Die "Kykladen" des BildhauersFriedrich B. Henkel in der Galerie im Turm: Steinerne Zeichen

Mit einer Menge von Attributen wurde das Werk des Bildhauers Friedrich B. Henkel in Jahrzehnten bedacht: Es sei klassisch, antikebezogen, oft arkadisch im Stil, kubistisch in der Form, abstrakt und poetisch, zeitlos modern. Das mag alles zutreffen, gerade auch für das Winckelmann-Denkmal in Stendal (1986). Doch ist bei diesem aus der Rhön - einer traditionellen Holzbildhauergegend - stammenden Künstler, ganz offensichtlich, wie sehr seine streng-schönen und formreduzierten Gebilde aus Alabaster, Marmor oder Kalkstein aus der Anschauung kommen. Wie meisterhaft er das Vokabular der Natur übersetzt in die Sprache von Kunst. Henkel, Jahrgang 1936, gehört zu den Stillen seiner Zunft. Zu DDR-Zeiten waren seine Skulpturen auf den großen Ausstellungen präsent, ideologisch vereinnahmbar waren sie nie.Was nun, im Jahr 2001 aus der Bildhauerwerkstatt in Biesenthal bei Berlin in die Galerie im Turm, kam, ist abermals nicht erzählerisch, die "Kykladen" berichten von Kontinuität und Intensität. Henkel hat für sich das skulpturale Prinzip weitergetrieben: Volumen, Raum, Licht. In seinen Figurenlandschaften - oder Landschaftsfiguren - bleibt das Gestische zurück. Die Steine zeigen sich in einer komplizierten Tektonik - wie Gefüge, die in einem universalen Zusammenhang stehen. Das Material weist kantige wie runde Zusammenballungen oder Verflechtungen auf, es gibt Formenbrüche, die alle sanfte Harmonie oder heitere Sinnlichkeit tilgen. Reiseeindrücke vor allem sind Inspirationen dieser Werke: Fremde Landschaften - vom Mittelmeer über den Kaukasus bis Bornholm. Alles ist Abbild und Bild-Erfindung zugleich.-----------------------Kykladen - Irdische Zeichen in der Galerie im Turm , Frankfurter Tor 1 (Friedrichshain). Bis 20. Mai, Di-So 14 - 20 Uhr.------------------------------Foto: Steinerne Metamorphose aus Friedrich B. Henkels Ausstellung "Kykladen" - Zeichen der Erinnerung an die griechische Antike.