Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich ihre Landesvertretungen in Berlin gemeinsam errichtet, und mit dem durchsichtigen Haus in den einstigen Ministergärten ist nun endlich auch das so genannte "Föderationsviertel" fertig gestellt worden. Es entstand nur ein Rudiment des Konzepts: Ursprünglich sollten hier, nahe dem Potsdamer Platz, alle Bundesländer ihre Botschaften errichten. Gebaut haben nur noch sieben, letztlich diejenigen, die keine besseren Adressen etwa im Tiergartenviertel oder in historischen Häusern fanden. Wie seine Nachbarn zeigt sich auch dieser Neubau, entworfen vom Hamburger Architekturbüro von Gerkan, von Marg und Partner, als ein skulptural durchformter Solitär. Ähnlich wie bei der hessischen Landesvertretung der Architekten Christl und Bruchhäuser, jedoch ohne deren theatralische Geste, arbeiten auch "gmp" mit in sich verschränkten Baukörpern und dem ästhetischen Motiv der Schwerelosigkeit: Die massiven, schieferverkleideten Quader der Obergeschosse mit ihren gerasterten Fassaden werden durch weite Glasflächen im Erdgeschoss ästhetisch instabil, ja schwebend gehalten. Die beiden im Grundriss L-förmigen, nahezu gleichen Trakte umfassen eine gläserne, über die gesamte Höhe reichende zentrale Halle. Sie ist durch strenge Pfeiler gegliedert, hinter denen Umgänge die Büros in den beiden Baublöcken erschließen. Durch die Halle sind die beiden Landesvertretungen getrennt, obgleich architektonisch ein Körper entsteht.Der Entwurf ist bis ins Detail durchgearbeitet, gut und auch kostenbewusst gebaut, funktional. Doch erzählt die Architektur nichts über die Länder selbst. Das strenge Raster der Schieferfassade als brandenburgisch-preußisch und das Holz der leicht zurückgesetzten Fenster als "nordisch", also mecklenburgisch zu bemühen, zeigt eher die Erklärungsnot der Architekten. Ähnlich klischeehaft ist der von dem Büro Krafft Wehberg entworfene Garten mit den "märkischen" Kiefern und dem "eiszeitlichen" Bodenrelief. Im Inneren sind die weitgehend identisch gestalteten Räume nur durch Bezeichnungen wie Schinkelzimmer und Caspar-David-Friedrich-Raum den Ländern zugeordnet. Der große, gemeinsam genutzte Saal kann in Kurfürsten- und Ostseesaal unterteilt werden. Immerhin: Im Untergeschoss befinden sich "Fontaneklause" und "Kajüte", in der wenigstens die schiffsförmige Bar der Mecklenburger landesspezifische Anklänge verrät. Im Gegensatz zu anderen Landesvertretungen, wie die von Baden-Württemberg mit ihrer heimattümelnd ausgestatteten Trinkstube, gibt es in der von Mecklenburg und Brandenburg also bisher keinen stilistischen Bruch zwischen der neuen Architektur und Identität stiftenden Ausstattungsdetails. Selbst die Kiefern passen letztlich in das kühle Gesamtdesign. Man kann diese Homogenität als andauernde Dominanz des internationalen Stils sehen. Vielleicht ist sie aber auch ein architektonisches Zeichen dafür, wie nah sich die Länder inzwischen sind. Immerhin wird ihre Vereinigung zu einem Nordoststaat immer mal wieder diskutiert.BLZ/PABLO CASTAGNOLA Zentrum der Doppel-Landesvertretung ist ein Atrium mit Umgängen.