BERLIN, 15. April. Über dem Schreibtisch von Halina Wawzyniak hängt ein neues Wahlplakat der PDS. "Wir machen s nicht mit jedem" steht da mit großen blauen Buchstaben geschrieben und die politische Botschaft soll wohl heißen: Die PDS wird sich keiner anderen Partei anbiedern. Sie wird als jüngste der im Bundestag vertretenen Gruppierungen im bevor stehenden Wahlkampf alles ganz anders und natürlich auch viel besser machen als die Alt-Parteien.Die PDS-Strategen hätten besser geschrieben: "Wir machen s fast wie jeder." Denn die Partei ist spätestens seit gestern endgültig im etablierten Parteienspektrum angekommen: Hat doch die Bundes-PDS seit Montag jetzt erstmals auch eine eigene Zentrale für den Bundestagswahlkampf. Wie die "Kampa" der SPD oder die "Arena" der Union. Bei den Genossen nennen sich die neuen Räume in der Berliner Wilhelmstraße 90 dagegen schlicht "WahlQuartier 2002". Und die 28-jährige Hochschulabsolventin und langjährige PDS-Parteiaktivistin Halina Wawzyniak hat die Leitung übernommen. 25 WahlkampfmanagerEtwaige Parallelen zu den anderen Parteien bestreitet sie vehement. Mit der Kampa der SPD habe die neue PDS-Wahlkampfzentrale selbstverständlich "nichts gemein", sagt Wawzyniak. Denn während ihre Kollegen von der SPD oder auch der Union streng abgeschrimt und höchst vertraulich über ihren jeweiligen Strategien für dem Wahlkampf brüteten, sei das "WahlQuartier" ein "offenes Haus". 25 Genossen sollen dort in den verbleibenden 160 Tagen bis zur Wahl sicherstellen, "dass der Kontakt zu den Wählern nie verloren geht". Durch die vielen großen Fenster habe jeder die Gelegenheit, den Strategen "über die Schulter zu blicken". Ob Internet-Arbeitsplätze, Erst-Wählerkampagne oder Plakataktion zur Wiedereinführung der Vermögensteuer: Die meist jüngeren Wahlkampfmanager der PDS wollten durch den täglichen Kontakt untereinander und mit den Bürgern "Reibungsverluste" vermeiden, sagt Wawzyniak und klingt in diesem Moment kaum anders ihre Kollegen von der SPD. Parteichefin Gabi Zimmer verweist dagegen auf "gute Erfahrungen" der jüngeren Vergangenheit. "Wir greifen mit dem WahlQuartier eine Idee des Berlin-Wahlkampfes auf", sagt sie. Und meint damit die Räume in der Karl-Marx-Allee, in denen die Partei den Wahlkampf von Gregor Gysi bei der letzten Abgeordnetenhauswahl organisiert hatte. Einen kleinen Schönheitsfehler zum Auftakt räumten die PDS-Oberen dann aber trotz der Begeisterung über die eigene Innovationsfähigkeit doch ein: Der eigentliche Hausherr, Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, könne an der Eröffnung leider nicht teilnehmen, so Zimmer. Er weile noch auf den Kanaren und müsse die Folgen eines Fahrrad-Sturzes auskurieren. Am Freitag, zwei Tage vor der Sachsen-Anhalt-Wahl, werde dann auch Bartsch sein eigenes Büro beziehen.