Vor ein paar Tagen sah ich die neue Freundin von Oliver Kahn. Sie heißt Svenja und ist wie Verena und Simone, die ehemaligen Kahn-Frauen, blond, langhaarig und langbeinig. Würde man Fotos von Svenja, Verena und Simone nebeneinander legen, könnte man denken, dass es sich nicht um drei Frauen handelt, sondern um eine Frau, die drei Namen hat. Oliver Kahn spielte beim FC Bayern, einem Verein, bei dem Franz Beckenbauer Präsident war. Beckenbauer hat eine Frau, die Heidi heißt, von Beruf Sekretärin ist und äußerlich absolut identisch ist mit Sibylle, Beckenbauers Ex-Frau, von Beruf ebenfalls Sekretärin.Man könnte das Ganze natürlich in Beziehung setzen zum FC Bayern. Eine hübsche Vereinstradition, ein süddeutscher Zwillingsfetisch. Aber dann fiel mir Folgendes auf: Fast alle Männer verhalten sich wie Oliver Kahn und Franz Beckenbauer. Ich möchte ein Bespiel nennen: mich.Seit meiner Geschlechtsreife jage ich exakt einem Frauentyp hinterher. Gerne würde ich flexibel sein. Offen. Ein Entdecker. Ich entdecke aber ausschließlich dunkelhaarige, zierliche, braunäugige Frauen. Eine Variation der Variation der Variation. Alles entwickelt sich mit den Jahren. Selbst der Verstand. Aber mein Frauenbild liegt unter dem ewigen Eis, unveränderlich wie ein Mammutknochen.Manchmal denke ich: Selbst wenn ich 200 Jahre lebe, so ist es doch völlig ausgeschlossen, dass ich jemals eine blonde Frau küsse oder eine große Frau oder eine großbusige Frau oder eine Frau in Jack-Wolfskin-Schuhen. Nie!Ich weiß nicht, warum. Ich habe meinen Kumpel D. gefragt. Mein Kumpel D. mag komplizierte, nachdenkliche Frauen mit Brille, Pony-Frisur und angeknabberten, lackierten Fingernägeln. Natürlich wäre es für ihn, da er selbst kompliziert ist, viel gesünder, nach unkomplizierten Frauen mit sonnigem Gemüt zu suchen. Aber die interessieren ihn so sehr wie saurer Ziegenjogurt.Mein Kumpel D. sagt: Tja, Schicksal.Ich sage: Es ist ein Männer-Schicksal.Frauen, das ist meine Erfahrung, haben kein Männerbild oder sie sind in der Lage, es zu variieren. Meine Freundin M. hatte mal einen blonden Freund, der still war und sehr dünn, so wie ein Windhund. Den verließ sie für einen geschwätzigen, massigen Typen, den ich als fett bezeichnen würde. Sie hatte, zwischendurch, kurzbeinige Männer, dunkelhaarige und auch langbeinige. Sie hatte Männer mit Glatze und mit Haaren bis zu den Schienbeinen. Müsste ich den Männer-Typ meiner Freundin M. definieren, würde ich sagen: Männlich.Es ist verwirrend. Und ein bisschen unheimlich.Der Ex-Freund von Simone Thomalla, der Schauspielerin, ist Rudi Assauer, 65 Jahre alt und Manager. Der neue Freund von Simone Thomalla ist Silvio Heinevetter, 25 Jahre alt und Handballtorwart.Vielleicht gibt es da eine Schnittmenge. Aber wo?Oliver Kahn ist, in Frauen-Dingen, berechenbar und schlicht.Er ist mir nahe. Er ist wie ich.Nächste Woche: Family von Maxim Leo