Eigentlich wollte sie ja Geigerin werden. Wollte, sollte, wer weiß das schon genau. Jedenfalls spielt Annika Blendl Geige, seit sie acht ist, zweimal hintereinander hat sie den ersten Preis beim Nachwuchswettbewerb "Jugend musiziert" gewonnen. Doch dann ist sie gleich nach dem Abitur von Köln nach Berlin gezogen, um Schauspielerin zu werden. "Ich habe meine Eltern angerufen und gesagt, dass ich nicht zurückkomme." Da war sie neunzehn und nicht die einzige, die davon träumte. Die armen Eltern.Der Fernsehzuschauer hingegen darf sich freuen. Mit Annika Blendl bekommt er an diesem Sonnabend eine junge Schauspielerin zu sehen, die anders ist als viele junge Schauspielerinnen. Nicht nur wegen der Geige oder weil sie auch sehr klug über Thomas Mann und Fontane reden kann, sondern vor allem und zunächst wegen ihres Spiels. In der neuen Folge der Krimireihe "Ein starkes Team" ist sie die "Schöne vom Beckenrand", eine Bademeisterin, die allen den Kopf verdreht. Dem Ehemann, der ihr Geliebter wird und den sie tot aus dem Wasser fischt, ihrem jungen Kollegen und nicht zuletzt dem Kriminalkommissar. Dabei war Otto (Florian Martens) mit seiner morschen Rückenmuskulatur zunächst nicht nur ermittlungstechnisch beeinträchtigt, aber nachdem er die Bademeisterin in ihrer meist knappen Bademeisterinnenmode gesehen hat, ist er häufiger im Freibad anzutreffen. Und das nicht nur, weil der Arzt ihm das Schwimmen empfohlen hat."Ein Frauenfilm", sagt Annika Blendl und meint den Kampf zwischen der älteren Ehefrau im Rollstuhl, gespielt von Katja Flint, und der jungen Geliebten, die um ihre natürlichen Vorteile weiß. Die Kommissare treten dahinter zurück, auch wenn Verena (Maja Maranow) naturgemäß mehr der Ehefrau zugeneigt ist und Otto nicht minder naturgemäß der Schönen vom Beckenrand. Auch Regisseur Matthias Tiefenbacher verzichtet zugunsten des Themas auf das eine und das andere Krimi-Element, gerade das macht den Film zu einem besseren.Annika Blendl hat daran einigen Anteil. Sie spielt ihre Bademeisterin so, dass nicht ganz klar ist, ob man diese Jenny nun mögen soll oder nicht. "Die Reize, also das Geld, das dieser ältere Mann mitbringt, sieht sie schon sehr", sagt Annika Blendl über ihre Bademeisterin, die deutlich über Bademeisterverhältnisse in einer luxuriösen Hütte lebt. "Jedenfalls ist sie nicht das arme Mädchen, das da nur so reingerutscht ist", sagt Annika Blendl.Nur so reingerutscht ist auch sie nicht. In Berlin hat Annika Blendl nicht nur geträumt von der Schauspielerei, sie hat sich eine Agentur gesucht und ein Bewerbungsband gemacht, und dann ist sie losgezogen. "Wenn man etwas unbedingt will, hat man auch die Kraft und die Offenheit dafür", sagt sie. Von ihrer Kraft redet die 27-Jährige oft. Sie ist in Regensburg geboren und in einer Großfamilie mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Auch das habe ihr die Kraft gegeben, das mit der Schauspielerei durchzuziehen.Und, was soll man sagen, es hat funktioniert. Im November 2001 kam Annika Blendl nach Berlin, im April hat sie in der ARD-Serie "Aus gutem Haus" debütiert. Es folgten der erste Kinofilm, ein "Tatort" und noch einer, die eine und die andere Komödie, wieder Kino. Und alles keine Rollen, in denen sie nur mal durchs Bild rennt. Anfängerglück, vielleicht. "Aber das ist irgendwann aufgebraucht", sagt Annika Blendl, Und dann kommt es darauf an. "Ich wusste, dass es jetzt nicht mehr reicht zu sagen: Hallo, da bin ich."Dass es auch nicht klappen könnte mit der Schauspielerei, daran habe sie gar nicht gedacht, sagt Annika Blendl. Sie hat auf ihre Kraft vertraut und auf ihren Willen, sich durchzubeißen. Augen auf und durch. Vielleicht geht es nur so. Dabei weiß sie, dass es Kollegen gibt, die weniger Angebote bekommen und keine tollen Rollen. Und sie weiß auch, Kraft hin, Kraft her, dass sie Glück hat. "Keine Ahnung, was ist, wenn mal ein ganzes Jahr nichts kommt." Dann sagt sie "toi, toi, toi" und klopft auf den Holztisch.Doch weil sie auf toi, toi, toi und Klopfen allein nicht vertraut, und weil sie nicht immer darauf warten will, dass einem einer eine Rolle gibt, weil sie als Schauspielerin nicht ständig nur um sich selber kreisen möchte, "das erschöpft sich so schnell", weil sie einfach noch etwas anderes machen will, deshalb hat sich Annika Blendl an der Münchener Filmhochschule für ein Regiestudium beworben. Auf sechs Plätze kamen ungefähr 300 Bewerbungen, im Oktober fängt sie an.Annika Blendl findet, dass das naheliegt. Sie habe ihre Figuren immer als Teil eines Ganzen gesehen, vielleicht lernt man das in einer Großfamilie. Und so kann sie auch sehr profund über den Krimi und ihre Rolle raisonnieren. "Am Ende verliert Jenny ja auch ziemlich viel, und in diesem Leid können sich die beiden Frauen treffen." Und dann sagt sie noch, dass der Regisseur seinen Film über Schönheit und Alter gut eingefangen hat, das hätte auch anders ausgehen können. "Man kann ein Stück von Bach auch so spielen, dass es langweilig wird."Annika Blendl kann das bestimmt gar nicht.------------------------------Ein starkes Team: Die Schöne vom Beckenrand, Sonnabend, 20.15 Uhr, ZDF------------------------------"Man kann ein Stück von Bach auch so spielen, dass es langweilig wird."Annika Blendl------------------------------Foto : Die Schöne vom Beckenrand: Annika Blendl als Bademeisterin, die allen den Kopf verdreht.