Es ist ein ganz normales Paar, das da am Sonnabend um 12Uhr in der Potsdamer Friedenskirche heiraten wird. Ein 35-jähriger Betriebswirt, der in Rostock als Unternehmensberater arbeitet, ehelicht eine 33-jährige Diplom-Kauffrau, die in Berlin gemeinnützige Organisationen berät. Beide kennen sich seit Kindertagen, obwohl Georg Friedrich bei Bremen und Sophie im hessischen Birstein aufgewachsen ist. Seit einigen Jahren sind sie ein Paar, sie leben in Berlin. Am Donnerstag ließen sie sich von Potsdams Oberbürgermeister standesamtlich trauen. Klar, dass zu der Hochzeit weder die britische Queen, noch Prinz William und Kate anreisen. Obwohl, die Queen ist die Urgroßtante des Bräutigams. Aber wer feiert schon Hochzeit mit seiner Urgroßtante?Wenn 1918 in Deutschland nicht die Monarchie abgeschafft worden wäre, dann würde Queen Elizabeth sehr wahrscheinlich doch nach Potsdam reisen, denn dann würde die Hochzeit eines amtierenden Kaisers gefeiert. Georg Friedrich Prinz von Preußen ist der Ururenkel von Wilhelm II., dem letzten deutschen Kaiser und König von Preußen und sieht diesem durchaus auch ein bisschen ähnlich. Es wäre die Top-Hochzeit des Jahres, weit bedeutender als jene von Prinz William mit Kate oder von Fürst Albert und Charlène.Da Wilhelm II. aber abdanken musste und wir in einer Republik leben, stehen anstelle von europäischen Königen die Bürgermeister von Bisingen und Hechingen, beides schwäbische Kleinstädte am Fuße der Burg Hohenzollern, dem Stammsitz des Fürstengeschlechts der Hohenzollern, auf der Gästeliste. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ist ebenfalls geladen, auch der deutsche Hochadel, insbesondere die Chefs der ehemals regierenden Häuser, werden wohl ziemlich komplett dabei sein. Namen sind der Generalverwaltung des vormals regierenden Preußischen Königshauses keine zu entlocken, es handele sich um "eine Privathochzeit", bekommt man zu hören.Eine Privathochzeit allerdings, die öffentlich vom RBB, vom HR und vom SWR live im Fernsehen übertragen wird und zu der sich rund 100 Journalisten angemeldet haben. Vor und nach der ökumenischen Trauung werden auch Schaulustige einiges zu sehen bekommen: Die Braut Sophie Prinzessin von Isenburg, die zum Designerkleid von Wolfgang Joop einen historischen Schleier sowie ein Diadem tragen wird, soll mit einem grauen Rolls-Royce vorfahren, der einem Freund des Bräutigams gehört. Nach der Trauung geht es - gutes Wetter vorausgesetzt - mit einem blauen Landauer, der von sechs Pferden gezogen wird und in dem schon Queen Elizabeth durch Potsdam gefahren sein soll, durch die Stadt und den Park Sanssouci.In den Neuen Kammern, dem einstigen Gästeschloss Friedrichs des Großen - auch ein Vorfahr des 1,93 Meter großen Bräutigams - findet dann der Empfang für 700 Gäste statt. Am Abend sind 370 Gäste zum Galadinner in der Orangerie geladen.Anders als Prinz William und Fürst Albert von Monaco kann Georg Friedrich Prinz von Preußen nicht einfach eine Bürgerliche heiraten. Im Adelsgeschlecht der Hohenzollern sind sie da unerbittlich. Die Hausgesetze des 950 Jahre alten Fürstengeschlechts legen fest, dass nur wer protestantisch ist, selbst aus einer standesgemäßen Ehe kommt und eine Ebenbürtige geheiratet hat, erbfähig ist. Diesem Gesetz verdankt Georg Friedrich Prinz von Preußen, dass er seit 1994 - damals starb sein Großvater Louis Ferdinand - Chef des Hauses Hohenzollern ist und damit Herr über ein Vermögen, das auf 50 Millionen Euro geschätzt wird.Sein Vater ist gestorben, als er ein Jahr alt war, aber es gibt drei Onkel, die in der Erbfolge vor ihm kämen. Die aber haben nicht standesgemäß geheiratet und so setzte Louis Ferdinand seinen Enkel als Erben ein. Jahrelang musste er sich vor Gerichten mit seinen Onkeln um das Erbe streiten. Da muss der Druck groß gewesen sein, eine standesgemäße Gemahlin zu finden. Sophie Prinzessin von Isenburg ist eine solche: Sie stammt aus einem Fürstenhaus, das sich bis ins Jahr 963 zurückverfolgen lässt.So antiquiert die Hausgesetze erscheinen mögen, das Paar gibt sich modern. Der Bräutigam ist protestantisch, die Braut katholisch und sie wird es auch bleiben. Es wird deshalb eine ökumenische Trauzeremonie geben - an einem Ort voller preußischer Geschichte. In Schwaben hatte man ja auf eine Feier auf der Burg Hohenzollern gehofft. Aber Potsdam hat sich seit 1650 zum privaten Rückzugsort und Lebensmittelpunkt der Hohenzollern entwickelt, zu denen die Preußenkönige gehören. Und in den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Familienmitglieder in Berlin und Brandenburg angesiedelt, Georg Friedrich Prinz von Preußen eingeschlossen. Der wollte schon zum Studium nach Berlin, aber die Studienplatzvergabe hat ihn ins sächsische Freiberg geschickt. Heute gibt's - von Hochzeiten abgesehen - eben keinen Prinzen-Bonus mehr.------------------------------Nur noch eine GesellschaftsschichtZum Adel gehören in Deutschland etwa 80000 Menschen. Zum Hochadel zählen ehemals regierende Adelsgeschlechter, also Nachfahren von Könige, Herzöge und Kurfürsten. Zu den berühmtesten Adelsfamilien gehören Habsburger, Wittelsbacher, Hohenzollern und Welfen.Sämtliche Privilegien verlor der deutsche Adel 1919, als mit der Verfassung der Weimarer Republik die konstitutionelle Monarchie und damit auch der Adelsstand abgeschafft wurde. Seitdem sind Adelstitel nur noch Bestandteil des bürgerlichen Namens. Was dem Adel blieb, sind seine Besitztümer.Adelige werden ganz normal mit Herr oder Frau angesprochen, nicht mit Prinz oder Fürst.Als Gesellschaftsschicht besteht der Adel fort. Er hat eigene Regeln und bleibt auch gerne unter sich. Das erkennt man auch, wenn man sich die Stammbäume des Adels ansieht. Es gibt Leute, die sich wegen des Titels von Adeligen adoptieren lassen und dafür bezahlen.------------------------------Foto (10)/ Grafik: Der Stammbaum der HohenzollernFoto: Georg Friedrich Prinz von Preußen und Sophie Prinzessin von Isenberg heiraten am Sonnabend mit einigem Pomp in Potsdam.------------------------------KORREKTUR- In die Grafik zum Stammbaum der Hohenzollern, Wochenendausgabe, Seite 32, hat sich ein Fehler eingeschlichen. Wilhelm II. König von Preußen ist nicht 1918 sondern 1941 gestorben. 1918 dankte er ab. - 30.08.2011