BERLIN. Das Warten hat bald ein Ende. Der Abschlussbericht der unabhängigen Kommission, die sich mit den Doping-Machenschaften am Freiburger Universitätsklinikum befasst, wird in diesen Wochen fertig gestellt. "Wir haben die Beweisaufnahme abgeschlossen und sind am Schreiben", sagt Kommissionschef Hans-Joachim Schäfer aus Reutlingen, ein ehemaliger Richter. Zur Kommission, die im Mai 2007 einberufen wurde, gehören neben Schäfer der Pharmakologe Ulrich Schwabe und der Chef des Kölner Dopingkontrolllabors Wilhelm Schänzer.Im März 2008 hatte die Gruppe einen Zwischenbericht veröffentlicht mit neuen Fakten zum systematischen Doping im Team Telekom und der Verstrickung zahlreicher Freiburger Ärzte. Damals sagte Schäfer: "Was wir nicht herausbekommen haben, wollen wir noch ans Tageslicht bringen." Dazu gehörten weitere Fakten zur Rolle von Professor Josef Keul, inzwischen verstorbener Doyen der deutschen Sportmedizin. Keul hatte, laut Zwischenbericht, Zahlungen für Dopingmittel über das Konto eines so genannten Arbeitskreises "Dopingfreier Sport" abgewickelt.Der Abschlussbericht war für Herbst 2008 vorgesehen. Die Verspätung habe sich laut Schäfer allerdings gelohnt. Seit Herbst sind "vier, fünf Zeugen" gehört worden, die wertvolle Informationen über die Jahre 2000 bis 2005 geliefert haben. Damit ist das systematische Doping im Telekom/T-Mobile-Radstall von 1993 bis 2006 relativ lückenlos dokumentiert. Zwei Wochen nach Gründung der Schäfer-Kommission im Mai 2007 setzte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Disziplinarkommission zum Telekom-Dopingsystem unter Leitung von Denis Oswald ein, IOC-Exekutivmitglied und Präsident des Ruder-Weltverbandes. Außerdem dabei: der Ukrainer Sergej Bubka und die Schwedin Gunilla Lindberg, ebenfalls Exekutivmitglieder.IOC-Präsident Jacques Rogge und Oswald versprachen Aufklärung: Die Telekom-Fahrer Jan Ullrich, Alexander Winokurow und Andreas Klöden, die 2000 in Sydney im Straßenrennen die Olympia-Medaillen gewonnen hatten, dürften sich dieser Plaketten nicht sicher sein. Zwar verjähren Dopingvergehen bei Olympia nach acht Jahren. Doch mit der Einberufung der Kommission sei die Verjährung ausgesetzt, so Rogge Ende 2007.Seitdem herrscht Ruhe. Ob die IOC-Kommission je tätig wurde und sich um die lückenlose Aufklärung des Telekom- und Freiburger Dopingsystems bemühte, ist ungewiss. Oswald ließ entsprechende Fragen unbeantwortet. Schäfer hat den Namen Oswald noch nie gehört und zeigt sich erstaunt: "Inwieweit es da Kommissionen gibt, weiß ich nicht. Ein Kontakt zu irgendeiner Kommission des IOC hat nicht stattgefunden."Ist der Sport nicht an Aufklärung interessiert? Beim IOC hat das den Anschein. Der einstige Telekom-Beifahrer Rudolf Scharping, umstrittener Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, fragte zumindest nach. "Der Herr Scharping hat mich ein oder zweimal angerufen und hat einen Datenabgleich angeboten. Ich habe aber inzwischen durch diese Tätigkeit gelernt, dass Datenabgleich in der Regel heißt, dass der, der den Abgleich erbittet, irgendwelche Neuigkeiten haben will", erklärt Schäfer süffisant. "Ich habe dann den Herrn Scharping auf unseren Zwischenbericht verwiesen, der da ja schon fertig war. Und dann hat sich danach kein neuer Kontakt ergeben."------------------------------Foto: Beweise aufgenommen: Hans-Joachim Schäfer.