FRANKFURT (ODER). Sie verschwand vor zwölfeinhalb Jahren. Das letzte Lebenszeichen hinterließ sie mit ihrer Stechkarte. Mit ihr verließ Nancy Förster am 9. September 1998, um genau 16.38 Uhr, ihren Arbeitsplatz, die Berliner Volksbank am belebten Kaiserdamm in Charlottenburg. Seitdem fehlt von der 29-jährigen Bankkauffrau aus Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) jede Spur. Niemand hat sich gemeldet, der sie danach noch gesehen hat. Die Suche der Polizei blieb erfolglos, der Vermisstenfall kam zu den Akten.Bis zum Dienstag dieser Woche. Da wurden in Berlin und Königs Wusterhausen an die 100 Fahndungsplakate aufgehängt. "Wir haben den Fall wieder aufgerollt", sagte gestern Falk Küchler, der Leiter des Kommissariats "Schwere Kriminalität" des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder). "Wir sind überzeugt, dass Nancy Förster einem Tötungsverbrechen zum Opfer gefallen ist. Wir sind aber auch optimistisch, den Fall lösen zu können."Das mysteriöse Verschwinden der Frau gehört zu den sogenannten Altfällen, die die Ermittler nach und nach aufarbeiten. Dabei werden damals sichergestellte Spuren mit neuesten wissenschaftlichen Methoden untersucht. Welche Spuren das sind, dazu schwieg Küchler gestern. "Wir schauen uns auch noch mal die Ergebnisse der damals geführten Ermittlungen genau an", erklärte der 35-jährige Kriminalhauptkommissar lediglich."Die Polizei bittet um Mithilfe", ist auf den DIN A5 großen Plakaten zu lesen. Darauf zu sehen ist ein Foto von Nancy Förster, einer attraktiven, lebenslustigen Frau mit blonden Naturlocken. Die Fahndungsaufrufe hängen am Kaiserdamm, dort wo sie gearbeitet hat, sie hängen auch in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Dort hatte Nancy Förster am Tag ihres Verschwindens um 18 Uhr einen Notartermin, zusammen mit ihrem getrennt von ihr lebenden Ehemann. Es sollte um die Gütertrennung für die Scheidung gehen. Alles schien im Vorfeld geregelt. "Es gab offenbar auch keinen Streit um das Sorgerecht der Tochter", sagte Küchler. Doch bei dem Notar kam die als zuverlässig geltende Frau nie an. Der Ehemann wartete umsonst.Die Plakate hängen aber auch in Neue Mühle, einem Ortsteil von Königs Wusterhausen. Dort hatte Nancy Förster zuletzt mit ihrem neuen Lebensgefährten und ihrer Tochter gelebt. "Wir schließen einen Suizid und einen Unfall definitiv aus", sagte Küchler. Unwahrscheinlich sei auch, dass Nancy Förster ihren gewohnten Lebensraum freiwillig verlassen habe. "Sie war gerade zur Chefsekretärin aufgestiegen. Zuhause gab es auch keine Probleme. Sie hatte ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter", sagte der Kriminalist. Der Lebensgefährte hatte damals die Vermisstenanzeige aufgegeben. Später war der Ehemann vorläufig festgenommen, aber "zeitnah wieder entlassen worden".Fest steht, dass Nancy Förster von der Arbeit noch telefoniert hat. "Wir fahren jetzt los", soll sie gesagt haben. "Wir wissen nicht, wen sie angerufen hat", sagte Küchler. Zuletzt habe sie in der Bank mit ihrem Chef gesprochen, sich von ihm verabschiedet. Am Kaiserdamm stieg Nancy Förster nicht in ihr Auto. Den grünen Toyota Carina fand die Polizei später - sorgfältig geparkt auf dem Mittelstreifen vor der Bank.Dass sich Zeugen melden werden, davon ist der Kriminalhauptkommissar überzeugt - auch nach so langer Zeit. "Die junge Frau war sehr hübsch. Sie muss damals jemandem aufgefallen sein", sagte er. Küchler denkt an Zeugen, die sich bisher keine Gedanken gemacht haben, als sie Nancy Förster vielleicht vor der Bank in ein Auto haben steigen sehen. Vielleicht ist sie aber auch zur U-Bahn gelaufen.Falk Küchler ist überzeugt, dass der Täter irgendwo im näheren oder weiteren Umfeld von Nancy Förster zu finden ist. "90 bis 95 Prozent aller Tötungsdelikte sind Beziehungstaten", sagte er.------------------------------Getötet nach der ArbeitNancy Förster verließ am 9. September 1998 um 16.38 Uhr ihren Arbeitsplatz bei der Berliner Volksbank am Kaiserdamm. Seitdem wird sie vermisst. Die Polizei geht davon aus, dass sie getötet wurde.Die 29-Jährige war 1,72 groß und schlank, sie hatte blonde Naturlocken und blau-graue Augen. Bekleidet war sie mit einer blauen Jacke, einem blauen Seidentuch, einer schwarzen Wildlederhose und dunklen Absatzschuhen.Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 070033330335 entgegen sowie unter www.polizei.brandenburg.de.------------------------------Foto: Wäre am 25. März 42 Jahre alt geworden: Nancy Förster.