Stadt, die zehn Prozent der Bruttoeinnahmen kassierte, das Recht erhalten, seine Leitungen und Kabel auf öffentlichem Straßenland zu verlegen und sorgte für die erste Bogenlampen-Beleuchtung Unter den Linden im Jahre 1887. Im selben Jahr wurde das Unternehmen in "Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft" (AEG) umbenannt und auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt/Main 1891 zum Hoffnungsträger deutscher Ingenieure und Banken. AEG stellte gemeinsam mit dem Schweizer Maschinenbau-Unternehmen Oerlikon die erste Stromfernleitung vor.1887 begann die AEG mit dem Bau des größten Kabelwerks der Welt, dem Kabelwerk Oberspree, später folgten am selben Standort die AEG-Unternehmen Nationale Automobilgesellschaft NAG mit ihrer Produktion von Elektromobilen, sowie ein Transformatoren-, ein Röhren- und ein Akkumulatorenwerk. Siemensstadt erhielt damit ein städtebauliches Gegengewicht im Osten. 1891 baute die AEG das erste deutsche Straßenbahnnetz in Halle/Saale auf. 1903 raste eine elektrische AEG-Schnellbahn mit 210 Stundenkilometern von Marienfelde nach Zossen. Mit den gemeinamen Gründungen von AEG und Siemens, den Gesellschaften Telefunken (1904) und Osram (1919) sowie der Aufnahme der Massenfertigung von Haushaltsgeräten im Stil des Chef-Designers Peter Behrens, nahm "Elektropolis" Berlin seine endgültige Form an. 1925 waren 150 000 Menschen in der Berliner Elektroindustrie beschäftigt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Fernseh- und Tonbandgeräte-Industrie in Schwung, in der Telefunken zu den führenden Anbietern zählte.Um 1900 begann die AEG an ihrem Hauptstandort in der Brunnenstraße ein "Historisches Museum" und 1912 ein "Hygiene-Museum" einzurichten. 1929 übersiedelten die historischen Sammlungen in das "Haus der Technik" zwischen Oranienbuger und Friedrichstraße. Der Zweite Weltkrieg zerstreute Archiv und Sammlung in alle Winde.Welch großen Wert man jedoch der eigenen Geschichte und dem industriellen Erbe für die Unternehmenskultur beimaß, zeigt die Wiederaufnahme der Sammlungstätigkeit im Jahre 1965 in Braunschweig und Frankfurt/Main. Vor dem Hintergrund der Verschmelzung der AEG mit der Daimler-Benz AG sowie der damit einhergehenden Auflösung der Frankfurter Zentrale entschied man sich zur Übergabe der Sammlungen an das Deutsche Technikmuseum Berlin, wo man den Zugang für Benutzer sowie fachgerechte Aufarbeitung und Betreuung garantierte.In 25 Lkw-Ladungen trafen die 5 000 Bücher, 4 000 Regalmeter Akten, 350 Regalmeter Bildmaterial, 1 300 Filme und über 1 000 Objekte samt einer 21 Tonnen schweren Dampfturbine in Berlin ein.Finanzielle Hilfe für das Projekt kam von der Lottogesellschaft, der AEG-Nachfolgegesellschaft EHG sowie von der BVG, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Für die Restaurateure technischen Kulturgutes sowie eine noch einzurichtende Stelle zur Rettung von Fotos, Filmen und Datenträgern an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gibt es auf Jahre hinaus genug zu tun.Für technisch Interessierte finden vom 27. 5. bis 1. 6. Tage der offenen Tür im AEG-Archiv im Postpaketbahnhof in der Trebbiner Straße in Berlin statt.