Wenn es um die Sicherheit der Kinder im Auto geht, sind immer noch zu viele Eltern äußerst leichtsinnig. Sie lassen ihre Kleinen auch während der Fahrt völlig ungeschützt auf den Sitzen spielen oder sogar ohne Gurt auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Noch im vergangenen Jahr wurden 143 Kinder im Auto getötet, 2 733 überlebten einen Unfall schwer verletzt. Höhere BußgeldstrafeAuch nach der Erhöhung des Bußgeldes auf 80 Mark (plus einem Punkt in der Verkehrssünderkartei) liegt die Sicherungsquote bei nur 75 Prozent mit etwas über 90 Prozent ist diese Quote bei den bis zu Fünfjährigen noch am höchsten. Professor Dr. Klaus Langwieder, Münchner Unfallforscher in Diensten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, setzt sich seit vielen Jahren für mehr Sicherheit bei der Mitnahme von Kindern im Auto ein. Seine Erkenntnis: "60 Prozent der bei Unfällen im Auto getöteten Kinder hätten gerettet werden können, wenn diese richtig gesichert gewesen wären." Eindrucksvolle Zeitlupenaufnahmen von Crashversuchen zeigen, daß ungesicherte Kinder schon bei Auffahrunfällen mit Tempo 50 wie ein Geschoß vom Rücksitz über die Vordersitzlehnen in die Frontscheibe katapultiert werden. Dies entspricht dem freien Fall aus etwa 14 Meter Höhe. Auch wenn Erwachsene in Sorge um das Wohl der Kleinen auf Gurt und Sitz im Auto achten, ist die Gefahr immer noch groß: Zwei von drei Schutzsystemen sind falsch montiert. Viele Mütter klagen denn auch, daß Sitze nur schwer zu handhaben sind, zu wenig Seitenhalt gewähren. Experten kritisieren schlampig ausgeführte Konstruktionen. Bei einem Unfall rutschen Kinder mitunter durch den Sicherungsgurt hindurch. Dabei gibt es inzwischen Lösungen, die eine Fehlbedienung nahezu ausschließen. Das System heißt Isofix und wird von den VW-Marken bei allen Neuwagen serienmäßig vorgerüstet. Auch Renault baut im neuen Clio Isofix ein und Kiddy, einer der führenden Hersteller von Kindersicherungssystemen, hat mit Easyfix einen Sitz entwickelt, der sowohl in Isofix-Systemen, als auch mit dem Dreipunktgurt gesichert werden kann. Isofix hat entscheidende Vorteile und bietet mehr Sicherheit. Da der Kindersitz über ein Schnappschloßsystem fest mit der Karosserie verbunden wird, ist ein Bedienungsfehler nahezu ausgeschlossen. Durch die starre Fixierung bietet der Sitz auch bei einem Seitenaufprall guten Schutz. Der Kiddy Easyfix eignet sich für Kinder bis 18 Kilogramm Gewicht und kann auch gegen die Fahrtrichtung montiert werden (Reboard). Opel hat mit "Opelfix" ein ähnliches Sicherungssystem entwickelt, das jedoch leider mit Isofix nicht kompatibel ist. Geeignete Sitze, die rund 150 bis 200 Mark teurer als "normale" Systeme sind, können daher nicht in Autos mit Isofix-Anbindung eingesetzt werden. Unfallforscher haben festgestellt, daß Kinder in sogenannten Reboard-Sitzen deutlich besser geschützt sind als in Fahrtrichtung. Der Grund ist einleuchtend: Bei Kleinkindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper siebenmal so groß wie der eines Erwachsenen. Kommt es zu einem Auffahrunfall, saust der Kopf des in Fahrtrichtung sitzenden Kindes mit ungeheurem Schleudereffekt nach vorn. Schwerste, zum Teil sogar tödliche Verletzungen sind die Folge. Bei einem rückwärts gerichteten Kind nimmt die Schale des Sitzes großflächig die Aufprallenergie auf. Hals- und Wirbelsäule sind dabei nicht so großen Belastungen ausgesetzt. Unfallforscher Langwieder fordert daher, Kinder möglichst lange in derartigem System zu transportieren. Aus einer Untersuchung von Autobahnunfällen geht hervor, daß von zehn tödlich verletzten Kindern neun nicht gesichert waren. Bei einer ordnungsgemäßen Sicherung hätten, so Langwieder, sechs Kinder mit Sicherheit überlebt. Fazit der Unfallforscher: "Isofix und Reboard-Sitze können das Risiko der Kinder wesentlich verringern."