BERLIN, 22. März. Den Deutschen schmeckte das neue Gericht zunächst gar nicht. "Viele hier haben die italienische Pizza mit dem deutschen Pfannkuchen verwechselt", erinnert sich Giuseppe di Camillo. Zusammen mit seinem Bruder Nicola eröffnete er 1952 - vor 50 Jahren - in Würzburg die erste Pizzeria Deutschlands. Dass die Deutschen skeptisch waren, störte die Brüder nicht. Sie kochten damals für die US-Soldaten aus den Kasernen rund um Würzburg, und zu denen hatte Nicolino sehr gute Kontakte.Wenn bei Capri die Sonne .Nick, wie er von allen genannt wird, kommt 1946 nach Deutschland. In Italien ist "alles kaputt", und in Nürnberg findet er einen Job als Fahrer bei der US-Armee. Er verliebt sich in Marianne, eine Ballett-Tänzerin. Später arbeitet er als Türsteher im "Country Club", einem beliebten Treffpunkt der US-Soldaten. Dort lernt er den Offizier Coletti kennen, einen Amerikaner italienischer Herkunft, dessen Vater aus dem Dorf Villa Magna stammt - wie die di Camillos. Als eines Tages der Koch des Clubs ausfällt, kommt Nicks große Stunde. Er kocht Spezialitäten aus seiner Heimat Abruzzen: Spaghetti mit Tomatensoße und kleinen Fleischbällchen. "Die GIs waren begeistert und drängten mich, ein italienisches Lokal zu eröffnen", erinnert sich Nick.Dank einer Empfehlung von Coletti kann er ein kleines Restaurant in Würzburg pachten. Dort holt Nick am 24. März 1952 die erste Pizza aus dem Ofen, die er nach einem Geheimrezept seiner Mutter zubereitet hat. Geheimnis ist Geheimnis, nur eines verrät er: Mamma Carmela versuchte immer, den Boden so dünn wie möglich auszuziehen.Der Name für das Restaurant war schnell gefunden: "Capri". Das ist einprägsam, italienisch und klingt in allen Sprachen gleich. Auch sonst ist Nick umtriebig. Er verteilt Vistenkarten für seine Pizzeria an Taxifahrer, damit diese die Gäste anchauffieren. Eine große Hilfe ist auch Offizier Coletti. Er verschafft Nick Zugang zu den US-Kasernen, wo dieser Pizzen umsonst verteilt und viele neue Kunden bekommt.Nach und nach entdecken auch Studenten und Pärchen die Pizzen im "Capri". Drei Mark sind damals viel Geld, und so sitzen die jungen Deutschen "meist an überfüllten Tischen und teilten die Pizza in vier oder acht Stücke", sagt Giuseppe. Es dauert jedoch noch zwei Jahrzehnte, bis sich Pizzerien in Deutschland etablieren können. Zwar berichtet bereits 1958 die Frauenzeitschrift "Constanze" über den neuen Trend: "In Paris und New York, in London und Amsterdam isst man jetzt die neapolitanische Pizza. Wer sie einmal probiert, kann das verstehen. " Auch Nudeln, Olivenöl und Rotwein sind bald bekannt; allerdings ist die italienische Küche teuer. Im Haus der deutschen Geschichte ist zu lesen: "Ein Abend mit Pasta und Chianti bleibt noch bis in die 70er Jahre hinein ein exklusives Vergnügen. " Der wahre Siegeszug der italienischen Küche in Deutschland beginnt erst mit der Tiefkühlpizza. Die erste bringt Dr. Oetker unter dem Namen "Pizza alla Romana" 1970 auf den Markt. Bald werden überall Pizzerien eröffnet; heute gibt es nach Angaben des italienischen Gastronomenverband "Ciao Italia" 23 000 italienische Restaurants, in denen etwa 100 000 Menschen arbeiten. Hinzu kommen tausende Pizza-Schnelldienste. Auch der Verbrauch an Tiefkühlpizzen steigt stetig: Mittlerweile isst jeder Deutsche jährlich vier Tiefkühlpizzen. Am beliebtesten ist die Pizza Salami. Enzo Cucuzza, Generalsekretär von "Ciao Italia", sagt: "Die Deutschen können von Pizza nicht genug kriegen. " Er erfand das Maß für die Pizza Nick di Camillos Lieblingspizza ist die "Pizza de Lux" mit Tomaten, Champignons und Salami. Der 80-Jährige genießt seinen Ruhestand als "Mann, der die Pizza nach Deutschland brachte". Sein eigenes Denkmal hat er sich schon vor 50 Jahren gesetzt. Um die Pizzen in die Kasernen liefern zu können, ließ er Pappkartons anfertigen und erfand damit nebenbei die Pizzaschachtel. Die zwei Größen, die er damals aussuchte, gelten noch heute: Die kleine Pizza hat einen Durchmesser von 26 Zentimetern, die große Pizza misst 28 Zentimeter.GEGENDARSTELLUNG // 1. Sie behaupten über meinen Bruder Giuseppe: "Zusammen mit seinem Bruder Nicola eröffnete er 1952 - vor 50 Jahren - in Würzburg die erste Pizzeria Deutschlands". Das ist falsch. Die Pizzeria wurde 1952 von mir und meiner Frau eröffnet. Mein Bruder Giuseppe lebte zu dieser Zeit noch in Italien und kam erst 6 Monate nach der Eröffnung nach Deutschland.2. Sie behaupten ferner: "Dort holt Nick am 24. März 1952 die erste Pizza aus dem Ofen, die er nach einem Geheimrezept seiner Mutter zubereitet hat. Geheimnis ist Geheimnis, nur eines verrät er: Mamma Carmela versuchte immer, den Boden so dünn wie möglich auszuziehen. " Diese Behauptung ist falsch. Das von mir verwendete Rezept stammt von einem Landsmann, den ich in meiner Pizzeria eingestellt hatte. Die mir zugeschriebene Äußerung ist erfunden.Berlin, 17. April 2002 Rechtsanwalt Dr. Ernesto Loh für Nicolino di Camillo Der Abdruck der Gegendarstellung erfolgt in Erfüllung einer gesetzlichen Verpflichtung ohne Rücksicht auf ihren Wahrheitsgehalt.