Die Habgier ist die übelste der biblischen Todsünden -jedenfalls sehen Arbeitsrechtler das so. Ohne dieses Laster hätten sie wohl nur halb so viel zu tun. Für Arbeitnehmer ist es oft enttäuschend: Die Habgier ist teilweise sogar gesetzlich geschützt. Die unternehmerische Entscheidung eines Arbeitgebers, ein Werk zu schließen und den betroffenen Arbeitnehmern betriebsbedingt zu kündigen, wird nur sehr eingeschränkt von den Gerichten überprüft. Das gilt auch, wenn die Schließung nur erfolgt, um an anderer Stelle -meistens im Ausland -profitabler zu produzieren. Wer deswegen seinen Job verliert, kann meist nur auf eine Sozialplanabfindung oder auf formale Fehler des Arbeitgebers im Kündigungsschutzverfahren hoffen.Lohndumping nicht erlaubtLohndumping ist eine weitere Erscheinung von Habgier im Arbeitsalltag. Hier ist der Gesetzgeber strenger. Zahlt der Arbeitgeber weniger als zwei Drittel des branchenüblichen Lohns, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Nachschlag. Wichtig: Der Arbeitnehmer kann hier nicht nur die Differenz bis zum gerade noch zulässigen Lohn einfordern. Das Bundesarbeitsgericht billigt ihm den gesamten Differenzbetrag zur üblichen Vergütung zu. Bei einer üblichen monatlichen Vergütung von 3000 Euro beträgt der gerade noch zulässige Mindestlohn 2000 Euro. Das heißt: Zahlt der Arbeitgeber tatsächlich nur 1500 Euro, kann der Arbeitnehmer nicht nur die 500 Euro Differenz zum gerade noch zulässigen Lohn fordern, sondern 1500 Euro Differenz monatlich.Manchmal profitieren Arbeitnehmer von der Habgier des Arbeitgebers. In Zeiten knapper Personalressourcen kommt es gelegentlich vor, dass Unternehmen versuchen, Arbeitnehmer eines anderen Arbeitgebers abzuwerben. Der Bundesgerichtshof hält es für zulässig, dass fremde Arbeitgeber Kontakt mit den abzuwerbenden Arbeitnehmern sogar an deren Arbeitsstelle aufnehmen. Gestattet ist jedenfalls ein kurzer Telefonanruf. Alles weitere ist dann außerhalb der Arbeitszeit zu klären. Arbeitnehmer, die sich auf dieses Spiel einlassen wollen, sollten sich vor einem Wechsel absichern, sonst stehen sie am Ende vielleicht ohne Job da. Häufig wird hierbei übersehen, dass der Verzicht auf eine Probezeit allein nicht zu einem ausreichenden Schutz führt. Während des ersten halben Jahres eines neuen Arbeitsverhältnisses gilt das Kündigungsschutzgesetz nicht, sodass auch ohne Probezeit einfach gekündigt werden kann. Sicherheit gibt hier nur ein befristeter Ausschluss der ordentlichen Kündigung beim neuen Arbeitgeber.Nun ist es keineswegs nur die Habgier von Arbeitgebern, die im Arbeitsalltag problematisch ist. Wenn es darum geht, den Staat zu schädigen, handeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelegentlich auch gemeinsam. Anders wäre etwa Schwarzarbeit gar nicht möglich. Kommt es zur Anzeige, sind vor allem die Arbeitgeber betroffen: Sie müssen Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen und mit empfindlichen Strafen rechnen.Rückforderung wegen BetrugsArbeitnehmern geht es vor allem dann an den Kragen, wenn sie neben der Schwarzarbeit Leistungen der Bundesagentur für Arbeit bezogen haben. Hier droht nicht nur die Rückforderung der zu Unrecht bezogenen Leistungen, sondern noch viel Schlimmeres: ein Strafverfahren wegen Betruges. Da sich der Betrug häufig über einen längeren Zeitraum erstreckt, nehmen die Gerichte regelmäßig den besonders schweren Fall wegen gewerbsmäßigen Handelns an. Die Mindeststrafe beträgt in dem Fall ein halbes Jahr Freiheitsstrafe. Das ist unangemessen hoch und soll vor allem abschreckende Wirkung entfalten. Wehe dem, der sich dabei erwischen lässt. Eine in das polizeiliche Führungszeugnis aufzunehmende Vorstrafe ist fast unvermeidlich.Der Autor Alexander Bredereck arbeitet als Fachanwalt für Arbeitsrecht in der auf den Bereich Arbeitsrecht spezialisierten Kanzlei Bredereck und Willkomm in Berlin-Mitte.www.arbeitsrechtler-in.de------------------------------Foto: Jeder trachtet nach dem Mammon - nicht nur der Arbeitgeber, auch der Arbeitnehmer.