Bei Milos Kozons Job helfen auch keine langen Unterhosen. Zehn Stunden steht er jeden Tag vor dem Brandenburger Tor. Regungslos. Auch bei minus zehn Grad. Mit grün bemaltem Gesicht und Stahlhelm lässt der 29-Jährige sich von den Touristen fotografieren. Milos Kozon ist eine lebende Statue. Gegen die Kälte auf- und abhüpfen geht nicht. Also hat Milos Kozon bei diesem Wetter einen Heizstrahler dabei. Den legt er in die Box, auf der er steht. Durch eine Öffnung dringt dann die warme Luft bis unter seinen metallisch glänzenden Militärmantel. "Wenn es im Sommer 30 Grad sind und ich unter meiner Schminke schwitzen muss, das ist eigentlich viel schlimmer als die Kälte", sagt Milos Kozon und grinst. "Nur der Gasgeruch von dem Strahler ist, glaube ich, nicht so gut für meine Gesundheit."So kalt wie in der vergangenen Woche war es in Berlin seit drei Jahren nicht mehr. Die Temperaturen fielen auf unter 12 Grad minus, und auch in den kommenden Tagen bleibt es weiter frostig mit bis zu gefühlten minus 9 Grad. Lebende Statuen wie Milos Kozon, aber auch Touristen, Velotaxifahrer, Bratwurstverkäufer - sie alle müssen an diesen eisigen Tagen draußen sein. Also heißt es: Die Skiunterwäsche aus dem Schrank holen und ein paar Schichten extra anziehen.Mit einem Fotoapparat steht Zena Simmons vor Milos Kozon und fotografiert ihn zusammen mit ihren Freundinnen. Zena Simmons hat keinen tragbaren Heizstrahler dabei, dafür drei Pullover, eine Fellweste, darüber eine schwarz-weiß gestreifte Skijacke, eine leuchtend weiße Fellmütze und: lange Unterhosen. "Sexy sein fliegt bei dieser Kälte definitiv aus dem Fenster", sagt die 50-jährige Engländerin. Möglichst viele Schichten ist ihre Lösung. "Und einen ordentlichen Schuss Brandy in den Kaffee." Nur für ein Wochenende ist sie zu Besuch in Berlin - keine Zeit, um vor den eisigen Temperaturen unter die Decke auf dem Sofa zu verschwinden.Auch Siegfried Kowalski muss heute draußen sein. Er steht auf der anderen Seite des Brandenburger Tors und versucht Touristen zu einer Stadtrundfahrt zu überreden. Die Kälte macht dem 80-Jährigen wenig aus: "Es ist immer noch besser, hier zu stehen und zu frieren, als alleine zu Hause zu sitzen", sagt er. Also setzt auch er auf ein paar Kleiderschichten extra - und dann ist da noch seine schwarze Schapka-Mütze. Die sieht schon ziemlich abgewetzt aus, aber er liebt sie trotzdem: "Die hab' ich vor 30 Jahren in Russland gekauft." Als Lkw-Fahrer fuhr Siegfried Kowalski jahrelang die Druschba-Trasse entlang, den rund 500 Kilometer langen Bauabschnitt der russischen Sojus-Pipeline. Siegfried Kowalski weiß aus dieser Zeit, was wirkliche Kälte bedeutet - da nimmt er die wenigen kalten Tage in Berlin gelassen. Und setzt seine Schapka auf. Schließlich öffnet er noch seine Tasche und zieht eine kleine Plastikflasche heraus: "Jagertee", sagt er verschmitzt. "Der wärmt von innen." Für Jürgen Meyer ist Alkohol keine Lösung gegen die Kälte. "Zu mir kommen so viele Kinder, da kann ich keine Fahne haben", sagt er. Jürgen Meyer ist Leierkastenmann und hat sich auf der Brücke über die Spree Unter den Linden an einem der steinernen Brückenpfeiler postiert. "Da zieht der Wind nicht so von hinten", sagt er.Auch Jürgen Meyer hat heute lange Unterhosen angezogen und sich außerdem vor ein paar Tagen gegen Grippe impfen lassen. Unter seiner Schiebermütze trägt er noch eine Wollmütze und Ohrenwärmer. Die stammen noch von seinem Großvater, der sie von der Wehrmacht bekam und zu Hause vergaß, ehe er nach Russland zog und bei Leningrad fiel. "Der Metallbügel drückt etwas, aber sonst sind die Schützer noch richtig gut", sagt Jürgen Meyer. Stoisch dreht er die Kurbel an seiner Drehorgel. Das hält ihn warm.------------------------------Foto: Ein tragbarer Heizstrahler ist das Einzige, was der lebenden Statue Milos Kozon hilft, einen kalten Tag stillstehend durchzuhalten. Der 29-Jährige liebt seinen Job, er könnte sich nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. "Die Arbeit ist ein Stück Freiheit für mich", sagt er. "Außerdem muss ich Geld verdienen." Auch bei minus zehn Grad.------------------------------Foto: Eine Schapka aus Russland, ein Hemd und zwei Pullover schützen Rentner Siegfried Kowalski gegen die eisigen Temperaturen - und zwischendurch ein Glas Glühwein.------------------------------Foto: Skiunterwäsche ist Chantal Gobats und Tochter Elodies Tipp bei dieser Kälte. Sie kommen aus der Schweiz, wo das Skigebiet vor der Haustür liegt. Die beiden tragen unter den Jacken außerdem dicke Pullis, darüber eine Weste, Schal und Mütze, Fäustlinge und Fellstiefel an den Füßen.------------------------------Foto: Ihr Afro wärmt Tanya Saunders. Deshalb braucht sie keine Mütze, sondern nur noch ein Paar Schützer für die Ohren. Über Leggings, Unterhemd und Pullover trägt sie einen dicken Ledermantel, dazu Handschuhe und Stiefel - alles mit Schaffell gefüttert. Ihr Schal ist aus weichem Kaninchenfell.------------------------------Foto: Zwei T-Shirts, ein Hemd, Rollkragenpulli, lange Unterhosen, Wollsocken und eine dicke Jacke mit Pelzkragen - der Kolumbianer Roberto Uribe weiß, wie man sich bei diesen Temperaturen anzieht. Und das, obwohl es dort, wo er herkommt, nicht mal Schnee gibt.